AAAAAAAAAHHHHHHH

Als ich über ein Blog nachdachte, dachte ich mir, ich möchte gerne total positiv sein. Und am liebsten wäre mir, ich könnte so superschöne Photos posten von Kuchen, selbstgenähten Mützen und Kalendern und Deko. Ich hab nur kein Superhändchen für DIY geschweige denn eine Nähmaschine. Mein Backofen ist von 1980 und meine Möbel kommen zu einem großen Teil vom Sperrmüll. Ich mag es, wie es ist. Und ich bin grundsätzlich auch glücklich. Ich kann mich eben an niemandem messen, denn: ich würde kläglich versagen.

Seit ich blogge, genieße ich meine Mittelmäßigkeit immer mehr. Mein normal-sein. Mein nicht-besonderes-sein.

Jaja, wir sind alle irgendwie besonders und meine nachgebackenen Kuchen schmecken und die Plätzchenteller sind hübsch und die gemixten Möbel machen einen wohnlichen und liebevollen Eindruck. Man könnte auch sicher alles ganz wunderbar fotografieren, wenn man es könnte. Aber: hier ist nichts besonders. Nicht besonderer als alle anderen. Normal eben. Scheiß-Wort.

Ich finde noch nicht mal meine Geschichte mit dem Sohn, der jetzt 10 wäre, so besonders, weil überall noch viel besonderere Geschichten geschrieben werden. Letzendes habe ich den Eindruck, dass es in jeder Familie eine Geschichte gibt, die sie verbesondern könnte. Ich lese sie durch, bekomme Tränen in die Augen und spüre dann einen kleinen Stich: als mein Sohn starb, naja, da hatte ich kein Blog. Die Freunde waren schon merklich ausgedünnt und blieben nach der Trauerfeier ohnehin weg und ich war allein. Selbst der Typ, in den ich mich zwischenzeitlich verliebt hatte, ist gegangen. Das ist schon fast kitschig. Auch meine Familie war nicht mehr zu sehen (ich war in der Zeit nicht besonders freundlich, rücksichtsvoll oder flexibel…da gehen Menschen eben auf Abstand. Total nachvollziehbar. Außerdem hätte ich ja immer um Hilfe bitten können.)

Und dann lese ich da Geschichten von Freunden, die sich zusammenschließen und einen Verein gründen und von Großeltern, die einspringen und von Kräften, die den Eltern erwachsen…und ich habe das Gefühl, ich lese Romane.

Also heute zum Beispiel, wollte ich gern meine Eltern als Babysitter für den Kleinen einkaufen, weil ich superdringend endlich den Mist erledigen muss, der sich hier seit Wochen auftürmt. Mails, Geschenke besorgen, Elektrogeräte be- und entsorgen, der Keller der Grauens, alles, was schon zu spät ist. Gestern erzählte meine Mutter mir, dass sie heute frei hat (sie arbeitet sonst halbtags und mein Vater ist Renter). Heute morgen wurde ihr allerdings klar (nachdem sie in Ruhe ausgeschlafen und geduscht hat), dass sie heute bügeln muss. Und mein Vater muss heute das Weihnachtsgeschenk für meine Mutter kaufen. Ja. Blöd. Dann ist das wohl wichtiger.

Ich möchte erwähnen, dass wir Heiligabend bei uns feiern, weil wir als einzige einen Baum haben. 

Ich möchte erwähnen, dass meine Mutter eine Putzwütige ist, die am liebsten ALLES SOFORT abwischt, wegräumt und aufsaugt, was den verklärten Blick eines beeindruckten Besuchers trüben könnte. JA! Ich hab große Lust, hier alles wie Kraut und Rüben sprießen zu lassen um dann Heiligabend zu hören: „Kind, wir wären doch früher gekommen und hätten Dir geholfen.“

„Mutter, ich habe euch früher angerufen und gebeten zu helfen. Aber Du musstest bügeln.“

(Sorry…ich kann positiv immer nur dann, wenn ich keine Zeit zum Schreiben habe. Vielleicht geht es irgendwann rückwirkend. Ich übe ja noch.)


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