die Kinder

Ich möchte gar keine Entwicklungsstände beschreiben, weil diese Freude eine zutiefst elterliche ist und die Differenzen zu anderen Kindern allemal schwammig sind, weil jedes Kind seinem ganz eigenen Plan folgt, was wann gelernt werden kann. Was ich aber mir als Mama zuschreibe, ist die Ruhe, mit der hier die Schlafenszeiten beginnen. Und die innere Sicherheit, die meinen Kindern erlaubt, frei zu spielen. Ich schreibe mir zu, wie gut beide Kinder sich immer wieder für Unangenehmes einfangen lassen (ich rede von Anziehen, Windel wechseln, Zähne putzen…) und wie liebevoll sie mit anderen umgehen, die schwächer sind als sie (Kinder, die weinen oder kleinere Kinder, Tiere, erschöpfte Erwachsene).

Keine Frage, meine Jungs entwickeln sich völlig normal. Sie haben beide ihre Wutanfälle, werden weinerlich-quengelig, wenn sie müde sind oder Hunger haben und am anstrengendsten ist die Sucht nach dem Schnuller. Der Große testet immer wieder mit haarsträubenden Aktionen Grenzen aus und der Kleine hat immer wieder sehr abenteurliche Ideen, wo er doch vielleicht mal hochklettern könnte. Und wenn alle Fantasie durch Frust ausgehebelt ist, verdreschen beide einander. Sie beißen, kratzen, hauen, treten, reißen an den Haaren…

Ergo haben meine Kinder IMMER und AUSNAHMSLOS Schrammen, blaue Flecken und eine wirre Frisur.

Sie stehen grinsend vor jedem Menschen, der sie anschaut, und sehen aus wie zwei Lausbuben aus dem Bilderbuch.

Nur dass sie in den ausgeglichenen Momenten und im Flow gar keine doofen Ideen haben. Sie machen Läden auf, kochen Eis, bauen Betten für Kuscheltiere, retten Käfer, sammeln Stöcke, bewundern Schneckenhäuser und sehnen sich danach, Tiere anzufassen. Sie möchten ihre wertvollen Momente und Schätze mit anderen teilen und schätzen die Kinder, mit denen sie sich gut verstehen. Sie schließen nicht schnell Freundschaften, aber die Kinder, die in dieser Dynamik mitschwingen, werden ihnen wertvoll.

Beide Jungs verhalten sich da ähnlich, wenn sie sich auch in anderen Punkten völlig unterscheiden. Der Große ist ein sehr emphatischer Träumer, der seit einem halben Jahr Geschichten erfindet. Er „liest“ seinem Bruder und mir die Bilderbücher vor. Er braucht ganz viel Nestwärme und er beschäftigt sich schrecklich gern mit der Gestaltung seiner Umwelt (Kochen, Malen, Basteln, Aufbauen…). Er handelt vorsichtig und beobachtet vor allem das Kleine und wenn er in eine Flowphase kommt, ist er buchstäblich nicht ansprechbar. Erst jetzt, mit 3 Jahren, beginnt er wirklich richtig zu toben.

Der Kleine ist ein kleiner Racker, wie er im Buche steht. Er bewundert alles, was groß ist und er ist fasziniert von Geschwindigkeit. Wenn er alleine spielt, kocht er nichts zu essen, sondern parkt Autos, hämmert und konstruiert. Er betrachtet gerne Bilder und baut Nester für sich alleine. Er zieht sich selbständig zurück, wenn es ihm zu viel wird und er hat eine wahnsinnige Innensicht, denn: der kleine Kerl, der gerade mal 2 Jahre alt ist, übt mit mir derzeit aufs Klo zu gehen, kommt freiwillig aus dem Schwimmbecken, wenn er friert und kann zu jeder Zeit sagen, was er gerade körperlich braucht. Er kann benennen, wenn er müde ist oder ob er sich geärgert hat. Er differenziert auch in seiner Reaktion, ob er sich selbst wehgetan hat oder ob es jemand anders war.

Na sicher bin ich komplett verliebt in meine Kinder! Ich finde diese Entwicklung so wahnsinnig spannend. Wir begleiten die beiden durch all ihre Wachstumsphasen und unser Stolz wächst mit. Sicherlich tragen wir unseren Teil bei, in dem wir behutsam mit ihnen umgehen, Grenzen für sie schützen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Aber den ganzen Rest regeln die beiden über Beobachtung und Nachahmung selbst. Sie entscheiden selbst, welche Bestandteile unseres Verhaltens für sie maßgeblich sind und sie sind schon jetzt so wunderbar, dass ich mir kaum vorstellen mag, was für Schulkinder sie eines Tages werden.

Bald kommt der Große in den Kindergarten. Wir haben uns einen integrativen Kindergarten gewünscht, damit unsere Kinder beide selbstverständlich aufwachsen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten anderer Menschen. Unser Freundeskreis ist kulturell schon sehr durchmischt, nur Menschen mit besonderem Förderungsbedarf kennen wir noch keine. Und zu unserem Glück kommt unser Sohn diesen Sommer in die Drachengruppe in unserem Wunschkindergarten. Ich könnte jetzt noch schluchzen vor Freude, denn, wenn mir eines sicher ist, dann, dass meine Kinder dort nicht lernen, andere zu diskriminieren sondern zu erkennen, dass das Leben schön ist, weil wir einander helfen, wenn wir Hilfe brauchen.

So, das musste mal raus. Ich bin so erfüllt von Glück durch diese beiden kleinen Menschen, dass ich das mal teilen wollte. Denn wenn auch wirtschaftlich hier gerade alles schief geht, so bleibt diese Konstante wie eine Säule stehen. Unsere Familie funktioniert. Sie wärmt, schützt, fördert und nährt. Das macht mich sehr stolz. Und glücklich.

Liefs,

Minusch


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