Alltags-Meditationen

So viele gute Vorsätze (nach dem ich mich zu Neujahr ja strickt geweigert hatte, wir etwas vorzunehmen…), aber nicht genug Alltag, um…tja. Ich denke viel (in den Leerlaufmomenten, in denen ich neben dem Kleinen liege um ihm beim Einschlafen zu helfen oder in denen ich den Großen auf dem Schoß habe, um mit ihm „Giraffe, Erdmännchen & Co“ zu gucken…). Ich denke an meine Sozialisation. Und wie lange es gedauert hat, meinem Leben die Färbung zu geben, die zu mir passt. Was habe ich alles gelernt? Hygiene, Ordnung, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ernsthaftigkeit (musste ich auch lernen, ja)…dann hab ich mir beigebracht Loslassen (also, ich kann es so mit einer Quote von 50%…immerhin), Träumen (das ist bei dem obigen auf der Strecke geblieben), mich selbst Loslassen (auch ne 50% Quote), positiv Denken/Reframen, Entscheiden, Yoga, Zazen, spiritual Interiors, Loslassen (ja, nochmal…).

Ich bin an sich super aufgestellt für die Existenz als Mutter in diese Phase gestartet. Ich hatte alles Werkzeug bereits im Fortgeschrittenen-Stadium an der Hand. Was ich allerdings nicht wusste: wie diese hormonelle Fernsteuerung funktioniert UND was das andere Elternteil so treibt. Ich habe mich immer alleine „optimiert“/weiterentwickelt/reflektiert. Nicht als Partnerin. In diesen Visionen von meiner Zukunft als Mutter war der Vater immer ein gesichtsloser Appendix. Jemand, der mir zuarbeitet.

Wie konnte ich übersehen, dass zu meiner Mutterwerdung parallel eine Vaterwerdung UND eine Elternwerdung stattfinden muss!?!

Ich möchte nicht so verstanden werden, als wäre das die Wurzel meines Übels. Es ist mehr die überraschende und kaum beeinflussbare Komponente, die mein Gleichgewicht ausgehebelt hat. Meine Balance, die auf alles mögliche vorbereitet war. Nur eben DAS nicht. Dieses Abwägen, wer ist wann müder und braucht eher eine Pause. Dieses Ausbalancieren von Erwerbsarbeit und Hausarbeit. Die finanziellen Aspekte (was wird gespart und wofür wird es irgendwann ausgegeben?). Und nicht zuletzt auch meine berufliche Zukunft, die sich trotz aller positiver Impulse meinerseits immernoch irgendwo in einem Sternennebel verdichten muss, bis ich sie sehen kann.

 

Meditationen.

 

Ich habe so viele Gedanken…wohin mit meinen Schwachstellen? Die konnte ich früher zuhause prima ausleben…Mamasünden? Seltsames Wort. Ich verstehe ja, was damit gemeint ist, aber: Ist etwas, was nicht für alle optimal ist aber zumindest einen Menschen unfassbar entlastet wirklich eine Sünde? Ich schaue jeden Abend mit dem Großen 20min fern. Erst wars Yakari, dann der kleine Maulwurf, derzeit sind es diese Zoosendungen (Danke Youtube). Und wenn er nicht Zähneputzen will, frage ich einmal „möchtest Du noch mit mir etwas schauen?“ und das Kind lässt mich seine Zähne nachpolieren, danach kuscheln wir auf dem Sofa und es geht ab ins Bett. Ist das nicht prima? Er will in der Krabbelstube keine Schuhe anziehen, na dann läuft er eben barfuß heim. Sünde? Er will nicht gewickelt werden? Na dann warte ich ab…irgendwann wird die Windel schon nerven? Er will nicht mit frühstücken?…dann eben nicht. Solange er den Kleinen nicht beim Essen stört.

Ich lasse ihn laufen und denke, dass es irgendwie ok ist, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Wir halten ein paar Regeln ein. Wirklich wenige. Morgens und abends Zähneputzen. Frische Klamotten anziehen, wenn Mama/Papa es für nötig halten. Nach 17 Uhr nichts Süßes mehr. Kein Sand vom Balkon in die Wohnung tragen. Und der Gefrierschrank wird nur mit Mama/Papa zusammen geöffnet.

Ansonsten verläuft jeder Tag irgendwie anders mit anderen Experimenten und Abenteuern. Die Kinder dürfen mit mir putzen. Sie dürfen ihr Spielzeug verteilen. Kissen rumwerfen. Beim Einkaufen eine Sache aussuchen. Auf der Arbeitsplatte sitzen. Mit meinem Handy spielen. Süßes essen, wenn sie es möchten. Und seit der Große so wunderbar spricht, beziehe ich ihn in die Tagesplanung mit ein. Er möchte zur Oma? Also ruf ich Oma mal an. Er möchte ein Kind besuchen. Ich frag mal nach…

Klingt das jetzt total positiv, Kinder-fokussiert und geborgen? Für mich ist es der Weg des geringsten Widerstandes. Ich bin ohnehin in der Warteschleife, bis der Kleine in die Krabbelstube kommt. Ich bekomme hier kaum etwas erledigt. Das meiste bleibt liegen. Ich erledige nur das Dringendste. Selbst schöne Dinge bleiben liegen (ich will seit Wochen ein Päckchen packen und nach Nord-Westen verschicken und schaffe es nicht…). Aber, ich habe Hoffnung. Denn, die Zeit spielt immer für uns! Die Kinder werden größer uns selbständiger und irgendwann gehen sie selbstverständlich in Kindergarten und Schule und kommen selbstverständlich wieder heim und es ist alles einfach so, wie es ist. Sie werden erst in 20-30 Jahren selber Erziehungsratgeber lesen und nachdenken „wie war das eigentlich bei uns so?“. Und dann kann ich ihnen sagen: „Jungs, ihr ward wundervolle Kinder. Von Geburt an. Papa und Mama mussten aber noch wundervolle Eltern werden. Deswegen habt ihr die ersten 3 Jahre Eures Lebens vergessen, denn: Das war unsere Probezeit.“

2 thoughts on “Alltags-Meditationen

  1. Auch nach ziemlich langer Probezeit muss manches neu verhandelt werden. Heute Morgen war mein Mann auch nicht besonders hilfreich als er meinte mir mitteilen zu müssen, er habe verschimmelte Möhren im Keller gefunden, während ich noch im Halbkoma war.

  2. Achja, das gehört dann wohl in den Bereich „Wir haben beide zwei Gehirnhälften und doch funktionieren wir total unterschiedlich“…Papasch teilt mir gerne seine Termine morgens beim Frühstück mit, wenn ich dem Kleinen Brote kleinschneide, den Großen am Tisch-Verwüsten hindere und Hunger hab wie eine Löwin…

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