5 Bücher in 2015…ein Blogstöckchen mit Fragezeichen

Die liebe Thea vom Blog Ratzefatze Pustekuchen hat gerade Stöckchen geworfen, die natürlich, wie naheliegend ist das bitte bei einer Frau wie Thea ;-), Bücher fordern. Viele Bücher. Jeder/jede beworfene soll bitte 5 Büchertitel veröffentlichen, die er/sie plant noch 2015 zu lesen.

Tja…da sitze ich jetzt. 5 Bücher, die ich noch lesen will. Ich will gar nicht mehr unbedingt lesen. Mein ganzes Leben bestand bis zum Tod von Kilian aus Lesen. Ich gehörte immer zu den Bibliothek-Nerdistas. Ich hatte egal in welchem Gepäck Bücher dabei. Zusätzlich zu dem ganzen Kram, den ich für die Uni brauchte immer noch was für mich. Ich suchte mir Leseorte: eine Kirchenruine mitten in der Stadt, eine Ecke hinter einem Strauch, ein Platz an einem Springbrunnen, auf dem Sofa/vor dem Sofa, ein Spielplatz in der Mittagshitze. So viele Bücher, die ihren Weg in meine Gedanken gefunden haben. Ein kleiner Einbruch mit Aufnahme des Germanistik-Studiums im Jahr 2000. Da musste ich fürs Studium so viel „bearbeiten“, dass ich nicht mehr selbst zum Lesen kam. Gleichzeitig brachte mich dieses „Erarbeiten“ auch um den Genuss des seichten Lesens. Mein Anspruch an Bücher war schon immer hoch und wurde dadurch noch höher, weswegen ich freiwillig Klassiker verschlang und jede entsprechende Leseliste abhakte. Aber irgendwann reichten die alten Themen nicht mehr. Ich brauchte neues und stand vor einem Buchmarkt, der mich größtenteils mit Grauen erfüllte.

Meine schlimmste Leseerfahrung war Dan Brown. Bücher, die sich lasen wie ein ausgelutschtes Hubba Bubba schmeckt. Du kannst noch Blasen machen, aber der Geschmack ist schon nach einer Minute weg. Und sowas verkaufte sich in Zahlenbereichen, die mir völlig aberwitzig erschienen.

Seit dem sortiere ich eher Bücher, die meine Aufmerksamkeit nachhaltig eingebüßt haben, aus, als das ich neue Bücher anschaffe. Und wenn ich Bücher anschaffe, dann komplettiere ich eher die Autoren-Sammlungen, die ich schon begonnen habe. Wenn es dann mal ein Titel in meine Aufmerksamkeit schafft lese ich die ersten zwei Sätze, dann zwei Sätze in der Mitte und dann die letzten zwei Sätze und weiß: dieses Buch kann mir ein Geschenk sein oder eben genau das nicht.

Außerdem gibt es in mir noch den unbändigen Wunsch, mein Leben selbst zu leben und nicht immer und immer wieder andere in ihren Wegen zu begleiten. Wege, die mir fremd sind, die sich vielleicht anders gehen würde und selbst wenn ich so entscheiden würde, wie die ProtagonistInnen, selbst dann möchte ich doch lieber selber gehen. Diese irren Abenteuer, durch die so viele Fantasiewesen stolpern sind wunderbar und spannend und aufregend. Nur bin ich satt. Ich möchte nicht mehr zuschauen.

Wenn ich mich jetzt frage, welche Bücher ich dieses Jahr noch lesen will, und wenn ich von Fachliteratur und Kochbüchern absehe, bleibt gar nicht viel. Ich lese immer wieder gern meine Fred Vargas Bücher. Ich habe alle ihre Krimis hier stehen (die einzigen Krimis, die ich lese…ansonsten vermeide ich dieses Genre völlig) und inzwischen auch jedes einzelne Buch 5 Mal gelesen. Also wenn es um Fred Vargas geht: ich liebe ihre Sprache und ihre Sicht auf die Menschen. Ich liebe ihren Humor und ich liebe es, wie sie jeder einzelnen Figur Intelligenz verleiht. Alle diese Charaktere wahren ihre Gesichter. Allen diesen Charakteren wird Zeit zur Entwicklung und Entdeckung geschenkt. Wenn ein Mensch so etwas kann und das ganze mit einem für mich völlig banalen Genre so zart und selbstverständlich verbindet, dann steht dieser Wert für mich unverrückbar im Regal.

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Dann steht hier ein Buch, das ich gerne lesen können möchte, dem ich mich aber noch nicht gewachsen fühle.

Glimm, Nelly: Das Wasserjahr.

Hinter Nelly Glimm verbirgt sich meine deutschsprachige Lieblingsautorin Susanne Riedel. Eine begnadete Schriftstellerin die Bilder erschafft, die in meinem Kopf so plausibel sind, dass ich mich frage, wieso mir sowas nicht eingefallen ist. Vielleicht, weil diese Bilder einfach immer einen Sprung neben dem landen, was die Assoziation hergibt. Und doch passen sie.

Das Wasserjahr möchte ich also lesen, weil sie es geschrieben hat. Weil ich von ihr noch mehr Worte in Bilder haben möchte. Nur…die Geschichte beginnt verbunden mit Rückblenden damit, dass eine andere Frau das Kind der Protagonistin Afra als ihr eigenes zu wissen glaubt und Afra damit umgehen muss.

Durch meine eigene Geschichte bin ich für solche Spannung übersensibilisiert und derzeit nicht in der Lage, mich dieser Geschichte zu stellen, obwohl der Klappentext ein Happy End zumindest erahnen lässt. Ich habe angefangen zu lesen und heule auf jeder Seite. Als einigermaßen medienkompetente Frau lege ich dieses Buch also wieder auf die Seite, bzw. stelle es zu den anderen Büchern der Autorin (Kains Töchter, Die Endlichkeit des Lichts, Eine Frau aus Amerika).

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Wen ich auch lange nicht gelesen habe…naja, seit seiner letzten Veröffentlichung, die mich ein wenig bedrückt hat, ist Robert Schneider. Er hat damals den Bestseller „Schlafes Bruder“ rausgehauen, der als zeitgenössische Literatur durch meine Deutschkurse gewandert ist. Die Verfilmung, die zwar poetisch wundervoll ist, aber das Buch meiner Ansicht nach nur rudimentär abbildet, hat zur Bekanntheit das ihre beigetragen, wobei ich mich heute frage: Warum haben nur noch Theater Andre Eisermann besetzt? << klar soll er starke divaesque Züge haben, aber seine außergewöhnliche Darstellung hat mich umgehauen.

Ok, zurück zu Robert Schneider. Mein Einstieg war sein zweites Werk.

Schneider, Robert: Die Luftgängerin.

Dieses Buch habe ich mit 20 gelesen und war hingerissen. Ich wollte diesen Mann sofort heiraten. Den Mann, der eine Frauenfigur wie Maudi Lathur entwickeln und leben lassen kann. Mir war während des Lesens irgendwie klar, dass dieses Buch eine Ebene hat, die ich noch nicht erfassen konnte. Und jetzt ist das Jahr da, in dem ich es nochmal in die Hand nehmen werde. Ich möchte noch einmal mit Maudi die Bergwiese hinunterrollen und Zugfahren. Ich werde es nochmal lesen. Im Spätsommer.

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Und dann wären da noch die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von meinem Seelenliebhaber Rainer Rilke. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die Rilkes Lyrik lesen wie Berichte in der Zeitung. Oder Online-Artikel. Er spricht meine Sprache. Oder ich eben sein, egal. Nur der Malte…ich hatte schon angefangen, ihn zu lesen. Zwei Mal. Aber diese ausgebreitete Prosa erinnert mich an meine eigenen verzweifelten Versuche, etwas längeres als ein Gedicht zu schreiben. Ich möchte es lesen, weil es von IHM ist. Aber ich brauche dafür mit Sicherheit noch den einen oder anderen Anlauf. Schließlich ist das Leben eines verarmten Adligen in Paris in egal welcher Zeit schon spannend. Dann als Tagebuch geschrieben und lyrisch ausgemalt ein Muß für mich. Vielleicht im späten Herbst?…ich denke drüber nach.

Davon mache ich kein Foto, denn ich habe nur diese Ausgabe aus der SZ Bibliothek und ich finde nicht, dass ich die fotografieren sollte. <<Büchersnobbistin

Ich würde dieses Blogstöckchen gerne an andere weitergeben, die Bücher mögen. Ich hab nur keinen Überblick, wer da schon mitgemacht hat, weil ich gerade meinen Reader nicht tagesaktuell lese sondern eher gezielt suche.

Aber es gibt eine frische Bloggerin hinter dem Namen juliliest.wordpress.com Wenn Du also ein paar Titel loswerden möchtest, liebe Juli. 🙂

Dann würde ich das bezaubernde Fräulein Fuchs mit ihrem Blog Fuchsfräulein fragen, was sie gerade so mag. Sie liest schließlich auch noch mit wissenschaftlichem Interesse Literatur. Außerdem nimmt sie ohnehin gerade an einer Reading Challenge teil. 😉

…das sind jetzt keine 5 Nominees, aber ich hab ja auch keine 5 Bücher vorgestellt. 🙂

Liefs,

Minusch


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