the internet is for porn

Guten Morgen. EIGENTLICH wollte ich duschen, Cookies essen und dann zum Friseur fahren. Eigentlich wollte ich meinen nächsten Blogpost wieder zu unserer Familienverfassungsbeschreibung nutzen. Tatsächlich bin ich jetzt über den gefühlt 100ten Artikel über die schädigenden Auswirkungen von Pornographie (lies: Videos), Masturbation (Dopamin mach süchtig) und Cybersex (seelenlose Sexbegegnung ohne Tiefe) gelesen und möchte gerne kotzen. Meinen aktuellen aktuellen Wutauslöser findet ihr hier.

Ich finde es absolut wichtig, sich als erwachsener Mensch mit Pornographie zu beschäftigen. Vor allem, wenn in der eigenen Wohnung mit Wlan, Pad, Laptop und Smartphone irgendwann der Punkt erreicht sein wird, an dem die Kinder jede Sperre mit Leichtigkeit umgehen und so Zugriff bekommen auf diesen immensen Fundus an sexuellen Selbstverwirklichungs-Märchen. Es ist nicht wichtig, weil wir sexsüchtig werden, wenn wir zu viel masturbieren (blind wird ja auch niemand). Es ist nicht wichtig, weil fast nur Männer das machen und unsere sexualisierte nach wie vor stark patriarchale Gesellschaft das deckelt. Es ist nicht wichtig, weil damit Frauen entwertet werden.

Es ist wichtig, weil wir eben keine sexuell befreite Generation sind. Weil Bilder/Videos milliardenfach abgerufen werden und diese für uns einen Sinn erfüllen, für den wir uns trotzdem schämen. Weil Scham die Auseinandersetzung verhindert. Und weil eine fehlende Auseinandersetzung dazu führt, dass unsere Kinder eben nicht die Ansprechpartner finden, die sie brauchen, um ihre Filter zu justieren. Und Filter zu dem Thema „geht Analsex einfach mal eben so?“ oder „Kann ich echt meine Freundin am Deckenbalken aufhängen und dabei noch vögeln?“ sind wichtig! 

Die Gefahr, die durch Pornographie droht ist keine Verrohung der (männlichen) Gesellschaft. Und selbst wenn alle Frauen sich trauen, Pornos geil zu finden, wird unsere Art auf diesem Planeten nicht aussterben. Wir werden nicht masturbationssüchtig, nur weil es Pornos im Internet für umme gibt! Und unsere Kinder werden genauso wie wir erstmal auf die große Liebe warten und dann loslegen. Trotz Pornos.

Aber: in der Pubertät läuft die Rezeption von Bildern anders. Die Realität wirkt wie ein Puzzle voller unpassender Teile. Die eigene Sexualität fühlt sich bisweilen unheimlich unkontrollierbar an. Wo wir also am Anfang die Kleinkinder nicht mit „Giraffe, Erdmännchen und Co“ alleingelassen haben, sollten wir die Jugendlichen nicht mit Pornos alleine lassen, nicht weil sie sich in den Untiefen ihrer Lust verfangen sondern weil sie verdient haben, dass ihre Eltern keine Angst vor dem haben, was da ist! Weil sie darüber reden müssen, warum das da ist! Weil ihnen jemand sagen muss: „Nee, in die Schmuddelecke gehört das nicht! Ganz normale Menschen heizen sich daran auf, weil es sie entspannt. Wenn es Dich interessiert, gucks Dir an. Wenn Du was siehst, was Dich fertig macht, rede mit mir drüber oder mit jemandem, den/der Du vertraust. Das meiste ist ohnehin gefaked, keine Sorge!“

Meine Angst wäre niemals, dass meine Söhne in ihren Zimmern vor lauter Palmen-wedeln nicht mehr zum lernen kommen. Jugendliche wissen sehr genau, was ihnen gut tut. Und wenn die Sozialisation normal und einigermaßen störungsfrei verläuft gibt es keinen Grund, sich länger als ein Wochenende vorm PC zu verstecken. Aber meine Angst ist, dass meine Haltung nicht klar genug ist, um auch in diesem Punkt ein Gegenüber zu sein, an den sie sich wenden, wenn sie doch mal einen Kinderporno erwischen. Oder die Aufzeichnung einer wirklichen Vergewaltigung. Jugendliche erkennen diesen Unterschied. Jede/jeder kann den erkennen. Und für so einen worst case möchte ich gewappnet sein.

Abgesehen davon hatte ich schon Cybersex, war mal in einem Swinger-Club und auf SM-Parties, hatte Affären und hab harte Videos angeschaut. Ich bin nirgendwo hängen geblieben. Ich kann normal Sex haben. Ich kann auf Pornos gut verzichten und bin zu keiner Zeit in irgendeine schneller-härter-böser-Spirale geraten. Am meisten habe ich Pornos konsumiert, als ich depressiv war. Als ich mich einsam und nutzlos fühlte. Als niemand bei mir war.

DAS sollten unsere Hinweise sein! Pornographie ist nichts gefährliches (und: nein, Frauen-verachtend ist es in meinen Augen auch nicht, aber das ist ein anderes Thema). Pornographie, Cybersex und Masturbation gab es in irgendeiner Form schon immer. Es lohnt sich also überhaupt nicht, Angst davor zu haben oder zu schüren! Vielmehr macht es Sinn, sich selbst auch in sexueller Hinsicht ernst zu nehmen und zu erkennen: nur weil es mich geil macht, ist es nicht schlecht!

Also geht an uns alle die SM-Regel: Sex bitte immer S(afe) S(ane) C(onsensual) und bitte einfach nur eigene Wünsche ausprobieren. Für Bondage gibts Tutorials, für Analsex ausführliche Anleitungen. Strumpfhosen verändern wirklich das Empfinden auf der Haut und Arsch-versohlen sorgt für eine starke Durchblutung der genitalen Regionen.

Keine Zauberei. Keine Bedrohung. Einfach nur Sex.

 

Liefs,

Minusch.

 

PS: Ja, liebevoller Sex ist beim Cybersex möglich. Ja, ich kann natürlich auch mit dem Partner heftiges Zeug ausprobieren, wenn ich mich traue, meine Perspektive auf ihn um seine eigenen Fantasien zu erweitern ohne ihn dafür an die Wand zu stellen. Nein, nichts davon ist eine Einbahnstraße. Ja, Masturbation unterstützt meine eigene Sensibilisierung und sorgt dabei auch für ein erfüllteres Sexleben mit meinem Partner…und ist auf jeden Fall besser als gar kein Sex, denn das macht wirklich unglücklich (<– Dopamin).

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