leben – ein Leben lang

Puh, was war 2015 für ein Jahr. Rückblicken muss ich hier nicht besonders. Steht ja alles in den alten Beiträgen. Aber darüber nachdenken muss ich noch. Ich bin noch nicht ganz durch damit. Es gab einfach so unfassbar viele und große Themen in diesem Jahr. Und im zweiten Drittel kam dann die Erkenntnis: Verdammt, das kennst Du doch alles schon.

Kommt das jemandem von Euch bekannt vor? Ihr kommt in die Nähe Eures Null-Meridians. Ihr findet einen Rhythmus, eine Geschwindigkeit und einen Kanal für Eure Sehnsüchte und tanzt mit einem Fuß immer in der Luft?

Das war ich, bevor ich schwanger wurde.

Ich hatte so lange darauf hin gearbeitet. Traumjob, Leben einepegelt, Blick eingenordet. Das alles, damit ich so lange Ruhe genießen kann, wie ich will. Und dann kommt da dieser Mann mit dem Familienwunsch. Dann kommt da diese Leidenschaft. Und dann die Übelkeit…und dann steht kein Stein mehr auf dem anderen. Das war 2011.

Inzwischen habe ich die unterschiedlichsten „Entschwängerungs“-Zeitspannen beschrieben gelesen und bin aber selbst davon überzeugt, dass es bei mir mindestens 3 Jahre nach der Entbindung dauert, um die Hormone wieder loszuwerden und wieder ruhig zu werden. Diese 3 Jahre sind erst im April rum, und ich habe auch nach wie vor das Gefühl, dass in mir etwas arbeitet, worauf ich nicht gefasst war. Und dieses etwas hat es fertig gebracht, meinen Fokus so weit weg von mir selbst zu schieben, dass ich einen beträchtlichen Berg an Wissen einfach nicht abrufen konnte. Ich hab mich von meinen gesammelten Schicksalsschlägen so dermaßen beuteln lassen, dass sich mir jetzt noch die Haare zu Berge stellen. Wie so ein Teenie.

Aber ich möchte mich dafür nicht verurteilen. Ich stehe viel mehr verwundert vor mir selbst und frage mich, ob ich mich ab jetzt bis zum Ende meines Seins davor bewahren kann, meine Nerven zu verlieren. Denn es zerrte Kraft, es schüttelte mich und machte mich zu einem Menschen, der ich gar nicht sein mochte.

Also fange ich mit meinem Weg wieder an. Nicht ganz von vorne, nein. Glücklicherweise ist es mit dem Leben und seinem Wissen wie mit Yoga: selbst wenn Du den Anschluss komplett verlierst, sobald Du wieder anfängst, fängst Du nie bei 0 an sondern immer mindestens bei 1.

 

Über sowas denke ich nach. Und über die Bauchschmerzen, die ich im Anschluss an den Heiligabend-Magen-Darm-Infekt hatte. Und über meine Kinder und deren Bedürfnisse. Denn auch familiär haben ja meine emotionalen Attacken Auswirkungen und wir waren zu Beginn unserer Ferienzeit alle vier urlaubsreif. Die Kinder wollten ans Meer und zu den Schafen (*hachzt) und der Mann wollte Auszeiten und ich wollte Auszeiten und eine saubere Wohnung und Vorbereiten und weihnachtlich sein und entspannt und auf alles gefasst und geliebt und…ja, genau: dieses Thema hatten wir ja schon. Madame überschätzt noch sehr häufig die Dauer einzelner Tage. Und ihre eigene Kraft. Und die ihrer Familie.

Natürlich blieb ich so gefasst wie möglich, als der Kleine uns nach dem Heiligabendfondue das Kinderzimmer vollspuckte. Ich hatte gerade die komplette Wäsche fertig gewaschen um möglichst keinen Wäscheständer während der Feiertage rumstehen zu haben. Und am nächsten Morgen fing ich dann an mit Übelkeit und Krämpfen. Und auch das nahm ich irgendwie an. Als dann aber auch noch der dritte Weihnachtstag drauf ging für „Schüssel-kuscheln“ und „besser nix essen“ lagen meine Nerven blank. Mal wieder.

 

Und später kippte dann mein Blick wie bei einem Vexierbild in einen anderen Winkel und es ging wieder. Das ist wie bei diesen Situationen, in denen Du aus dem Stress heraus auf Dein Kind schaust und spürst, wie es Dich auf die Palme bringt und dann plötzlich erkennst, dass es ein von Dir unabhängiger Organismus ist, der sich Dir immer wieder zuwendet, und der irgendwann gehen wollen kann. Solche Situationen habe ich immer wieder. Plötzlich zieht sich eine Gardine weg und ich erkenne ein Wesen, das mir noch vertraut (ist). Ein Ich, so wie ich eines bin. Und in jedem dieser Moment erschrecke ich mich ein kleines bißchen über mich und meine Anmaßung, dieses Gegenüber in eine Form drücken zu wollen, die ihm offensichtlich gerade überhaupt nicht passt.

 

Leben. Dies ist mein Leben. Meine Abenteuer. Meine Reise. Manche fliegen mehrfach um die Welt. Ich reise in meine Mutterseele und schaue mich verwundert um. Es ist so erstaunlich, was sich alles anpasst und verändern muss, damit eine Familie als Familie funktioniert. Vor allem, wenn ein Teil der Familie so schlecht von zuhause aus darauf vorbereitet war. Es ist schade, dass ich so schlecht darauf vorbereitet war.

 

Liefs,

Minusch

 

 


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