Bruder

ich kann deine sicht verstehen

sie entspricht dir

du hättest vielleicht anders reagieren können, wenn du dir die vergangenheit nochmal hättest anschauen müssen. musstest du nie. damals nicht wie heute. du konntest immer gehen, wenn es dir zu viel wurde und du bist gegangen, wenn es dir zu viel wurde. das war deine freie entscheidung und ist es immer gewesen. ich verurteile das nicht.

und mich verurteile ich genauso wenig. denn ich konnte sehr lange genau das nicht.

gehen.

ich blieb. egal was passierte. ich blieb. ich kämpfte, vermittelte, optimierte, flehte und weinte. ich blieb. ich ließ mich rausschmeißen, zurückzitieren, verprügeln und beleidigen. ich ließ mich erniedrigen, zurücksetzen und kontrollieren.

wir hatten uns darüber mal unterhalten, als du 16 warst. du warst über nacht bei mir in der wg. du hast mir bestätigt, was ich erlebt hatte. du hattest es auch gesehen. mit angesehen. mit ansehen müssen. damals warst du traurig darüber. wenn du heute schreibst, dass ich lüge, kann ich verstehen, dass es dir aufgrund deiner lebensentscheidungen so vorkommen muss. wenn ich schreibe, was ich schreibe, weiß ich absolut sicher, dass ich als einzige die wahrheit benenne, auch wenn das in deinen augen vermessen klingen wird. denn auch unsere eltern müssen lügen. ich weiß, dass sie sich der tatsache, ihre tochter dermaßen behandelt zu haben, nicht stellen können. weil sie es immer noch tun und sich darüber nicht im klaren sind.

wenn ich mich als erwachsene Frau und Mutter von zwei wunderbaren Kindern umdrehe und meinen Hut nehme, dann passiert das nicht, weil ich bockig bin. oder gekränkt. oder einfach sauer auf euch. es geschieht, weil ich Angst vor euch habe. weil ich fürchte, noch einmal in den sog eurer perspektive zu geraten, die mir so sehr schadet.

ihr lebt euer leben so, wie es zu euch passt. das ist gut. nur kann ich unter diesen umständen nicht in eurer nähe sein. ich würde kaputt gehen. ich ging bereits kaputt. mehrere Male. aber meine Söhne haben eine heile Mutter verdient und kein handlungsunfähiges wrack. nein, ihr seid nicht schuld an meiner schwäche. sie ist das Resultat meiner Entscheidung, Gefühle, anderer wie meine eigenen, ernst zu nehmen und durch mich durch zu lassen.

deine gefühle mir gegenüber in den letzten 6 monaten kommen nicht aus dem leeren raum. deine entäuschung von mir gleicht aufs haar der enttäuschung unserer eltern von mir. und selbst wenn wir den spieß umdrehen und sagen: ihr habt immer klar und transparent gehandelt und kommuniziert, so ist das ergebnis doch eines, das mir so sehr weh tut, dass ich es nicht eine sekunde länger anschauen möchte. ihr könnt mir so eine seelische behinderung attestieren und euch freisprechen von jedem bezug dazu. ich bin zu schwach für eure idee von familie. ich kann nicht in eurer nähe leben, ohne wieder und wieder verletzt zu werden.

ich bin meiner eigenen Familie verpflichtet und nehme in kauf, euch dafür verletzt zurück zu lassen. ihr werdet euch trösten. meine Kinder erinnern sich an euch und wir reden freundlich über euch. mehr kann ich für euch nicht mehr tun. ihr habt euch für euer leben entschieden. ich für meines.

ich habe eure kommentare noch. ich habe sie nicht gelöscht sondern lediglich nicht genehmigt. sie haben mir weh getan. gefühle losgetreten. wut ausgelöst. ich sehe keinen grund, sie zu veröffentlichen, weil sie nichts positives enthalten. keinen besonderen mut. kein verständnis. keine akzeptanz. kein lerneffekt. sie sind klar formuliert aber anklagend, bedrohend und verurteilend.

ich akzeptiere euer leben. das habe ich schon immer getan. akzeptiert ihr meines?

Leb wohl.

Schwester


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