2014

Die letzten zwei Wochen waren so voll. Ich hätte nie gedacht, dass Zeit so lange so dicht sein kann. Ich habe schrecklich viel organisiert, gekocht, geputzt, aufgeräumt, gelacht…nie gelangweilt, gewartet, gedöst. Aber mein Energiepegel steigt, denn wir genießen seit dem 20.12. unseren ersten Familienurlaub. Oder Urlaub überhaupt, weil Papa Darling und ich auch noch nie zu zweit Urlaub hatten. Entweder hat eineR von uns gearbeitet oder ich war schwanger oder einer der Jungs war gerade auf die Welt gekommen…

Jetzt ist Papa seit dem 20.12. jeden Tag zuhause. Und unsere beiden Jungs kommen wieder runter. Ich komme runter. Und selbst Papa musste zugeben, dass er wohl auch diese Pause gebraucht hatte, obwohl er sich so sicher war, dass er noch lange hätte so weiter machen können.

Für mich fühlt sich das hier gerade an wie die erste Pause seit 2012. Es ist so unfassbar viel passiert. Soviel unfassbar Wichtiges. So viele Gefühle sind hochgeschwabbt und haben mich über- und unterspült, nicht zuletzt auch durch die beiden Schwangerschaften. Ich kann trotz des häuslichem Tohuwabohus mit Heiligabend und meinem Geburtstag an Silvester zum ersten Mal innehalten und mich spüren. Mich und meine Kinder. Mich und meine Kinder und meinen Mann.

Das ist ein Gefühl, wie am Meer stehen. Ich spüre plötzlich wieder den Tag und nicht nur das, was bald kommt. Ich bin im Jetzt angekommen! Nicht mehr dieses Hinterherhetzen…

Seit der Geburt des kleinen Schatzes im April diesen Jahres, bin ich meinen Männern hier emotional nur hinterhergehechelt. Papa Darling wollte so gerne mehr arbeiten, der große Schatz wollte so viel entdecken und lernen und der kleine Schatz wollte groß werden. Und ich war noch gar nicht da. Irgendein Teil von mir war in den letzten Jahren hängen geblieben. Und es gab einfach keine Zeit für mich, mal zu schauen, wie ich diesen Teil zurückbekommen oder ins Jetzt ziehen oder loslassen kann…Ich hab das ganze Jahr gewusst, dass das möglich wird, wenn ich zur Ruhe kommen kann. Wenn wir gemeinsame Zeit als Familie haben können. Aber mit einem selbständigen Alleinverdiener ist es nicht so irre einfach, Urlaub zu machen. Wir mussten also auf die Schließzeit des größten Kunden warten. Bis zum 20.12.. Was für eine harte Zeit.

Und da sitze ich jetzt kann mich noch einmal durch das letzte Jahr spüren.

Unser Entschluss zu heiraten und der Frust meiner Eltern, dass wir ihnen das nicht exklusiv mitgeteilt haben sondern im Rahmen meines 35ten Geburtstages im Beisein meiner liebsten FreundInnen.

Die zwei Wochen danach, die Papa Darling und ich nicht sicher waren, ob wir meine Eltern bei unserer kleinen Hochzeitsfeier dabei haben wollen.

Die Planung der Hochzeitsfeier im Eiltempo, weil meine Frauenärztin angedroht hatte, dass ich ab Februar vielleicht liegen muss. Das Aussuchen/Gestalten unserer Ringe. Die Einladung auf Büttenpapierreststücken. Die Freude über einen Termin im Januar hier im Hochzeitsturm. Die von einer Freundin für uns gebackene 3 stöckige Hochzeitstorte. Der Tisch in unserem Lieblingsrestaurant in Laufweite…

Die Angst und Vorbereitung aufs Liegenmüssen, Telefonate mit der Krankenkasse und Absprachen mit dem Umfeld. Das Annehmen der Hilfe meiner Schwiegermutter, die dann jede Woche zwei Tage lang hier war. Hier auch übernachtet hat.

Die Hochzeitsfeier, von der ich beinahe nichts mitbekommen habe, weil meine Gefühle mich schon am Vortag fortgespült haben.

Dann das „jeden Tag kann es so weit sein“. Lauter anstrengende Schwangerschaftszipperlein. Immer wieder Angst – ab ins Krankenhaus – dann die Diskussion „da bleiben oder mal wieder selbst entlassen“, weil das Fernsein vom großen Schatz so schrecklich war. Mein ungläubiges Kopfschütteln, als eine Gyn im Krankenhaus meinte, ich könnte es bis in die 38te Woche schaffen. Das ungläubige Kopfschütteln meiner behandelnden Gyn, die meinte, dass ich es nie und nimmer in die 38te Woche schaffe. Und dann der KS-Termin genau 38te Woche…

…ein Traum…die Wehen in der Nacht davor…ich fand sie so wunderbar…mein Kind hat mir gesagt, dass es so weit ist…er wollte raus und konnte raus…und er war gesund und schön und er durfte sofort in unser mitgebrachtes Handtuch und zu seinem Papa und ich konnte ihn schon kurz danach halten und es gibt jetzt diese Bilder von mir nach einer durchwachten Nacht zerzaust und in diesem albernen Hemdchen mit dem Neugeborenen auf dem Arm. Es gibt diese Bilder. Und er blieb bei mir. An meinem Bett. Musste nicht mehr weg von mir. Durfte bleiben…

Und dann der gnadenlose Absturz nach zwei Tagen: Heimweh, Selbstzweifel, Sehnsucht nach dem großen Kind, Unruhe, Angst. Ja, es war eine postpartale Depression. Nein, ich habe sie nicht behandeln lassen. Ich wollte endlich meine Ruhe vor all der Kontrolle und dem medizinischen Wahnsinn. Ich wollte nur zuhause sein und ankommen. Bei meinem Mann und meinen Kindern in diesem neuen Leben.

Es hat 4 Monate gedauert, bis ich stark genug war, auf beide Jungs aufpassen zu können.

Es hat weitere 4 Monate gedauert, bis ich mich wieder spüren konnte.

Und erst heute kann ich sagen, ich habe meinen Platz in meiner Familie gefunden.

Verdammt, ich freue mich auf 2014. Das Jahr wird mit Sicherheit der absolute Knaller.

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