„Ich auch ‚prechen Mama!“

Die kindliche Sprache ist etwas so unfassbar wunderbares. Für mich als Sportlegasthenikerin sogar wunderbarer als das Laufen-lernen. Mein Großer hat schon sehr früh sehr viel mitgeteilt. Er hat schon mit 6 Monaten angefangen, Silben zu verdoppeln (verdrei-vier-fünf-sechs-…-fachen) und wir hatten irre viel Spaß an komischen Geräuschen, Tönen, Grimassen und Worten. Als wir einen Namen für seinen kleinen Bruder suchten und im Namensbuch den Namen „Pim“ fanden, war für meinen Sohn die Welt ein einziger Witz. Für jedes „Pim?“ erntete ich ein halbstündiges Gelächter. (Nein, wir haben den Bruder nicht Pim genannt…Himmel!)

Und so hat es mich auch gar nicht überrascht, dass der Große mit dem wirklichen Sprachtstart zum ersten Geburtstag loslegte und seine ersten Worte „Kuchen“, „mal’n“ und „Ball“ waren. Tagesfüllende Lieblingsbeschäftigungsoptionen bis heute. 😉

Was mich aber überrascht hat, war die Rückmeldung aus der Krabbelgruppe: Das Kind spreche sehr viel und sehr schön und das Team bemerke, dass wir zuhause viel mit ihm gesprochen hätten…“

Öhm. Hatte ich das? Tatsächlich wollte ich mich davor hüten, mein Kind so platt zu quatschen, wie es beispielsweise die Großmütter unserer Familie zu tun pflegen. Beide stellen ohne Ende Fragen, beantworten sie dann selber und machen direkt auf das nächste Thema aufmerksam. Wenn ich das höre, werde ich generell total unruhig und angespannt. Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn die Antwort auf eine Frage nicht abgewartet werden kann, denn der junge Mann WILL immer antworten.

Ich habe mich in seiner Babyzeit oft gefragt, ob ich vielleicht zu wenig mit ihm rede (gemessen am Sprachspektrum der Großmütter). Ich hab Lieder gesungen, wenn es uns in den Sinn kam. Ich hab mit ihm beim Essen und Wickeln und Spielen geredet und ich habe ihm, wenn er interessiert war, meine Handlungen kommentiert. Und zwischendurch gab es Sendepausen. Letztenendes denke ich, dass unser Umgang mit Sprache gemessen an unseren Bedürfnissen absolut ok war. Nicht wirklich anders, als in anderen Familien. Einfach unserer.

Was ich allerdings ganz bewusst gemacht und auch dem Papasch immer wieder auferlegt habe:

Ab dem ersten Wort des Großen wird nichts verbessert, sondern positiv bemerkt und richtig wiederholt.

Das sitzt inzwischen ganz tief drin.Ich wiederhole tatsächlich fast alles, was er sagt in der grammatisch richtigen Form, nachdem ich ein positives Signal gesetzt habe. Das klingt jetzt total wissenschaftlich (ist es vom Kopf her auch, schließlich hab ich im Bereich der Linguistik auch den Bereich des Erstspracherwerbs beackert), aber tatsächlich hat es etwas sehr natürliches.

Er sagt: „Toast hat!“

Ich lächle und sage: „Wirklich, Du hast da ja einen Toast!“

 

Er sagt: „Bruder aua makt? Kühl’n?“

Ich schaue ihn an, nicke und sage: „Das stimmt, er hat sich eben weh getan. Wir können ihm was zum kühlen holen.“

 

Er fragt: „Auch Kessup Pommes?“

Ich frage: „Möchtest Du auch Ketchup auf die Pommes haben?“

Er antwortet: „Auch Kessup Pommes haben.“

 

…ich kann jetzt sicherlich nicht beurteilen, ob das nicht die meisten Eltern automatisch so machen.

Tatsächlich weiß ich aus der Arbeit, dass negative Reaktionen auf Sprache, Verbesserungen oder sogar Enttäuschung oder Wut bezogen auf die Sprache dazu führen, dass ein Kind sich sprachlich eben nicht frei entwickeln kann. Die Taktik des positiv Verstärkens und dann korrekt Wiederholens ist also kein Booster für die Sprache sondern die optimale Sprachlernbedingung für ein Kleinkind.

Nicht dass da jetzt ein falsches Bild entsteht: In Stressituationen schaffe ich das nicht. Aber: das ist auch nicht nötig, denn das Gehirn lernt am meisten in Ruhe. Wenn ich unter Druck gerate, nehmen meine Kinder das auf, schütten einen ähnlichen Hormoncocktail aus und haben dann auch keine Ruhe mehr, um zu lernen/wachsen. Aber in allen normalen und ruhigen Alltagssituationen geht es ganz wunderbar.

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir unseren Kindern in Bezug auf die eigene Entwicklung guten Gewissens die Richtungsweisung überlassen können und nur dafür da sind, die Rahmenbedingungen zu sichern und zu unterstützen. All diese Fähigkeiten, die unsere Kinder in den ersten Jahren erlernen sind bereits angelegt. Sie wollen es lernen. Wir müssen sie da nicht mal anstubsen oder auffordern. Nur da sein, wenn es soweit ist.

 

btw: Gesagtes zu wiederholen funktioniert auch in der Gesprächsführung gut. Dann sicher nicht mit der grammatisch besseren Form. Aber auf jeden Fall mit der eigenen Interpretation des Gesagten. Das schafft Vertrauen und mindert Missverständnisse. 😉 Also…nur so nebenbei…

 

Ganz liebe Grüße von der Mutter, die gerade alles hat liegenlassen und jetzt schnell aufräumen und Essen kochen möchte, bevor Papasch und Kleiner heim kommen. 🙂

 

Minusch

 

4 thoughts on “„Ich auch ‚prechen Mama!“

  1. Zu süß, diese ersten „Prechversuche“! Ich fürchte auch immer, dass ich mit dem Jüngsten zu wenig spreche (kommt mir vor als hätte ich alles schon millionenfach gesagt). Aber ich denke, es wird reichen und das mit dem richtig Nachsprechen praktizieren wir auch schon – aber alles noch in den Anfängen.
    LG, Micha

    1. Unser Kleiner schwatzt nicht mir nach, sondern dem Großen! 🙂 Das hör ich an der Intonation und seh es in den Situationen, in denen er was sagt. Er hat „Nuller! Nuller!“ gejammert, bevor er wirklich wusste, dass wir ihm dann den Schnuller suchen gehen…einfach weil sein Bruder den ganzen Tag nach dem „Nuller!“ kräht. 🙂

      …irgendwie bin ich da scheinbar gar nicht so wichtig…:)

  2. Ja! Ja! Ja! Ich liebe es, wenn der Zwack spricht und ja, ich versuche auch, die Dinge einfach richtig zu wiederholen. Manches aber („Der Bebi“) hat sich mittlerweile in unser Familien-Sprech eingewachsen. Wieso auch nicht.
    Und, wie Micha, habe ich auch Angst, dass ich mit dem Strizzi zu wenig spreche. Aber ich denk immer wieder dran und er kriegt ja vielleicht auch viel Familiengespräch mit.

    (Und zum Thema Großmütter. Was ich nicht ausstehen kann, sind diese rhetorischen Fragen. Man zeigt auf einen Bagger (was der Zwack durchaus aussprechen kann) und fragt: „Ist das ein Bagger?“ Börks. Der Zwack antwortet meistens dann nicht. Was soll das auch sonst sein.)

    1. hihi…es gibt wirklich schöne Sachen. Der Große hat ein halbes Jahr lang lauthals „Lappe!“ gerufen, wenn irgendwas umgekippt ist und aufgewischt werden musste (so etwa 3-4 Mal am Tag). Wir rufen immernoch „Lappe“ wenn etwas umfällt, weil es einfach so lustig ist!
      Oder der „Fö“! Sein Musikelefant von der Sendung mit der Maus. Inzwischen korrigiert er uns entrüstet, wenn wir „Fö“ sagen. „Fant, Mama!“ :))

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