Glück der Vermeidung

Freitagmorgen. Die Woche war ok. Anstrengend weil Krankheitstage immer anstrengend sind. Sie war verschiebend, weil ich Dienstag den Elternabend nicht halten konnte (ich hab nachmittags gefroren wie ein Schneider und war etwa 2h lang kurz vorm Heulen vor Erschöpfung) und der eben jetzt nächste Woche stattfinden muss. Sie war erschöpfend und seit gestern erholsam…sie war insgesamt überhaupt nicht das, was ich geplant hatte.

Für heute morgen hatte ich geplant, Schreibtischarbeit zu machen. Aber: es geht nicht. Überhaupt nicht. Mein Bedürfnis nach ALLEM anderen ist so groß, da kann der Schreibtisch wüten wie er will. Außerdem will ich sowieso neue Ordner für meine Vorstandsunterlagen. Neue Ordner mit ordentlichen beschreibbaren Registern und nicht mehr so ein zusammenstückeltes Durcheinander wie das, was ich übergeben bekommen habe.

Das schlechte Gewissen meldet sich nun heute morgen selbstverständlich regelmäßig. Papa geht extra mit dem kleinen Schatz einkaufen und spazieren, damit ich hier meine Ruhe habe und arbeiten kann. Hmhm. Ist schon nett. Dafür, dass ich zwei Wochen lang nichts anderes gemacht habe, als Familienarbeit, während Papa zwischendurch mal Kinderruhe in seinem Arbeitszimmer genießen durfte. Ja, auch mit Arbeit, aber weiß ich, wie viel Leerlauf er so produziert wenn er platt ist? Ganz davon zu schweigen, dass meine Arbeit NATÜRLICH liegen bleiben muss. „Schön, dass ich diese Woche nicht so viel weg bin.“ Ja…schön, dass ich mich dann um Mittagessen für zwei kümmern muss und meine Zeitpläne irgendwie hängenbleiben…nichts gegen Papa zuhause! Das IST schöner. Mittagessen zu zweit IST schöner als allein. Nur…für zwei denken ist auch anstrengender als für mich allein.

Mein liebes schlechtes Gewissen: dass ich gerade nicht mehr kann/will/Bock hab, ist total klar. Dass Du immer parat bist, ist ebenso klar. Wir zwei sind in unserer Beziehung noch nicht so weit, dass wir ohne einander können. Sind eben beide Kletten. Nur möchte ich, dass Du Dir so langsam mal ein neues Hobby zulegst. Zum Beispiel: Überwachung meiner Selbstsorge. Oder: Alarmschlagen, wenn ich wieder nicht machen kann, was ich mir vorgenommen habe. Entwirre von mir aus das Spielwolleknäuel der Jungs oder rutsch auf der Murmelbahn. Ich brauch auch mal Zeit für mich, die ich vertrödeln kann mit was ich will! Und gerade will ich im Internet lesen und schreiben und Musik anstellen und (die Waschmaschine ignorieren) Schokolade futtern und mich über das Gepolter der Nachbarn ärgern und die Zeit ausdehnen…

Der Schreibtisch stört ja eh keinen außer mir und diese dämliche Mail wegen der Kita-Datenbank kann auch noch warten (wenn ich meine persönlichen Daten nicht in eine stadtweite Datenbank eingeben möchte, die Stadt mir aber sagt „können sie ruhig, wir haben uns schließlich Mühe mit der Datenbank gegeben und teuer war sie auch“, wird das ohnehin eine längere Geschichte).

Ich hab keine Lust auf Alltag! Ich will Fotos machen und Torte essen und mich fühlen, als wäre heute alles möglich!

Gewissen, kümmer DU Dich bitte um die Waschmaschine und lass mich hier in Ruhe Tea with Cinnamon hören! Vielleicht pack ich noch das Tüllröckchen und den Wuschelvogel aus und bin spontan Anfang 20 und allein auf einer BDSM-Party voller nackter Freaks! Dann dreh ich mich so lange bis ich umfalle und verfolge die kreiselnden Linien an der Decke und erkenne in ihnen meine geheimen Traumlande wieder. Ich male mir pinke Punkte ins Gesicht und toupiere meine Haare und wühl im Schrank nach den Ringelstrümpfen. Bis zum Klicken des Schlüssels in der Wohnungstür…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s