hobbyhadererin

Ich bin jetzt endlich an dem Punkt, an dem ich vor mir selbst mal tapfer sein muss. Ich mag das gar nicht sein. Ich hüte eigentlich viel lieber mein Hasenherzchen und schaukle in dem Hängesessel meiner comfortzone. Aber da ich mich leider auch für so Psychozeugs interessiere, lese ich seit etwas 5 Jahren immer wieder darüber, dass diese comfortzone zwar bequem ist, aber leider auch nur das. Lies: Mensch, geh da mal raus, aus der Zone.

Wenn ich meinen Gedanken einfach folge, dann betrachte ich es schon als großen Luxus überhaupt eine comfortzone haben zu dürfen. Schließlich beschreibt dieser Begriff ja etwas, was sonst nur im Zusammenhang mit teuren Hotelbuchungen oder 1. Klasse Bahnfahrten zu erleben ist: Komfort. Hui. Das klingt nach sorgfältig gereinigter und trittdämmender Auslegeware, nach Schutzdeckchen, Tischsets und einem sich wie von selbst nachfüllenden Buffet. Es klingt auch nach Kreuzfahrtschiff. Nach bewegt werden ohne sich bewegen zu müssen.

Wäre so ein Leben nicht geil? Also nicht diese Wall-e-Variante. Mehr sowas lifestyle-Blog-in-der-Provence-mäßiges…morgens dem Sonnenschein die Fenster öffnen und einen Moment zwischen den sanft wehenden Gardinen stehen bleiben und tief und ruhig atmen während nebenan die Kinder glücklich erwachen, der Mann schon vom Laufen zurückgekommen ist und den Lieblingstee aufgesetzt hat…öhm…ich schweife ab.

Ja, ich habe Sehnsucht nach so einer comfortzone. Deswegen war ich mir auch ganz lange völlig sicher, dass ich gerade keine habe. Jede Herausforderung glich einer Erschütterung und ließ mich in einer Mischung aus hingebungsvoller Demut („Ich mach doch, was ich kann….mehr kann ich doch auch nicht…“) und Zorn („Warum zur Hölle muss ich eigentlich alles alleine machen?!?“) zurück. Tage der Entspannung waren so rar gesät, dass ich inzwischen wirklich an der Evolution zweifle. Btw: die Tatsache, dass Menschen immer noch Kinder bekommen und selber aufziehen ist das beste Argument gegen den Darwinismus! Falls Euch mal jemand darauf anspricht: es entbehrt jedweder Logik, dass sich irgendeine Spezies mit derartigem Aufwand um seine Brut kümmert und dann noch überlebt!!! Survival of the Fittest? Dass ich nicht lache…

Zurück zum Thema…

Wobei…einen Bogen möchte ich noch schlagen! Ich habe nämlich eben gerade einen Artikel darüber gelesen, dass es in Deutschland in puncto Fremdenfreundlichkeit nach wie vor so läuft wie vor 24 Jahren (den Artikel von Nadine bei Mädchenmannschaft findet ihr hier). Ich las mir alles durch und ließ die Worte wirken und fühlte mich auf sehr seltsame Art und Weise ertappt: Ich agiere wie Deutschland. Also nicht bezogen auf dasselbe Thema. Aber strukturell. Da kommt etwas auf mich zu, was mich beunruhigt und anstatt mich daran zu erinnern, wie dämlich ich mich damals verhalten habe, als das schon mal so war, lasse ich die Zügel schießen und erlaube mir sowas wie einen sportlichen Nihilismus mit Zielscheibe.

Jetzt zum Thema:

Meine lieben Lesenden, ich bekenne, ich habe eine urdeutsche ekelhafte comfortzone. Ich suhle mich in meinem Leid mehr als ich muss. Ich betone meinen Schmerz und ignoriere, dass er dadurch ja noch wächst. Er wird quasi auch noch gefüttert von mir. Ich betrete jeden Raum in Begleitung meiner Angst vor xyz. Und das alles mache ich aber so gut und so nonchalant, dass Selbstbetrug als Begriff da schon gar nicht mehr greift. Schließlich vermischt sich die eigene Wahrnehmung doch sehr schnell mit verschiedensten Reaktionen und Hinweisen und Hintergrundartikeln zu einer völlig sich selbst enthobenen Wahrheit.

…jetzt sitz ich da mit dieser Erknenntnis und fühl mich voll gut. Hab ich gut gemacht. Oder?

Meine comfortzone umgibt und durchdringt mich und färbt Informationen, bevor sie meine Schilde passieren. Das werde ich nicht ändern können. Und ich frage mich: was kann ich denn ändern? Was? Wie?

Vielleicht mit diesen Achtsamkeitsdingern (solange sie sich nicht völlig achtsam auf jede Kränkung stürzen). Vielleicht mit einer Überprüfung der Substanz meiner Träume? Ist es wirklich das Haus in der Provence, um das es mir geht, oder steht dieses Haus stellvertretend für etwas anderes? Bin ich wirklich alleine oder verstecke ich mich vielleicht selber?

Also tatsächlich habe ich keine fertigen Antworten.

Nicht eine.

Ich habe eine Ahnung und ein Gefühl.

Ich taste und suche und denke und schreibe…und ich bin dankbar, dass ich über dieses Medium einen so umfassenden Austausch mit anderen tastenden, suchenden, denkenden und schreibenden Menschen haben kann. Ich bin sicher kein Vorbild. Ich bin nur ein Bild in Euren Köpfen. Aber durch unser Miteinander verändern wir unsere Denkspiralen. Ihr habt Einfluss auf mein Leben. Vielleicht nicht direkt. Aber über kuriose Gedankenschleifen. Und ich bin mir sicher: wenn ich verstehen kann, dass meine Ängste auch versteckt wirken können und dass mir das nicht gefällt, kann das unser ganzes Land auch. Vielleicht ist es eine Frage der Zeit. Oder eine Frage des Austauschs. Eine Frage von Artikeln. Blogbeiträgen. Worten.

Ich danke allen Menschen, die mir hier schon geschrieben haben. Oder auf Twitter. Oder per Mail. Vielen Dank Euch allen. Ich freue mich sehr, wenn ihr noch etwas in meiner Nähe bleibt. Einfach für den Fall, dass ich mich noch einmal verheddere und den zündenden Gedanken vermisse.

Liefs,

Minusch

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