aus dem Schlafkästchen

Gerade habe ich bei Rike den wohl schönsten Beitrag zum Thema „Wie schläft eine Familie“ gelesen. Und sie hat mich schrecklich glücklich gemacht…unsere Söhne haben ihr Schlafverhalten nämlich auch selbständig geregelt.

Der Große kam nach 3 Wochen Intensivstation zu uns emotional  völlig ausgehungerten Eltern. SELBSTVERSTÄNDLICH wollten wir uns auch nachts nicht mehr als maximal 30cm weit von dem kleinen Bündel entfernen. Es versteht sich von selbst, dass wir in unserem großen Bett in der Mitte das ökologisch einwandfreie Dinkelspelzkissen mit einem rutschhemmenden Moltontuch bedeckt haben und der kleine Kerl dann in seinem Woll-Schlafsack darauf gebettet wurde wie ein eine zarte Glaskugel. Er fand den Platz auch irgendwie gut…also interessant…wir auch. Wir konnten ihn bestaunen. Händchen-halten. Ihn bestaunen. Ihn direkt an uns ziehen, wenn er einen seltsamen Laut von sich gab. Erschrocken zusammenfahren, wenn wir doch zu schnell eingeschlafen waren. Uns wundern, wie verdammt er so lange am Stück wach sein konnte…und am nächsten Morgen waren wir beide wie gerädert.

In der nächsten Nacht, wollten wir ihn dann doch mal in seinem Bettchen neben unserem Bett schlafen lassen. Versuchshalber. Vielleicht kam dann mehr Ruhe rein…wir versuchten das Ganze versuchshalber mal so zwei Wochen. Dann hatten wir den dringenden Eindruck, dass wir ihn stören. Jede unserer Bewegungen ließ ihn aufschrecken. Jedes kleine Geräusch brachte ihn zum weinen…wir wagten noch einen Versuch: eine Nacht im Kinderzimmer.

Und das Kind schlief. Und wir schliefen. Also natürlich nicht durch! Haha! Nene…nicht durch…aber ruhiger! Mein Herz blutete. Ich war so traurig, dass ich auch noch auf diese Familienromantik verzichten musste (nachdem das mit der natürlichen Geburt nichts geworden war und sich das Stillen als Desaster entpuppt hatte). Aber er schlief ruhiger.

Und das ist bei heute bei ihm und auch bei seinem Bruder so.

Klar holen wir die Jungs einzeln oder gemeinsam rüber, wenn sie uns vermissen. Klar räumen wir beide Jungs einzeln oder gemeinsam auch wieder zurück in ihre Betten, wenn sie bei uns nur Rambazamba machen. Klar bleiben wir auch mal länger bei einem Kind, wenn es nicht einschlafen kann. Klar sind wir aber auch mal streng, wenn es einfach nur um eine Mitternachtsparty geht. Wir haben noch ein Ausziehsofa für nächtliche Ausflüge, eine Iosmatte und eine Klappmatratze. Wir könnten eigentlich alle in allen Räumen in beliebiger Anzahl schlafen.

Physiologisch war das Ganze so für mich ein Glück, weil ich selber extrem geräuschempfindlich bin. Ich schlafe seit Jahren mit Ohrenstöpseln, weil hier mitten in der Stadt buchstäblich immer jemand was zu feiern oder schimpfen hat. Und wenn ich dann mal wach bin, bleibe ich wach und verliere so wertvolle Energie, die ich ja für den Tag mit allen seinen Bergen und Tälern brauche.

Seelisch war das Ganze für mich ein Desaster, weil ich ein Kuscheltier bin. Solange mein Gesichtsfeld frei ist und ich meine Arme sortieren kann, können sich alle an mich ankuscheln und unterstützen dabei meinen Tiefschlaf. Es sei denn, sie machen Töne…ich hatte mich unfassbar darauf gefreut und war bereit, die Herausforderung anzunehmen, eventuell für ewig und drei Tage nicht mehr wirklich am Stück schlafen zu können. Ich wollte diese Nähe unbedingt haben, erst recht nach den 3 Wochen Neonatologie!

Partnerschaftlich war das Ganze auch eher gut, denn wir konnten durch all das, was nicht ging, alles andere aufteilen. Papasch hat die Zeit von 23-3 Uhr mit Aufstehen übernommen, ich war danach dran (ich kann einfach viel besser zu früh aufstehen als zu spät ins Bett gehen). Unsere Kinder wurden so in ihrem jeweils ersten Lebensjahr zu ziemlich gleichen Teilen von uns beiden versorgt. Das hat uns gut gefallen.

Gut, als die Jungs gemeinsam ein Kinderzimmer beziehen sollten, fanden beide das bescheuert und haben nur getobt. Dann musste Papaschs Arbeitszimmer dran glauben und wurde zu Kinderzimmer zwei umfunktioniert. Aber: damit steuern wir einem gewissen Ansteckungsrisiko entgegen und können beide ganz nach den eigenen Bedürfnissen in den Schlaf begleiten.

Nein wir schlafen nicht permanent durch, aber die Dichte der störungsfreien Nächte wird größer.

Ja, mir ist völlig Wurscht, wie andere Familien das regeln, ich fände es nur echt hilfreich, wenn die ganze MissionarInnen mal einsehen würden, dass diese emotionsgeladenen Empfehlungen einen Mist bringen. Viel mehr Sinn macht es doch, den Familien zu vertrauen. Den Kindern zu vertrauen. Ich hab das irgendwo schonmal geschrieben: niemand lässt sein Kind leichtfertig einfach mal ne Weile schreien. Das halten die Nerven ja gar nicht aus! Sicher gibt es da Einzelfälle, aber die sind psychosozial auch schon an anderer Stelle auffällig, also muss man nicht alle über einen Kamm scheren und die Pferde scheu machen.

Unsere Jungs haben schon immer das Tempo vorgegeben. Sie haben schon immer mitentschieden. Wenn sie etwas doof fanden, konnten wir sie nicht dazu zwingen. Und so wie es Erwachsene gibt, die nachts ihre Ruhe wollen, gibt es offensichtlich auch Babys bei denen das so ist.

Meine Damen und Herren: hört auf, Euch zu vergleichen. Äpfel und Birnen und so.

Liefs,

Minusch


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