Warten auf Godot, anderes Wetter, eine Chance, irgendwas

Ich sitze auf dem Sofa. Hinter mir liegt so viel Zeit. Vor mir liegen Spielsachen. Nachdem mich heute morgen die Katzennachbarin gefragt hat, ob ich abgenommen habe, gönne ich mir erstmal ein Schokoladen-Croissant zum Leitungswasser.
Der Kleine schläft irgendwo zwischen meinem und Papaschs Bettrand, ausgestreckt und von der Hitze niedergemäht.
Den Anruf von den Hausverwaltung, auf den ich schon seit einer Woche warte, hab ich eben verpasst, als ich mich im Badezimmerspiegel bewundern musste. Blöd. Aber mich selbst bewundern ist mindestens ebenso wichtig wie die Handläufe an der Außentreppe der Kita. Oder? Ich hab ja versucht zurückzurufen. Der Anruf ist 7min her. Vertrackt.

Ist etwas anders als sonst? Alles? Nichts? Das Wetter?

Ich bin dankbar für so viel Sonne, denn den Winter über hat sie wirklich schrecklich gefehlt. Es war alles so schwer und so unverrückbar und bedrückend, so ganz ohne Schnee. Und Sonne. Und dann der lange Frühling…laaaange Serpentinen des Regens und seeewige Wolkenpuzzle – so dicht, dass nichtmal der obligatorische Pottwal darin zu entdecken war.

Eventuell komme ich langsam zur Ruhe. Leben ist ausprobieren. Trial and error. Hinfallen – aufstehen – Körnchen richten – weitergehen. Und zwischendurch wünscht sich sicher jedeR eine persönliche Klagemauer, die die eigenen Tränen oder Briefchen aufnimmt und innerhalb von 8 Wochen bearbeitet.

Ich rege mich weniger auf. Ok, die übertriebene Bezeichnung als moralische Instanz via Twitter hat mich echt irritiert. Ich fand doch die andere Seite so unnötig moralisch. Und inzwischen tauchen in meiner TL immer mehr sehr linke User auf, die sich um Blutwallung für unfassbar viele Ereignisse bemühen. Nuja. Ich bin froh, dass diese Menschen sich die Zeit dafür nehmen. Ich mag nimmer.

Mit meiner Ruhe geht Sexualität einher. Das war schonmal so. Ich kam bei mir an und in mir explodierte ein Kaleidoskop an Sehnsüchten, Neugierden und Zeiträumen dafür. Ich beschäftige mich wieder mehr mit diesen kleinen Grillen, mit diesem zarten Gekrabbel im Bauch. Hauptsächlich gedanklich. Zaghaft verbal gegenüber Papasch (<- der sich drüber freut, obwohl er selber so müde ist). Ich möchte darüber reden, schreiben, mich austauschen. Und spüre sofort dieses "bitte keine Missverständnisse"-Ding. Mein letzter Beitrag hier wurde schon von jemandem missverstanden. Und es war so schade. Und so ist es eben.

Ich möchte so gerne mit diesem Blog Gedanken öffnen können. Die Schubladen weit aufziehen und die alten Pullis, die schon seit dem Abi nicht mehr gut aussehen aussortieren. Ich möchte Ängste charmant weglachen und über das reden, was mir so viel bedeutet. Meine sexuelle Freiheit als Frau ist leider nicht selbstverständlich. Die wenigsten Frauen, die ich kenne, trauen sich, sexuell frei zu sein. So viele Klischees, Märchen, Erwartungen, Entwertungen…sowohl von sexistischer als auch von feministischer Seite. Und dann wäre da noch die eigene Perspektive auf mich selbst als Frau, Kollegin, Freundin, Mutter.

Ich sammle gerade Bilder in mir. Von meinem Alltag. Von Vexierbildern. Von meiner Veränderung. Ich mache seit etwa 10 Tagen wieder regelmäßig Sport. Ich möchte in diesem Blog irgendwann von meinem Weg in die sexuelle Freiheit erzählen. Ich möchte mich an meine leuchtenden Augen erinnern, als ich mit knapp 33 verstand, was ich mir wünsche. Ich möchte gern darüber schreiben, was sich seit dem verändert hat. Wie ich das alles endlich als EINS empfinde und nicht mehr als seltsamen Appendix. Wie ich endlich erkannte, dass es sich lohnt, sich selbst in den leuchtendsten Farben auszumalen und nicht nur die anderen.

Ich warte. Auf den September…

Und bis dahin hinterlasse ich mein Lieblingszitat von Nancy Huston:
"Mütter ficken und Huren gebären."

Liefs,
Minusch


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