working on amtlichem Mist

Ihr lieben Seelenwärmerinnen und -wärmer da draußen. Während ich hier in meinen Wänden einen ordentlichen Kampf zu kämpfen habe, geht draußen das Leben weiter. Nein, das Wochenende beinhaltete keine Pause. Papasch hat keine Vertretung für Sonntag organisiert bekommen. Es war hart. Und scheiße. Und hart. Ach, was erzähl ich Euch…

Aber:

Wir haben abends konstruktiv an unserem Alltag gearbeitet und versucht, Lösungen zu konstruieren, die wir eine Weile so halten können. Jetzt müssen wir sie ausprobieren. Ich möchte Euch gerne daran teilhaben lassen. Work in progress. Offene Probe. Sowas. Schaut mir über die Schulter von Eurem Standpunkt aus und teilt mir mit, was Euch durch den Kopf schießt! Ich bin mir sicher, ich habe kein zu therapierendes Problem. Ich bin einfach zu lange überlastet. Was daraus werden kann, wäre ein zu therapierendes Problem. Aber bis ich mich noch mal in die Hände eines Therapeuten/einer Therapeutin begebe, muss hier definitiv noch mehr im Dreck liegen. Ich spüre, dass ich den Weg hier raus schaffen kann, ohne ein weiteres Mal meine Kindheit, meine Ängste oder meine Verhaltensmaximen auf den Prüfstand zu stellen. Denn: alles tut, was es tun muss! Mein Körper zwickt und schmerzt und versucht mich zu bremsen. Meine Seele krängt und krängt und versucht mich zu bremsen. Jetzt haben es beide zusammen getan und damit geschafft, was ich all die Zeit so nicht konnte: wir haben Papasch alarmiert!

SO ist es richtig! Naja, es wäre schön gewesen, wenn ich diesen Alarm zu einem früheren Zeitpunkt hätte auslösen können, ABER: es ist noch lange nicht zu spät!

 

Unsere Pläne:

– ich mache jeden Morgen vor dem Frühstück (und nach meinen Möglichkeiten) Yoga, um nicht in Hektik in den Tag starten zu müssen.

– Ich dusche fix alle 2 Tage und nicht dann irgendwann wenn es passt.

– Kind2 und ich sind angezogen, wenn Kind1 und Papasch die Wohnung verlassen.

– Der Frühstückstisch ist abgeräumt, die Küche zumindest ordentlich, wenn Kind1 und Papasch die Wohnung verlassen (Papasch achtet drauf).

– Wenn ich lange Nachmittage mit den Kindern alleine gestalten muss, organisieren WIR entweder Besuch/Besuchen gehen bei anderen Familien ODER einen Babysitter als Unterstützung für mich (wir kennen 2 Mädels persönlich und von zweien haben wir gehört/gelesen).

– Ich bekomme einen fixen freien Tag in der Woche.

 

Was wir noch klären möchten: wieviel Ordnung brauchen wir an welcher Stelle. Ich habe nämlich das Problem „je schlechter es mir geht, desto ordentlicher brauche ich es“. Ist eine denkbar ungünstige Vorraussetzung fürs Mama-sein, aber ich werde es jetzt nicht abstellen können. Ich überlege, ob ich mir das Schlafzimmer als meinen Rückzugstempel sichern kann. Als einen Ort der Ruhe und des Loslassend. Ich überlege, hier auch meine Yogamatte einfach liegen zu lassen um im Zweifelsfalle einfach sitzen zu können (ich hab mal Zazen gemacht). Für die Ordnung in diesem Raum muss ich leider noch etwas tun, weil das Mobiliar bisher nicht das hergibt, was mir wichtig wäre, aber es ist nicht unmöglich und nicht stinketeuer, das zu lösen. Es kostet nur wieder etwa einen Tag Arbeit. Mal sehen.

Außerdem warten wir gerade auf den Rückruf von meiner Schwiegermutter. Ich habe heute morgen behutsam auf seine Nachfrage mitgeteilt, dass ich das Gefühl habe, dass wir hier raus müssen. Alle. Und dass sich doch die Tage inklusive Himmelfahrt und dem Montag (wir haben unsere 3. Jahrestag am 2.6.) eignen würden. Und dass ich so sehr Meerweh habe. Und – plopp – kommt Papasch mit dem Gedanken: „Du, meine Eltern fahren Donnerstag nach Holland ans Meer. Wenn die so ne große Ferienwohnung wie immer haben, nehmen die uns bestimmt gerne mit! Soll ich mal fragen?…“

UND: den Donnerstag drauf habe ich einen Termin bei einem Allgemeinmediziner und Homöopathen! Vielleicht kann der mich auch noch irgendwie begleiten. Ich denke auch über Coaching nach, muss aber erst den Juni abwarten, bis klar ist, wo wir finanziell stehen. 

 

Klingt alles prima, hm? Das Wochenende war trotzdem kacke. Ich schäme mich bis aufs Blut, wenn ich wieder nicht angefasst werden möchte und mein Sohn mich verständnislos und traurig anschaut. Ich schäme mich, wenn ich Papasch mit allem alleine lassen (obwohl es ja anders herum auch dauernd so ist…nur arbeitet er ja eben noch…und…ja, ich arbeite hier zuhause auch…ach ihr kennt diesen Mist doch sicher…). Ich fühle mich erbärmlich, habe den Eindruck, alle Welt müsste es mir ansehen. Aber was sich gerade als ganz beschissen herausstellt: ALLE MAMAS KENNEN SOWAS!

Ja was ist das für eine rotzbeschissene Welt in der sowas tagtäglich abläuft???? Junge Familien haben viel Stress, das wird erwähnt, aber wie weit das buchstäblich überall geht, das beschreibt niemand! Und wir haben zwei gesunde Kinder und einen in der Krabbelstube und wir sind zu zweit! Wir haben eine schöne Wohnung, die groß genug ist, wir haben zumindest ein Großelternpaar grundsätzlich in Reichweite. 

WIEVIELE FAMILIEN GIBT ES, BEI DENEN MEHR ALS EIN FAKTOR MIESER IST ALS BEI UNS????

 

In meine Verzweiflung mischt blendend weiße Wut! Damals, als ich alleine mit meinem kleinen kranken Kind war, ging es mir noch schlechter. Ich war depressiv von vorne bis hinten. Aber: niemals bilderbuchdepressiv! Ich sah immer ordentlich aus, meine Wohnung war immer aufgeräumt, ich konnte immer auch lachen. Ich hatte immer einen Rhythmus. Aber: Wäre da auch nur eine Hilfe mehr gewesen, ein paar Menschen, die mich ab und zu begleiten, einladen, mitnehmen, vieles wäre anders gewesen.

Scheiße: wenn ich irgendwo nochmal eine Mama mitbekomme, die zusammenbricht, und wenn ich nicht gerade selber bis zum Hals im Müll stecke, dann möchte ich etwas tun, damit diese Mama wieder Land sieht! Ich WILL dass das aufhört! 

 

FÜR AUFRECHTE STRAHLENDE MÜTTER UND VÄTER!

 

Minusch


7 Gedanken zu “working on amtlichem Mist

  1. Ganz genau, das kann ich 100% unterschreiben! Hoffentlich lässt sich das mit dem festen freien Tag umsetzen! Die anderen Pläne beziehen sich ja mehr auf die Morgen-Routine, hmm, vielleicht da nicht zu sehr unter Druck setzen. Die Nachmittage anders zu gestalten finde ich super, da könnte ich auch mal drauf achten.
    LG, Micha

    1. Wir sind in der Testphase. Wenn das Organisieren am Ende zu viel Kraft raubt, brauchen wir ohnehin noch einen anderen Plan.

      Und morgens Druck rausnehmen, wenn einer pünktlich ins Büro muss, einer wieder schlafen möchte und der dritte keine Lust hat, Schuhe anzuziehen. Oder einen Pulli. Oder eine Hose…leichter gesagt als getan…und früher aufstehen nach hallo-wach-Pausen ist auch nicht drin!

      Puh…puh puh puh…einatmen…ausatmen…weitergehen…

  2. Deine Pläne klingen schon mal nicht schlecht und ich drücke alle Daumen, dass Du wieder „Land“ und „Licht“ siehst. Auf Twitter lesen wir uns ja immer mal wieder. Ich kann Dich gut verstehen, ich hab aber immer noch die Kurve gekratzt. Es gibt aber Tage, wenn ich auch nicht richtig organisiert bin oder lange mal wieder alleinerziehend weil Papa weg und alles gleichzeitig passiert- dann …
    Es ist wichtig, dass wir auch darüber reden und nicht nur immer wenn alles rosa ist, wir dürfen schwach sein und müssen endlich mehr darüber reden
    Alles liebe erstmal und viel Kraft!
    Tanja

    1. Ich denke auch, dass wir darüber reden müssen. Denn die Scham „nur ich schaff das nicht und alle anderen kommen klar“ ist ein völlig unnötiger Energie- und Selbstbewusstseins-Fresser. Danke für die lieben Worte…sind gerade frisch aus den Niederlanden zurück. Ich warte auf den Alltag…;)

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