Soulfood für die Familie

Guten Morgen.

Wie erwartet tobt der kleine Bruder gerade mit einer vollen Windel um mich herum. Er wollte wieder lieber in den Kindergarten als in die Krabbelstube…also ist er daheim. In der Krabbelstube hatte ich zwar Fetzen gehört, die so klangen wie: „Wir ziehen das durch, wir machen die Regeln, du kannst gehen…“ aber in meinem Herzen tönte es nur „Mein kleiner Sohn will nicht dorthin, wo ich ihn hinbringe. Und wenn er das nicht will und ich auch nur einen Funken auf Selbstwirksamkeit gebe, dann halte ich ihn fest und nehme ihn wieder mit! So!“.

Ich bin eine Megafreundin von Konsequenz. Ich hab das in der Arbeit schon oft genug erfahren. Sie ist goldwert! Sie stabilisiert eine Gruppe. Sie stabilisiert Beziehungen, sorgt für Berechenbarkeit und einen Rahmen, an dem sich kleinere Menschen und größere Menschen verlässlich reiben können.

Aber wenn vor mir ein aufgelöster kleiner Kerl steht, dann schmilzt mein Herz und mein Wissen mischt sich mit dem Wunsch, meine Kinder mögen lernen, dass sie etwas verändern können, wenn sie es wollen.

Jetzt tippe ich also in Hochgeschwindigkeit, pfeife auf Rechtschreibfehler und bemühe mich um eine Art Mini-Flow. Denn:

ich habe gestern auf twitter versprochen, hier Rezepte zu veröffentlichen. Das wünsche ich mir schon lange und habe es vor mir her geschoben, weil ich einfach das mit den Fotos nicht geregelt bekomme. Sie sehen einfach doof aus. Und dann geht beim Hochladen alles mögliche schief. Gnagnagna…taggen, verwalten, sortieren…eh, ich bin dafür zu langsam.

Aber, ich habe Rezepte. Wunderbar einfache vorwiegend vegetarische Rezepte. Gefunden in allen möglichen Ecken und auf allen möglichen Seiten. In Büchern, bei Freundinnen oder in der Küche, in der ich mal gearbeitet habe. Und ich mag das gerne teilen, denn: ich erinnere mich daran, wie glücklich ich immer wieder bin, wenn ich ein Rezept finde, das einfach ist und wunderbar schmeckt.

Nein, das Rad werde ich nicht neu erfinden. Aber bei manchen Rezepten gibt es quasi ein Rundum-Nutzungs-Paket, weil ich nämlich ein nachhaltiges Herz habe und Essen nicht gut wegschmeißen kann (es sei denn, es ist ungesund geworden oder völlig ungenießbar…).

Als Opener werde ich Euch heute unser absolutes Familienlieblingsrezept vorstellen. Ihr ahnt nicht, was alles damit möglich ist! Ursprünglich war es eine Tomatensauce für Pizza. Ich hab nämlich eine Abneigung gegen passierte Tomaten mit Oregano auf der Pizza. Dieses Saucen-Debakel war der Grund, warum ich keine Pizza zuhause packen wollte. Ich fand sie einfach nie gut.

Dann bekam ich überraschend ein Kochbuch von Leila Lindholm geschenkt. Eigentlich wegen der Waffelrezepte. Das Geschenk kam nämlich zu Ostern zusammen mit einem Waffeleisen. Und zunächst interessierten mich auch nur die Waffelrezepte. Aber ganz am Anfang des Buches sind Bilder von Pizzen zu sehen. Wunderschöne schiefe Pizzen. Herrlich fotografiert. Rustikal. Schlicht. Aber mit einem gewissen Etwas. Und als der Tag kam, an dem ich tatsächlich mal alles zuhause hatte, was wir für eine der Pizzen brauchten, erstrahlte in mir eine Sehnsucht nach mehr…das Geheimnis liegt nämlich nicht zwangsläufig im Teig, obwohl der auch sensationell ist! Es liegt in der Tomatensauce!

Diese Tomatensauce, beziehungsweise das, was ich daraus alles gemacht habe, möchte ich mit Euch teilen. Denn es gab bisher niemanden, dem diese Ergebnisse nicht geschmeckt hätten. Und meine TesterInnen-Bandbreite umfasst Freunde und Freundinnen, Gäste im Café meines Bruders und 20 Kleinkinder. Von der eigenen Familie ganz zu schweigen…

Tomatensuppe/sauce

20 Tomaten (die großen Strauchtomaten vom Aldi sind prima, wenn ihr sie noch so 5-6 Tage liegen lasst bis zum verarbeiten. Und wenn ihr Geld raushauen wollt, dann bitte mit San Marzano-Tomaten. Die sollen die besten Tomaten der Welt sein (etwa 9-11,-/kg).

4 Knoblauchzehen (ich nehme immer der frischen Knoblauch…bei dem kann ich, im Gegensatz zum getrockneten, schon beim kaufen riechen, was für ein Aroma der hat. Und er ist im Geschmack prinzipiell milder)

2 EL Butter

2 EL Honig

2-3 TL Weißweinessig

Pfeffer und Salz

Ihr wascht und entstiezelt die Tomaten und schneidet sie klein. Ich liebe es rustikal und schneide die Tomaten nicht in zu kleine Würfel, aber das entspricht eben meinem Geschmack. Wenn ich die Suppe/Sauce noch pürieren möchte, erspare ich mir auch das zu klein schnipseln und würfle nur grob.

Dann wird der Knoblauch geschält und geschnitten. Auch hier spare ich mir Arbeit und schneide ihn lediglich in Scheiben und nicht in Würfel. Geht schneller und einfacher und überhaupt: rustikal rules!

Die Butter in einem Topf zerlassen und dann den Knoblauch andünsten. Nicht zu lange dünsten lassen! Wenn er verbrennt, wird er schlagartig bitter und versaut Euch die Freude. Kurz andünsten (etwa eine Minute, schätze ich) und dann den Honig dazugeben. Der Honig schützt Euch zusätzlich vor einem bitteren Geschmack und karamellisiert den Knoblauch leicht. Und der Duft….hmmm….(btw: ich benutze keinen extra-billig Kochhonig, weil mir die hiesigen Imkereien am Herzen liegen. Es geht SELBSTVERSTÄNDLICH mit jeder Sorte Honig. Über den Honig bekommt ihr auch eine deutlich wahrnehmbare Geschmacksrichtung rein. Am besten finde ich persönlich Laubwaldhonig dazu. Ein wenig herb, angenehm flüssig und im Endergebnis eine Wucht).

Dann können auch schon die Tomatenwürfel dazu. Alles. Schale, Kerne, Wasser. Alles gewollt. Umrühren, aufkochen und 20 min auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Ihr könnt über die Temperatur steuern, welche Konsistenz ihr in etwa haben wollt: mehr Hitze und mehr Wasser verkocht, also wird die Sauce etwas dicker. Weniger Hitze erhält mehr Wasser, alles bleibt etwas flüssiger.

Nach 20min könnt ihr den Topf vom Herd nehmen und hadern, ob ihr den Traum verfeinern möchtet oder eben nicht oder nur ein bißchen. Die Nerds passieren das Ganze anschließend noch und servieren es in einer traumhaft feinen Konsistenz.

Abschmecken ist jetzt allerdings noch wichtig, denn erst durch den Weißweinessig bekommt die Suppe/Sauce wirklich den letzten Kick. Sie verträgt meiner Ansicht nach viel Salz, wenig Pfeffer und wirklich nur Teelöffelweise Essig (wird schnell zu viel).

Das Ergebnis eignet sich sowohl als Suppe als auch als Pasta- und Pizzasauce! Es lässt sich im Kühlschrank gut aufbewahren und wenn ihr Lust auf mehr Gemüse habt, empfehle ich am nächsten Tag einfach kurz Knoblauch in einer Pfanne anzudünsten, Honig dazuzugeben und eine aufgeschnittene Zucchini und/oder Möhren (die brauchen dann allerdings einen Schuss Brühe dazu) dazuzugeben, anbraten, Tomatensauce dazu oder separat servieren. Ein Traum. Ich hab auch schon versucht, Mozzarella darin zu schmelzen…ging nicht so super, war aber total lecker.

Mit ein paar winzigen Variationen kann das sogar eigener Ketchup werden (noch ne Paprika mitkochen und Zucker statt Honig…auch etwas mehr Zucker als Honig…und dann länger köcheln lassen…). Und wenn der Ketchup erst fertig ist, und ihr zufällig Räuchersalz (oder noch besser liquid Hickory) und 5-6 Zwiebeln im Schrank habt, könnt ihr daraus sogar noch Barbecue-Sauce zaubern.

Manchmal schnibbel ich schnell die letzten 5 Pilze klein und brate sie in der Pfanne an, gebe Sahne dazu und genieße die Kombination aus leichter und fruchtiger Tomatensauce und den schweren Pilzen. Achja: und Spinat passt auch hervorragend! Zwiebelchen andünsten, nach Gusto vielleicht Kochschinken dazu und dann Blattspinat zusammenfallen lassen. Pfeffer, Salz, Muskat und ein weiterer Begleiter ist fertig.

Und mit Parmesan seit ihr auch immer auf der richtigen Seite.

Ihr Lieben, vielleicht habt Ihr alle schon Eure Super-Tomatensaucen-Rezepte und ich hab hiermit niemanden überrascht. Aber mit irgendwas muss ich ja anfangen und ich muss sagen: Dieses Gericht gibt bei uns jede Woche, weil es so variabel und so einfach zu kochen ist (ja, ich lasse den 2 und 3-jährigen regelmäßig die Tomaten für mich schnibbeln).

Wenn Ihr auch tolle Tomatenrezepte und Lust aufs Teilen habt: her damit! ❤

Liefs,

Minusch

10 thoughts on “Soulfood für die Familie

  1. ganz lieben Dank für das tolle Geheimrezept. Ich werde es mit Sicherheit nachkochen !
    Und ich finde klasse, wenn Eltern hinter ihren Kindern stehen und sie darin unterstützen, wenn sie etwas nicht wollen !!

    1. Ich freu mich, wenn andere auch Freude daran haben! Ich hatte es für 20 Kinder gekocht und wurde in der Küche gefragt, ob ich ernsthaft mit frischen Tomaten kochen würde…seit dem ahne ich, dass ich nicht die einzige war, die ein so einfaches Rezept gesucht hat.

      Danke für die Rückendeckung. Allerdings bedeutet mein ernstnehmen des Kleinen, dass wir finanzielle Probleme haben. Eigentlich sollte ich jetzt die ersten Kochaufträge haben/suchen. Zusammen mit dem Knopf: nicht möglich. (Selbst der Beitrag brauchte 6 Anläufe verteilt über 12h)

      Viel Spaß beim Ausprobieren! ❤️
      Minusch

  2. Liebe Minusch,
    dein Rezept klingt fabelhaft. Bei uns gibt es etwa zwei bis drei Mal die Woche Nudeln mit verschiedenen Saucen, aber so eine ‚Grundsauce‘ zum Verfeinern und weiter abwandeln fehlte mir bisher immer. Am Wochenende werde ich dein Rezept mal ausprobieren und dann sehr gern berichten.
    Hab‘ einen schönen Abend! 🙂

    1. Ohja! Bitte berichten! Vor allem kann ich mir bei Dir vorstellen, dass Dir noch andere Variationen einfallen (ich hatte spontan so eine Eingebung von Butternut-Kürbis und Zimt parallel dazu, als ich an Euren Esstisch dachte…oder Nüsse! 😍)

      Viel Spaß!!

      Liebe Grüße,
      Minusch

      1. Ohhh, ich muss es auch hier noch einmal schreiben: Es. War. So. Lecker.
        Gleich gibt es die Sauce noch einmal, weil wir die Finger nicht davon lassen können. So gut. ❤

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