desaströs

Mein Selbstversuch wird pervertiert durch die hiesige Familienrealität.

Ich hab mich gestern mittag hingelegt. Ich war auch eine kleine Weile liegend im Bett. Zwischendurch einmal eine Wärmflasche gemacht und dabei (natürlich…) die Spülmaschine ausgeräumt, WEIL die schon seit dem Aufstehen offen stand und Papa sich nicht darum kümmern konnte. Papa wollte nämlich lieber das Wunder vollbringen, den kleinen Schatz zu betreuen und gleichzeitig im Homeoffice zu arbeiten.

Mir war klar, dass hier (wie sonst auch) nichts Haushälterisches geschieht, wenn ich ausfalle. Das höchste der Gefühle ist Tisch-abräumen und Spülmaschine und abends eventuell saugen. Mir war nicht klar, dass ich im Bett liegen und den kleinen Schatz schreien hören muss, weil Papa meinte, genau jetzt die Arbeitszeitenübersicht aktualisieren zu müssen.

Ja, ich hätte auch gern geschrien über so viel Naivität und Ignoranz. Nein, ich habe es nicht getan. Ich habe erst leicht erhitzt und danach ruhig versucht zu erklären, dass er seine Arbeitszeiten an den Rhythmus des Kleinen anpassen muss und diese aktuelle Kombination keinem von beiden etwas bringt.

Danach hab ich eine Stunde geschlafen.

Dann hatte ich den kleinen Schatz auf dem Arm, damit Papa den großen Schatz aus der Krabbelgruppe holen kann. In der Zeit habe ich die Tomatensauce für die Pizza zum Abendessen gekocht, um die ich Papa morgens schon gebeten habe. Er konnte sich da leider nicht drum kümmern (fertig gschnibbelten Knoblauch in zerlassener Butter anschwitzen, 2 EL Honig dazu, fertig geschnippelte Tomaten dazu, aufkochen und 20min köcheln lassen; noch nicht mal regelmäßiges Umrühren ist dabei nötig, weil die Tomaten so viel Wasser haben…danach abschmecken mit etwa 2 TL Weißweinessig und Pfeffer…), denn er hatte ja das Kind (so wie ich gerade).

„Du kannst das eben besser!“ in dezent aggressivem Ton. Ja. Schön wärs.

Dann konnte ich nochmal eine Stunde ins Bett mit Tür zu. In der Zeit kam nochmal eine Mail die ich Korrektur lesen sollte, weil sie abends raus musste. Und schwupp diwupp saßen die drei Kerle wieder glücklich auf meinem Bett, tobten hier rum…dann mussten die Jungs sich anziehen, weil zur Nachkontrolle nochmal ein KA-Besuch anstand. Mein Vater wollte freundlicherweise mit den drei Kerlen fahren. Und ich: Ich konnte in der Zeit den erwarteten Pizzateig kneten, Pilze, Schinken, Tomaten, Knoblauch und Mozzarella schneiden.

Kaum war ich fertig, kamen alle zurück mit Hunger. Also habe ich schnell die Pizzen fertig gemacht, den Großen besänftigt. Dann gabs Abendessen. Dann erhob der Große Anspruch auf seine zwei Folgen Yakari mit mir. Dann trug ich das müde Kind ins Bad, zog ihm dem Schlafanzug an und brachte ihn ins Bett.

Aber der schönste Moment war der, als Papa und ich abends im Bett lagen und noch eine Folge Mentalist sahen. Der Große fing an wild zu schreien. Papa schlurfte ins Kinderzimmer. Der Große schrie weiter. Papa schlurfte zurück. Ich fragte: „Was hat er denn?“ er antwortete: „Keine Ahnung, er hat nicht still gehalten, da hab ich ihn wieder hingelegt…er hatte ja auch die Augen zu…“ und schrie die ganze Zeit weiter. Also lief ich mit nass-geschwitztem Nachthemd und stinksauer auf Papa rüber und hielt den Großen auf dem Arm, bis es ihm besser ging und er wieder ins Bett wollte (das dauerte keine 10Minuten!).

Als ich zurückkam und erklärte, dass ein wegen Alpträumen schreiendes Kind von nicht mal 2 Jahren durchaus auch mal festgehalten werden kann, wenn es schlafend um sich schlägt, kam die Antwort: „Ok. Ich merke es mir.“

Was soll ich sagen? Die Nacht war scheiße, ich habe grässliche Schmerzen in den Ohren und im Nacken. Meine Nase ist komplett zubetoniert und ich huste immernoch. „Oh, ich hatte gehofft, es würde Dir heute besser gehen…“ Ahhhhhhhh!!!!

WARUM?

Papa brachte heute morgen den Großen in die Krabbelstube und wollte auf dem Rückweg Brötchen mitbringen. Er kam nach einer doch recht langen Zeitspanne zurück (in der ich mit dem Kleinen gespielt habe, obwohl mir alles weh tut) und meinte: er hätte nicht gewusst, ob wir noch Milch und Quark gehabt hätten. Und er hätte Filter für den Kaffee gebraucht. Er sei dann eben noch schnell in den Supermarkt gesprungen.

Ich hatte Mittwoch gefragt, vor meinem großen Einkauf, ob er noch was braucht (Kaffee trinkt ja nur er). Nö. Dann war ich Einkaufen. Groß-Einkaufen! Ich habe noch NIE die Milch für unsere Jungs oder den Quark für die Brötchen vergessen. Er wollte ja nur auf Nummer sicher gehen. Klar. Und was so im Kühlschrank steht, ist auch nicht immer ganz deutlich. Gut, da steht gerade Aldi-Quark und nicht Schwälbchen, weil wirs gerade nicht so dicke haben…

Das hier ist ein Kampf!

Ich bin keine ausgebildete Haushälterin aber ich zweifle langsam an der Wahrnehmung meines Mannes. Wir waren uns mal einig, dass wir hier alles teilen. Aber komischerweise kann nur ich mit zwei Kindern gemeinsam ne Waschmaschine anstellen, die Küche aufräumen und Klamotten zusammenlegen. Oder den Boden saugen und wischen. Oder das Bad putzen. Und vor allem trotzdem noch was zu Essen kochen!

MANN: Ich hab das auch nirgendwo gelernt! Ich werde eines Tages wieder arbeiten und ich sehe da verdammt dunkle Wolken am Horizont aufziehen, wenn Du nicht langsam mitziehst! Ich kann das mit dem Haushalt nicht besser! Ich gebe mir nur gerade mehr Mühe mit dem ganzen Mist, weil ich weiß: alles in kleinen Portionen ist besser, als irgendwann auf einen Schlag alles regeln zu müssen!

Nein, ich sehe das alles nicht mit Humor! Entschieden nicht! Humor würde nur dazu führen, dass ich völlig handlungsunfähig werde. Ich hab aber keine Lust, diese Aufteilung für die nächsten 20 Jahre abzunicken. Ich bin nicht zuhause, weil ich die Frau bin, sondern weil Du selbständig bist und wir in Deiner Elternzeit zu wenig Geld gehabt hätten. Ich bin nicht zuhause, weil ich es besser kann. Ich bin zuhause, weil wir als Team entschieden haben, dass wir das Geld brauchen.

Es ist ok, dass ich hier den Haushalt mit dem Kind gemeinsam manage. Ich bin ja zuhause. So ein Haushalt führt sich nunmal besser von zuhause als vom Büro aus. Aber wenn ich krank bin, will ich auch loslassen können, ohne Angst, dass nach meiner Gesundung die Arbeit für eine Woche etwa drei Mal so viel Umfang hat wie sonst.

 

Ich bekomme das nicht kommuniziert. Und vor allem bekomme ich kein Verständnis. Ich habe auch keins mehr. Eigentlich renn ich da gegen eine Wand. Ich kanns ja nunmal besser. Was soll mann da machen?

4 thoughts on “desaströs

  1. Du Arme. Ich ärgere mich zuweilen auch darüber und kann nur raten: einfordern, einfordern, einfordern. Wenn es sich vertreten läßt, auch mal nicht hingehen und helfen, kochen oder aufräumen. Er wird es schon schaffen. Bei uns gilt ja die Regel: Jeder macht es anders (was natürlich auch nicht Dauerschreienlassen bedeuten kann.) Meist ist doch auch Einsicht da, spätestens wenn die Situation sich wieder entspannt hat. Und wenn sich unendliche Mengen Haushalt angesammelt haben, dann muss man eben mal zusammen anpacken (Allerdings darf ich eigentlich keine Haushaltstipps geben, weil es hier zwischen Berufstätigkeit und Kitabesuch aussieht wie Sau…) Auf jeden Fall durchhalten. Alles Gute, gute Besserung & liebe Grüße.

  2. Mir dämmert ja auch schon, dass das ein Thema für mehr als eine Familie ist. Und sicher seh ich ein, dass wir die Handhabungen nicht synchronisieren können. Es ist nur…es hat geklappt bis zum Ja-Wort. Also nach meinem Dafürhalten…seitdem dümpeln wir in diesem albernen und unrealistischen Konservativ-Ding rum und ich rudere und rudere und fordere und fordere…und bin immer die Zicke.
    Ich HOFFE, dass das mit der Zeit besser wird, denn ich mag nicht dauernd der Sexismus-Indikator vom Dienst sein. Zumal Papa ja zufriedener wäre, wäre ich ruhig.

    Anstrengend!

    Aber wenigstens geht es mir langsam besser. Dann hat Papa noch Pause bis etwa Oktober, ab dann haben wir nämlich den Krabbelstubenplatz und ich vielleicht auch wieder einen Job.

    Danke fürs mitdenken und mitfühlen…das ist mir sehr wertvoll! Und es geht ja nicht um perfekte Haushaltsführung sondern um das Prinzip Gleichverteilung. Sonst würd ich direkt Martha Stuart ansprechen *hust*

  3. oje, ich fühle sehr, sehr, sehr mit dir. wir haben nach vier jahren mit kindern schließlich das gemeinsame handtuch geworfen, weils tatsächlich keinerlei gegenseitiges verständnis mehr gab… diese haushalts- und kinderbetreuungsgeschichte ist ein wirklich zäher brocken, da konnte ich noch so nachvollziehbar argumentieren – ich hab mir sämtliche zähne ausgebissen!!
    ich wünsch dir alles, alles gute und hoff, dass du inzwischen wieder auf den beinen bist.

    1. Verdammt, es ist wirklich nicht lustig. Und ich lese bei einigen Blogs von Alleinerziehenden mit und weiß manchmal nicht, warum es denn ausgerechnet bei uns klappen sollte. Ist das nicht doof? Wie schnell das Ganze Romantik-Dubidu verpufft, weil die Müdigkeit einen Abend für Abend ins Sofa dübelt? Und was ist dann die Konsequenz? Ich kann nicht mehr nur auf meine finanzielle Freiheit verzichten sondern auch noch auf Inhouse-Entlastung?

      Ich lese bei Dir auch total gerne mit, weil ich immer wieder staune, wie Du Dir Deine (inneren) Freiheitsinseln bewahrst.
      Danke für die guten Wünsche! Ich pack sie unters Kopfkissen und träum mich an meinen Lieblingsstrand, in den warmen Sommersand, ins Dubidu-Schlaraffenland (<< familiärer Sonnenscheinkoller)

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