alltage

es ist Freitag. der Tag, an dem ich eigentlich immer mit allem fertig sein möchte um  dann die Hände frei zu haben. so war mein Plan zumindest letztes Jahr, als ich mich damit arrangierte, nun doch Hausfrau zu sein. Hausfrau. so ein blödes Wort für einen blöden Job. ja, ich konnte mir morgens Pausen einräumen zum schreiben und Twittern, aber gerade im Winter wissen wir alle, womit Eltern mit Kindern beschäftigt sind.

jetzt ist aber wieder ein Freitag. ein besonderer Freitag. also, abgesehen davon, dass ich die ganze Woche schon huste und Kopfschmerzen habe (der Zyklus-Hallo-Schmerz ging direkt über in den Wetterwechsel-Hallo-Schmerz verstärkt von Hustenreizdruck und Schnupfenspaß (ach…was jammere ich…)), ist heute der Freitag, an dem ich den dritten Tag in folge Zahlen herumschiebe. Mittwoch schob ich Paragraphen herum als Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch (ich wollte eigentlich nur mal kurz gucken, wie der Markt so aussieht). Donnerstag habe ich Stunden rumgeschoben und versucht, mir Arbeitstage vorzustellen, also Arbeitstage nach Vorstellung des potentiellen Arbeitgebers. Arbeitswege, Arbeitsbeginn, Haushaltsaufteilung und dann die Übersetzung von Arbeitsstunden in Gehalt. und heute schiebe ich Zahlen rum, um rauszubekommen, ob unser Hilfe zur Erziehung-Anspruch erlischt, wenn ich arbeite. das hieße nämlich 270,-/Monat für die Kinderbetreuung. das will auch bedacht sein.

es ist nämlich so, dass dieses Jahr beschlossen hat, mal eben einen Glückskübel über mir auszuleeren: ich habe die Stelle bekommen. UND: ich darf demnächst drei Kochbücher hier vorstellen, die ich echt toll finde. UND: ich werde eine Fortbildung machen und habe da den letzten freien Platz mit den Worten „oh, mir hat gerade jemand abgesagt…“ bekommen. UND: dann gibt es noch zwei Glücksmomente in der Pipeline, über die ich aber noch nichts sagen mag (nene, ich bin nicht schwanger!!).

ich schaue zurück auf diesen Januar und bin völlig irritiert. also wirklich völlig. eigentlich war es nämlich so, dass ich mich mehr auf die Kinder konzentriert habe und vorhatte, noch eine Weile zuhause zu bleiben. beim Abholen der beiden in Kindergarten und Krabbelstube ist mir jetzt immer deutlicher geworden, dass beide nachmittags etwa 40 bis 75min lang außer Rand und Band sind. ich habe nachgelesen und festgestellt, dass es vielen Kindern so geht. auch die Bezugserzieherin meines Großen meinte, dass er sich eben den ganzen Tag in die Gruppe fügt und wahrscheinlich erstmal explodieren muss, wenn ich komme (sie stand daneben, als er mir einfach mal eben gegen das Schienenbein trat).

und der Kleine zeigt ganz ähnliches Verhalten.

ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich damit umgehen kann. was ich tun kann, um die beiden zu unterstützen. klar, zuhause haben wir Rituale um zur Ruhe zu kommen, aber die greifen erst abends. und wenn ich die beiden abhole, kann ich sie auch nicht gleich zur Ruhe bringen. mit dem Großen geht Naturbeobachtung ganz gut, weil wir ein kleines Stück durch einen Park gehen auf dem Weg zur Krabbelstube, aber dann wird es schwieriger. also habe ich beschlossen, dass ich gerne mehr wüßte über solche Zustände und habe mich in diesem Moment an 2007 erinnert, als eine sympathische Frau am schwarzen Brett meines Fachbereiches einen Flyer aufhing zum Thema „Entspannungspädagogik für Kinder“. und ab diesem Zeitpunkt ging der Glücksrutsch los…

ich suchte nach der Ausbildung und fand sie. sie ist bezahlbar und enthält genau das an Inhalten, was ich gerade vermisse. während des Suchens schickte ich eine Anfrage raus an einen Buchverlag. und ich begann, bei der Jobbörse pro forma mal nachzuschauen.

was soll ich sagen? Freitag habe ich mich auf eine Stelle beworben. Montag hab ich bei der Ausbildung angerufen und bekam den Platz. Montag bekam ich auch die Zusagen für die Kochbücher. Dienstag hatten wir einen schönen Hochzeitstag (wir waren in der Sauna….<3 ). Mittwoch Vorstellungsgespräch. Donnerstag die Zusage für die Stelle…

jetzt steht Veränderung im Raum. eine recht Große für uns alle. und das nur, weil ich meinen Kindern helfen wollte, mit den Gefühlen nach dem Kindergarten zurecht zu kommen. ich hab das alles nicht geplant. vielleicht ist das das schönste Glück an dieser Situation. ich fühle mich privilegiert und aufgewertet. und das alles mit meinem Fokus auf meine Kinder. jetzt möchte ich mir diese Herzensruhe bewahren für alles, was kommt. dieses stille Wissen, dass wir surfen müssen. dass wir das Warten auf die Welle genauso annehmen müssen wie die Welle. dass Stillstand nicht gleich Stillstand ist und dass in mancher Ruhe Bewegung liegen muss, damit sie wirken kann.

 

Liefs,

Minusch

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