something completely different

Ich hatte ja eigentlich (eigentlich!) vor, hier wochenweise Rezepte zu veröffentlichen. Ich dachte mir so: Naja, wenn ich wegen des Sohnemanns als Familienbackup zuhause bleibe und mich um die Wohnung und alles Soziale, ums Essen, Geschenke und Weihnachtskram, um den Keller, die Fahrräder und die ganzen Kruschelecken, das Ebay/Flohmarkt/Mamikreisel-Zeug und neue Klamotten kümmere, DANN hätte ich doch sicher ausreichend Zeit für mein Blog und Bücher und Filme und Musik…

Ihr erkennt meinen Denkfehler, ne?

Ja, ich jetzt auch. So retrospektiv. War nicht ganz durchdacht der Plan.

Eigentlich hätte ich auch gern mal einen Blog-Adventskalender angeleiert und beim Fichteln auf Twitter mitgemacht, zig DIYs von Pinterest ausprobiert und…öhm…genau.

Und dann kam mir auch noch mein eigenes Sozialleben dazwischen. Aber seis drum: Menschen kommen und gehen. Und wenn diese Menschen Dir Deine Entscheidungen madig machen wollen, dann ist das Gehen auch gar nicht sooo schlimm. Ne?

Und hinten dran läuft mein persönlicher Jahresrückblick. 2015 ist schon jetzt ein Jahr wie jedes andere und gleichzeitig eines, aus dem ich sehr viel mitnehmen werde in die Zukunft. Ich habe sehr viel Wissen über mich selbst gesammelt. Aber auch altes Wissen aktualisiert. Das macht mich (leider) nicht zu einer völlig ausgeglichenen Frau, aber es verdeutlicht, wie viel die hormonellen Veränderungen durch die beiden Schwangerschaften von mir gefordert haben. Von mir und von den Menschen um mich herum. In vielerlei Hinsicht musste ich wieder von vorne anfangen, was das Verstehen von mir selbst anging. Glücklicherweise läuft bei mir diese innere Erkenntnis so ähnlich ab wie ein Wiedereinstieg in Yoga: Ich spüre beim ersten Schritt zwar, dass ich an Übung verloren habe, aber ich fange nie bei 0 an sondern immer bei 1. Das macht mir Mut.

Überhaupt macht mir Mut, jetzt wieder an die Zeit von vor der Schwangerschaft mit dem Großen anknüpfen zu können. Das bedeutet nämlich auch, dass meine „automatisierten“ Gefühle sich langsam beruhigt haben. War ich letztes Jahr um diese Jahreszeit noch wild entschlossen mit einem mindestens 25h-Job zum Familieneinkommen beizutragen und den Haushalt zu stemmen (von dem Glücklichmachen der Jungs mal ganz zu schweigen), spüre ich seit Anfang dieses Dezembers, dass ich meinen Fokus viel mehr auf unsere Familie legen möchte. Klar will ich arbeiten. Ich erinnere mich an den Stolz, der mich erfüllt hat, wenn ich etwas gut gemacht habe. Nur erinnere ich mich eben auch an die Enttäuschung, wenn ich mit der Wut meiner Kinder auf mich konfrontiert war, weil ich wieder keine Zeit/Kraft/Lust hatte, mit ihnen zu spielen.

Es ist ein gigantischer Luxus, dass ich zuhause sein kann. Unser Papasch strengt sich gerade richtig an, dass das Geld für uns reicht. Ich strenge mich an, sparsam einzukaufen (was meinem Nachhaltigkeitsbedürfniss entgegen kommt) und vieles selbst zu machen. Noch habe ich nicht die perfekte Balance für Entspannung und Anspannung, aber ich erwarte das auch nicht mehr von mir, weil mir klar geworden ist, dass es in den nächsten 20 Jahren keine endgültigen Lösungen geben kann. Wir werden als Familie weiter im Alltag schwimmen lernen. Wir werden improvisieren und uns gute Lösungswege merken. Wir werden Unpassendes verwerfen und an allem wachsen.

Ja, ich träume noch immer von dem Kinder-Catering. Die Träume werden immer bunter und detaillierter. Aber ich denke auch gleichzeitig, dass ich auf uns Acht geben muss. Meine Kinder werden keinen Moment zwei Mal erleben. Und ich weiß niemals im Voraus, an welche unserer Abenteuer sie sich später erinnern werden. Ich stricke ihre Kindheit gemeinsam mit ihrem Vater. Und ich gehöre offensichtlich nicht zu den Frauen, die so viel Kraft aus ihrer Arbeit ziehen, dass ihnen dadurch das Mama-sein etwas leichter wird.

So betrachtet hat sich das letzte Jahr quasi selbst ausgemistet. Menschen, die mir sehr viel Energie abgerungen haben, haben sich sozusagen selbst aussortiert und ich konnte es gut verarbeiten, weil ich dadurch an Energie für mich/meine Familie gewonnen habe. Erkenntnisse, die mir wie eine Wahrheit vorkamen, haben sich als unbestimmte Annahmen erwiesen und konnten so neu einsortiert werden. Und als letzte Konsequenz aus diesem harten und zarten Jahr, konnte ich wieder mit Yoga beginnen, was mir den ganzen Tag über hilft, im Blick zu behalten, was ich aus welchem Grund tue. Ich entscheide anders über meine Zeit und gönne mir mehr Liebe zu mir.

Ich wünsche auch Euch allen Ruhe fürs Herz und eine Adventszeit, die diese Bezeichnung auch verdient. Ihr verpasst nichts, wenn ihr mal etwas absagt. Und es ist sehr wertvoll, zu spüren, dass wir selbst über unsere Zeit entscheiden und niemand sonst.

 

Liefs,

Minusch

 

PS: ich werde auch weiterhin Rezepte veröffentlichen, weil ich es wichtig finde, so etwas zu teilen. Nur kann ich keinen festen Turnus festlegen. Ihr wisst ja: Leben ist das, was dazwischen kommt, wenn wir Pläne machen. 😉

2 thoughts on “something completely different

  1. Hi Minusch, habe gerade deinen Blog gefunden und diesen EIntrag natürlich als ersten gelesen. Deine Entscheidung ist gut nachvollziehbar! Dann habe ich mich durch deinen Blog gearbeitet und deine Entwicklung hin zum „traditionellen Rollenmodell“ verfolgt. Das ist wirklich interessant und sehr gut zu lesen, Kompliment für deine Schreibe!
    Eine Sache interessiert mich brennend, und ich traue mich einfach mal zu fragen: wenn du jetzt eine (längere?) Familienauszeit nimmst, wie machst du es dann mit der Altersvorsorge?

    1. Guten Morgen!
      Danke für das Kompliment…
      Tja, Altersvorsorge. Ich habe quasi noch Elternzeit übrig, die ich nehmen werde. Ich habe noch nicht ganz kapiert, wie das genau geht, aber das krieg ich schon noch raus.
      Außerdem hab ich mir vor Jahren eine Riesterrente aufschwätzen lassen. Ich hoffe doch sehr, dass ich in meinem Leben nochmal genug arbeiten werde, damit die nicht nur meine kärgliche gesetzliche aufpeppt und ich am Ende doch ergänzend HartzIV beantragen muss.

      Altersvorsorge ist so ein Background-Thema, wie bei vielen anderen, denke ich. Es pappt zu verschiedenen Zeiten auf und ist schwer zu fassen.

      Beantwortet das Deine Frage, liebe Jongleurin?
      Jetzt geh ich direkt mal bei Dir spionieren…:-))

      Liefs,
      Minusch

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