Tage

Es gibt diese Tage, die sich eigentlich total gut anfühlen. Das Aufstehen ist ein wenig leichter als sonst. Das Lachen kommt mir entgegen und ich muss ihm nicht hinterher rennen. Der Tag plätschert freundlich. Eine Idee blinkt auf. Die Idee ist umsetzbar. Und dann entdecke ich eine Fertigkeit, etwas neues, etwas, das ich bisher nicht kannte/konnte und ich bin stolz auf mich. Ich fühle mich ruhig und zufrieden. Ich denke, nichts kann diese Ruhe stören…

Und dann sehe ich wieder Genervtheit. Frage nach und kriege eine unklare Antwort. Ich sehe, wie der große Schatz diese Stimmung aufnimmt und versuche, in meiner Ruhe zu bleiben. Zwar in der Ruhe aber immer erreichbar für die anderen. Ich sitze auf dem Boden und spüren den Tönen der Kinder hinterher und versuche, das andere mit der Genervtheit im Gesicht einfach sein zu lassen. Und doch ist von meiner Insel dadurch bereits etwas abgebröckelt.

Und dann kommt ein Satz, der mir nicht behagt und die Insel bröckelt. Dann kommt eine Geste, die ich verstörend finde, und die Insel bröckelt. Ich sehe die beiden Kinder und ihre Mühe, die Zeit zu ertragen, die Müdigkeit sanft wachsen zu lassen und die Lust auf Essen zu verspielen. Und ich spüre daneben diese Genervtheit. Die ich nicht verstehe. Die mir meine Insel zerbröckelt. Die mir mein Glück zerzaust und nichts will, außer sich selbst nach außen tragen.

Meine Insel ist inzwischen kaputt.

Ich stehe wieder bis zum Hals im Wasser und werde müde. Mal wieder. Wie immer. Müde. Alltagshandlungen. Diesmal zur Entlastung des Gegenübers alleine mit beiden. Und meine Restruhe wankt und ich möchte nur sitzen und dann sehe ich eine Handlung, die mich abstößt. Nichts weltbewegendes. Aber in Sekundenschnelle bin ich wütend, weil ich es unnötig finde und bequem und unhygienisch und ekelig und weil ich enttäuscht bin über das und alles, was vorher war.

Mich sieht keiner. Meine zerstörte Insel ist irrelevant im Angesicht alles anderen. Mein kleiner Traum vom „wenn es doch so bleiben könnte“ interessiert niemanden. Ich stehe im Wasser. Der Sand wird abgetragen. Die Wellen schwappen über mich hinweg. Mein Stolz wird angegriffen. Mein Ton wird angegriffen. Ich werde lächerlich gemacht. Der Boden sinkt. Das Wasser steigt. Und ich möchte nie wieder etwas sagen.

Ich muss warten. Auf den nächsten solchen Tag. Es ist zum verrückt werden…


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