Messekritik – ambiente14

So. Meine erste Messe. Hm.

Also es fing damit an, dass Papa Darling meinte, er könnte ja für die Arbeit und ich könnte eines der Tickets…naja, wie das so ist. Wir dachten uns, WENN Oma und Opa einen Tag auf die Jungs aufpassen WÜRDEN, KÖNNTEN wir einen Tag für seinen Job und für uns als Paar nutzen, schöne Dinge gucken und dann noch was essen gehen (vielleicht kurz Cos und Muji sichten) und entspannt wieder heimfahren. Wir erzählten meinem Bruder (seines Zeichens weltbewanderter Geisteswissenschaftler und Gastronom) von dem Plan und er lachte uns aus: „Die Ambiente ist doch nur ne Ramsch-Messe…“

Hm.

Ich möchte vorsichtshalber vorab erwähnen, dass ich nicht leidensfähig bin und prinzipiell nie das Gefühl habe, etwas zu verpassen, nur weil ich früher gehe.

Und da war sie dann, die Frankfurter Messe mit einem Gewirr aus Schildern. Ich bin wirklich und wahrhaftig Schildlegasthenikerin und hab mir spontan überlegt, dass das ja beruflich nutzbar wäre, in dem ich als Beschilderungstesterin einfach mal versuche, frisch beschilderte Gelände zu erkunden. Ich könnte sicher wertvolle Hinweise geben, sobald ich wieder zurück bin aus dem beschilderten Labyrinth. Von mir aus auch mit Elektroden am Kopf. Ehrlich, die Messe könnte von mir noch Tipps bekommen. Aber: das ist gar nicht das Problem. Papa Darling war schließlich schon öfter da und konnte lotsen (wusste auch von so hilfreichen Dingen wie dem Shuttle-Bus – hihi – …).

Dann mal zum Designpreis…Vibratoren neben Kindersitzen neben Stühlen und einem tragbaren Mischpult. Jaaa…genau. Die Präsentation war auch etwa „ja genau“. Und da es überall so zugig war, fiel es uns gar nicht schwer, uns aus diesem elitärem Dunst des Rates für Formgebung zu lösen und nach den Konsumartikeln zu suchen. Ehrlich, ich hatte mehr erwartet. Irgendwie eine liebevollere und kreative Ausstellungslösung. Da standen ein paar weiße Wänden auf hellgrauem Teppichboden und davor verliefen stückweise weiße Boarde, auf denen die kleineren Exponate lagen. Diskret gesichert. Sparsam beschriftet und steril ausgeleuchtet. Ich glaube erkannt zu haben, dass die Themen „Weite, Luft und Raum“ derzeit von Bedeutung sein sollen. Ja, genau. Weiße Wände, grauer Teppich, Helligkeit. Wenn das mal kein weiter Raum voller Luft ist. Verdammt, da geben sich sämtliche Impro-Performer mehr Mühe bei der Arbeit mit Raum und Luft.

Der giving-Bereich sollte es als nächstes sein. Das mit den Taschen. Nicht dass ich einen Fimmel hätte. Ich besitze genau 4 Handtaschen, benutze davon 2 regelmäßig, eine ab und zu und eine gar nicht mehr (weil der Magnetverschluss kaputt ist und ich ein wenig Taschendiebstahlparanoid bin).  Aber ich dachte, dass da am ehesten was zu gucken wäre für dieses Jahr. Wir mussten seeeehr viele Treppen hoch in einem elend grauen Treppenhaus, mit (alle mal raten) Zugluft und wenigen müde dreinblickenden Trolley-zieherInnn. Juhu, eine hässliche Tür und dahinter bunte Farben. Ein Schritt in die Halle und Assoziationen von Basar, Karstadt, Geschäften-die-ich-nicht-betreten-würde und ganz viel schlechter Laune prasseln auf mich ein. Ich mein es nicht böse. Ich hatte schlicht etwas ganz anderes erwartet. In mir wuchs schlagartig Mitleid mit sämtlichen Einkäufern auf mindestens Pappelhöhe.

Wenn doch Messen so wichtig sind. Wenn dort so viel passieren soll. So viel Kontakt geschehen soll. Wieso sehen dann sämtliche Stände aus wie…wie…wie uninspirierte Jahrmarktstände besetzt mit frustrierten Verkäufern, die alles dürfen, nur nichts verkaufen? Wieso dürfen tonnenweise Duftseifen offen rumliegen? Wieso haben manche Stände Musik-Boxen montiert und daneben versucht es einer mit dem Thema Zen und Beleuchtung? Wieso hab ich bei keinem Stand das Gefühl bekommen, mir gerne ansehen zu dürfen, was dort angeboten wird? Im Küchenbereich war alles voll mit Anzugträgern. Nur Männer. Alles voll mit schwarzen Anzügen. So absurd zwischen pinkfarbenen Rührschüsseln und limettengrünen Thermoskannen. Also, nicht absurd, weil Anzüge nichts in Küchenabteilungen zu suchen hätten, es waren nur so absurd viele.

Meine Erwartungen waren definitiv überhöht. Kommt vor. Die Produkte waren einfach so gar nicht meins (he ich hab gerade mit Häkelnden angefangen…da muss ich wohl keine bunten Mützen kaufen), aber was mich wirklich geärgert hat war diese Verschwendung von Ressourcen. Ich habe nichts gesehen, was auch nur ansatzweise Strukturen gesprengt hätte oder hätte sprengen wollen. Nichts, was einen Dialog zwischen Produkt und Präsentation hätte erkennen lassen. Rahmenbedingungen wie hässliche Hallen, Zugluft, unangenehme Akustik und lieblose kulinarische Ausstattung lass ich gern außen vor. Dafür können die Aussteller nichts. Aber da es genau um diese Aussteller gehen sollte, hätte ich mehr Leidenschaft, mehr Drive, mehr Liebe erwartet. Da werden tonnenweise Stände zusammengeschreinert und gestaltet und bestückt und das Ergebnis ist nichts Schönes oder Neues. Das alles kostet Geld und wird danach zerstört.

Ich schüttle immer noch den Kopf über diese Verschwendung und wünsche mir so langsam mal einen globalen hellen Moment.

Wir sind sehr schnell wieder gegangen. Wir sind essen gegangen und haben uns Muji und Cos angeguckt, haben auf dem Heimweg die Flow gekauft und ich freu mich auf den Abend. Diese Messe-Erfahrung ist kostbar gewesen. Und sie wird noch eine Weile nachhallen…


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