gender-Glück

Diesertage komme ich nicht viel zum lesen, aber die Überschrift „Wie aus meinem Kind ein Junge wurde“ von glücklich scheitern hat mich gerade angezogen. Ein kleiner Junge, der sich nunmal geschlechtsunspezifisch für alles interessiert, ist die Hauptfigur in einer Welt, die nach wie vor Schwierigkeiten mit dem Gegenteil ihrer Stereotype hat. Eine Mama, die versucht, diesen gesellschaftlichen Tunnelblick abzuschwächen, steht an seiner Seite. Und ich finde es wunderschön, wie sanft und beharrlich sie ihr Kind unterstützt, Kind zu sein, ohne Junge sein zu müssen.

Ich hab hier ja auch zwei Jungs. Einen Racker, der auf Autos abfährt, gerne liest (am besten was mit Autos), gerne kuschelt und der völlig ausflippt, wenn die Kehrmaschine vorbeifährt: der Kleine. Und ich habe einen kleinen Kerl, der für sein Leben gerne kocht und malt (das letzte Werk war eine Straßenbahn in den Wolken…ich hab fast geweint vor Stolz!), der in unserer Wohnung verschiedene Rudel imaginärer Tiere versorgt und der in der Krabbelstube einen Rock aus der Verkleidungskiste trägt, weil der sich so schön anfühlt: der Große.

Und ich schaue den beiden Jungs dabei zu, wie sie ihre Welt(en) entdecken und wünsche mir, ihnen ihre Freiheit so lange wie möglich bewahren zu können. Aber: unter scheinbar hilfreicheren Bedingungen als viele andere sie haben!

Die Erzieherinnen unserer kleinen Elterninitiative (10 Kinder) sind wahre Goldstücke, wenn es um die Gender-Frage geht. Tatsächlich fällt im Alltag höchstens an Kleidung und individueller Spieldynamik auf, welches Kind ein Mädchen oder ein Junge ist. Alle Kinder spielen alles. Alle Kinder kleben mit Glitzer. Alle Kinder lieben Rutschautos. Alle Kinder backen. Die Puppen werden von allen Kindern umsorgt. Alle Kinder werfen Erde, sitzen im Kastanienbad, wühlen in Linsen, klatschen in Rasierschaum und werden mittags im Schlafraum zu kleinen schlafenden Wintertierchen. Es wurden auch schon mal mit Nagellack Nägel lackiert, aber das haben wir aus gesundheitlichen Gründen wieder abgeschafft.

Wenn ich dort erzähle, dass ich meinem Großen einen hellgrauen Tüllrock mit Sternchen gekauft habe, er ihn aber nicht schön fand, lachen mich strahlende Frauen an. Gut, glitzernde Schuhe fand der Große noch nicht interessant, aber wir haben auch derzeit viel Glitzerndes im Haus (goldene Nüsse und goldene Tannenzapfen, eine Schneekugel, die Weihnachts-Flow und ab und zu glitzernde Karten von mir), vielleicht relativiert das noch seine Wünsche.

Auch die anderen Mamas finden sowas völlig ok. Keine hochgezogene Augenbraue. Verständnisvolles Grinsen. Wir wissen ja alle, was wir an Glitzer oder schwingenden Röcken gut fanden oder noch finden.

Die Puppen, die ich unseren Jungs gewünscht habe, haben sie von Tante und Onkel bekommen. Die Küchenschürze hat die Großtante genäht. Und Sternenpullover können sowieso alle Kinder tragen. Unser Holzspielzeug ist eher genderfrei anwendbar und der Kaufladen vom Flohmarkt, den es zu Weihnachten geben wird, auch.

Mich fordert da eher der Kleine heraus. Das mit den Autos kann ich nämlich gar nicht verstehen und betrachte meinen kleinen Sohn dementsprechend fasziniert, wenn er glücklich einen Bus anstrahlt. Oder vor Glück fast aus dem Kinderwagen fällt, wenn er einen Kran sieht. Der Kleine soll auch auf seine Kosten kommen und etwas bekommen, was ihm gefällt. Ich werde zum ersten Mal ein großes Auto kaufen. Ein Playmobil-Feuerwehrauto. Er hat es gestern bei einem Freund vom Großen gesehen und er war so glücklich, einfach nur, weil dieses Auto da war. Ich merke: es fällt mir leichter, ihm eine Puppe oder Bücher zu kaufen. Aber das gehört eben zum Mama-sein auch dazu: Sein Herzchen schlägt für Autos. Und das ist absolut gut so.

Liefs,

Minusch

2 thoughts on “gender-Glück

    1. Ich merke auch beim Lesen, dass wir noch unter einer Art Glaskuppel leben. Der Kindergarten soll da „härter“ sein…aber auch das Gute will bemerkt werden und meine Realität disst eben keine Jungs mit Söckchen, Haarspangen oder Freude an Puppenwagen.

      Und so sollte es überall sein! 🙂

      Minusch

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