freedom over me over me

Nein, Vorsätze hatte ich nicht. Gelassen-sein wollte ich üben. Klappt aber nur bedingt. Ich spüre in mir einfach so viel „wumms“, dass ich mich selber wundere, denn „wumms“ ist etwa das Gegenteil dessen, was ich gerne hätte (so nach einem Jahresbeginn voller Infekten, Kinderkrankheiten, drückenden Backenzähnen und unklassifizierbarem Durchfall…). Also auf den Punkt gebracht: meine eine Hälfte will schlafen/liegen/lesen/ruhig sein und die andere will toben/schreien/explodieren/tanzen/wütend sein. Gleichzeitig.

Häh?

Ich kenn mich jetzt seit guten 36 Jahren. Ich versteh mich etwa seit 6 Jahren. Mama bin ich seit 2 Jahren und verheiratet seit einem Jahr. Was ist da los? Nicht dass ich diese zwei Pole in mir nicht kenne. Ich hab wirklich beide Seiten ausgeprägt diese Sehnsucht nach Ruhe und diesen Explosionsdruck. Nur haben die sich bisher abgewechselt. Ganz vernünftig. Es gab Zeiten des Rausgehens (ich hab Performance-Kunst gemacht und unterstützt, Lyrik geschrieben und gelesen, gesungen, im Park getanzt, aus Lust einen kleinen Papiervogel in den Haaren getragen und war auf verrückten Parties (*hust* dazu ein ander mal mehr…hihi)). Und es gab Zeiten des alleine-in-Ruinen-sitzens, des nachts-Fahrradfahrer-zählens, des Schreibens und Hörens. Immer schön abwechselnd.

…wenn ich so zurückschaue, die letzten drei Jahre…puh, da wird mir schon etwas übel. Nichts von dem, was da oben steht, habe ich mehr gemacht.

Ich sitze hier in der wochenendlichen Mittagspause auf dem Sofa, das Schreibgerät auf dem Schoß, die Schürze vom Bolognese-Mittagessen-mit-Kindern noch umgebunden. Gegenüber steht ein Wäschekorb mit frisch gewaschener Wäsche, das Geschirr steht noch auf dem Tisch, die Holzspielzeugteile sind zusammengeräumt und stehen auf dem Teppich, auf dem Kindertisch liegt der aufgeschlagene Block mit den Buntstiften. Ich sehe bis in den Flur und dort steht ein voller Müllsack an der Wohnungstür. Die Küche ist verwüstet. Der Kühlschrank wurde mal wieder zu lange nicht geputzt. Auf meinem Schreibtisch liegen Unterlagen für die Krabbelstube und vom Jugendamt (keine Sorge…nur Krabbelstubenpost). Der Karton der bisher leider nur ausgepackten und noch nicht mal ausprobierten Nähmaschine steht neben dem Regal. Draußen regnet es. Neben dem Sofa die Mütze Nr. 6, die noch vernäht werden will. Um mich herum meine geliebten Kissen, alle mit Schokoladenflecken. Die Papierkraniche an der Tischlampe hängen ganz still. Die Blüten der beiden einzigen weil-geschenkten Zimmerpflanzen kommen endlich wieder. Meine Rabenleiter. Das signierte Plakat eines Jazzkonzerts (hach). Meine Quietscheentchendecke. Der noch leere Wäscheständer.

Ich hab vorhin im Blog von momatka behauptet, ich hätte mich durchs Mama-werden nicht verändert. Mir dämmert, dass das gar nicht stimmt. Sicher, mein Wesen ist genau dasselbe wie schon immer. Nur kümmere ich mich nicht mehr so großzügig um dieses Wesen sondern gebe Handlungen den Vorzug, die ich früher in der Masse nicht akzeptiert hätte. Ich habe mich verändert. Mein Blick hat sich verändert. Mein Blick fokussiert meine Kinder und unser Zuhause und vergisst, dass die Seele des Zuhause die sind, die darin wohnen.

Was mach ich jetzt damit?

(Pause)

Der Regen hat sich verzogen und zwischen den hellgrau-weißen Wolken blinkt der blaue Himmel. Wow ist das kitschig. Schön. Das Haus gegenüber strahlt richtig in der Sonne. Ich höre einen Skateboarder auf der Straße. Was kann ich heute anders machen? Was kann ich heute mit den Kindern zusammen anders machen?

Mir fällt nichts ein. Echt. Gar nichts. Mir fallen nur Dinge ein, die ich ohne die Kinder machen könnte, weswegen ich die nicht machen kann. Ist das schwach? Normal? Ok? Beschissen? Wie macht das eigentlich Papa Darling? (ich höre ihn förmlich sagen: „Darüber hab ich gar nicht nachgedacht…“)

Ja, Selbstreflexion ist prima. Ich versteh mich dann viel mehr. Ich hab jetzt ne Idee, woran diese sich gegenseitig ausschließenden Sehnsüchte kommen und was sie gerade sollen. Ich kanns nur nicht ändern. Bleib gelassen, Minusch. Gib Euch Zeit. Gib Dir Zeit. Häng halt die Scheiß-Wäsche auf und räum den Scheiß-Tisch ab, träum dabei, Du wärst ne Meerjungfrau und in den Fängen von Madame Medusa. Und wenn die Kinder wach werden nimmst Du sie in den Arm, liest zum 20ten Mal heute Elmar, freust Du Dich über die vielen tollen Worte, mit denen Dein Großer Dir zeigt, wie wunderbar er schon erzählen kann und bewunderst das Durchhaltevermögen des Kleinen, wenn er sich am Kindertisch festhält und gleichzeitig versucht den Block aufzuessen.

panta rhei

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