ja, mein Leben folgt unbestimmten Gezeiten. eben noch über den Hausfrauen-Alltag gemeckert, schwupps, plane ich mein erstes Arbeitsoutfit (also, was sauberes eben…nicht ganz einfach zu finden…), stelle ich schonmal den Wecker und lese ich hektisch Begriffe wie Steueridentnummer, Steuerfreibetrag und vermögenswirksame Leistungen nach.

und schwups: ist auch schon die erste Arbeitswoche rum.

die ersten drei Tage blieb der Große mit dem Mann zuhause. in der Nacht von Sonntag auf Montag kotzte er uns nämlich beherzt ins Bett und litt dann noch 3 Tag an fürchterlichem Durchfall. seit heute bin ich wohl angegrippt. aber dazwischen war es schon ziemlich gut.

gut, den Haushalt musste ich ignorieren. durch das Zuhause-Kind blieb für mich nach der Arbeit nicht wirklich Kraft übrig. also ich stellte zwei bis 6 Waschmaschinen an und räumte die Spülmaschine ein und aus. ich räumte auch mal meinen Klamottenberg weg. und ich machte die Einkäufe auf dem Heimweg (yeah, ein Edeka an meiner Haltestelle bei der Schule! endlich mal kein Rewe!). der Mann und die beiden Jungs haben sich wohl auch gut arrangiert, was das morgendliche Wegbringen angeht. Bad wurde einmal geputzt. gesaugt wurde auch. alles gut. Alltag: läuft.

ich arbeite jetzt als Schulbegleitung für einen 8-jährigen Jungen und das auch noch mit einer umwerfenden Klassenlehrerin. und einer umwerfenden Klasse. und „meinen“ Jungen mag ich sowieso schon. nachdem ich von einem ehemaligen Studienkollegen eingestellt wurde und die Eltern des Jungen schon begeistert von mir waren und die Klassenlehrerin fast weinte, als wir uns kennenlernten, weil sie froh war, endlich Hilfe zu bekommen, hatte ich echt keine Angst vor Montag. und was soll ich sagen? wäre auch gar nicht nötig gewesen.

diese Klasse ist so durchstrukturiert und auch sozial schon so weit, dass ich mich heimlich frage, was ich denn noch verbessern soll. unter anderen Bedingungen wäre der Junge sicher nicht in der Lage, auch nur den Klassenraum selbständig zu betreten, aber die Lehrerin hat einen Ort geschaffen, von dem wirklich 23 Kinder profitieren. für mich bedeutet das: ich kann meine Ziele ganz anders stecken als ich dachte und noch mehr Zeit für den Beziehungsaufbau nutzen. ich arbeite selbständig auf einem wirklich hohen Niveau.

ganz logisch komme ich aus dieser Woche also mit ein paar Überstunden, ca. 30 DinA5-Seiten an Dokumentation, Hypothesen und möglichen Entwicklungszielen und mit dem Gefühl, beschenkt worden zu sein.

ich konnte auch direkt erfahren, wie das zuhause-bleiben wegen Kindern von den Kolleg*innen angenommen wird: in dieser Woche fielen direkt zwei Lehrerinnen wegen kranker Kinder aus, und ich spürte einfach nur Akzeptanz beim Umgang mit dem Thema. ja, es ist ein durchgehend weibliches Kollegium (ein Mann bei bestimmt 25 Frauen) und die meisten sind sehr jung. und Mama. noch ein Stoßseufzer. es ist kaum zu fassen.

brauche ich noch erwähnen, dass ich für die Ferien vorarbeite und so die Schulferien frei habe? oder, dass meine Arbeit bis auf einen Nachmittag (Team und Supervision) ausschließlich vormittags stattfindet? dass wir einmal im Monat Supervision haben? ich kann kaum fassen, dass ich jetzt tatsächlich einen Job habe, bei dem ich nicht täglich mit Kolleginnen sozialisieren muss, um einbezogen zu werden. dass ich selbständig arbeiten darf und dass ich kreativ handeln kann. und über Gehalt brauchen wir auch nicht streiten: es ist ok.

vielleicht kann es jetzt wirklich so bleiben. ich fühle mich auf jeden Fall gut vorbereitet für diese Arbeit und wenn ich mir mein Team anschaue, ist es möglich, dass ich für diesen speziellen Fall sogar genau die richtige bin. ich muss sie nicht werden. ich bin es schon.

und soll ich euch noch was sagen: trotz allem Stress mit dem kranken Kind, dem langen Arbeitsdienstag und der Umgewöhnung auf das frühere Aufstehen, war ich mit den Jungs am Donnerstag im Wald. wir haben die Wiesen gesehen, die die Wildschweine des Großen umgewühlt haben (oder auch die Giraffen des Kleinen…die wollten dort nur mal schnuppern). wir haben Weidenkätzchen gestreichelt. wir haben Fische gefangen (8 Stück! eine Forelle, ein Hecht, ein Barsch…was halt so im Sandkasten rumschwimmt) und wir waren an einem Bach, in den wir Stöcke reingeworfen haben. ein zarter Sonnenschein zwischen den noch kahlen Bäumen, ein leises Säuseln des Wassers. das glucksende Lachen der Jungs, wenn sie versuchten, einen besonders langen Stock ins Wasser zu werfen. es war wunderschön.

nein, am Bach haben wir nicht geangelt. das wäre echt kitschig gewesen. 😉

wir drei sind ein Team. es war alles so leicht.

der Mann und die drei sind auch ein Team. es scheint gut zu laufen morgens.

…nur wir alle zusammen…das bleibt bei all dem Glück noch schwer.

 

Liefs,

Minusch

 

 

 

 

8 thoughts on “wir(r)sein

  1. Herzlichen Glückwunsch, das klingt doch super! 15 Stunden sind das regulär, oder? Hast du auch einen ganz freien Tag?
    Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass dass deiner ganzen Familie gut tut. Als geborene Nur-Hausfrau kommst du hier im Blog nämlich nicht rüber 😊

  2. Wie schön! Ich gratuliere dir zu dieser wunderbaren Arbeitsstelle und freue mich mit dir über das gute Miteinander. Möge es immer so weiter gehen und noch besser werden!!

  3. wie ich das kenne; die erfahrung sagt: alles nur frage der organisation und des eigenen durchhaltevermoegens. viel erfolg bei allem. das schulbegleitungsmodell kenne ich gut aus italien. eine super sache. lg

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