falsche Bilder

zu gerne würde ich gerade aus dem Nähkästchen plaudern, weil ich glaube, dass das absolut richtig und wichtig wäre. aber nichts verliert seine Brisanz mit der Zeit und manchmal ist Distanz eine gute Empfehlung…

mein Blog ist ja tatsächlich ein Abbild meines Lebens als Mutter. mit Höhen, mit vielen Tiefen, mit Fragen, politischen Ansichten und Orientierungsschwierigkeiten. und ich bin froh, dass ich dieses Fenster zu Welt nutzen kann, denn durch dieses Fenster kann ich auch bei manchen von Euch ein bißchen weiter rein gucken als nur bis ans Klingelschild. oder auf den perfekt gedeckten Ostertisch. oder auf den charmant chaotischen Kindergeburtstag…

ich denke dieser Tage viel darüber nach, was wohl von mir nach außen dringt. ab wann ich zu indiskret werde und was von mir irgendwie zu weit gehen könnte. eigentlich (!) bin ich der Ansicht, dass ich hier alles schreiben können muss, was mir wichtig erscheint. eigentlich (!) möchte ich mich selbst dokumentieren, denn ein geschriebener Text hat immer auch einen selbstreflexiven Aspekt. aber ich tu es nicht. oder nicht ganz. oder nicht mehr ganz. aber ich denke daran. ich halte es fest.

ich wollte mich hier eigentlich vor allem von den ganzen Hochglanz-Blogs abgrenzen. von all den perfekt zurecht gemachten Wohnzimmern und den herzigsten Herztörtchen und dem schönsten Baby. habe ich das?…oder bin ich nicht auch irgendwie doch mit meinem Selbstexplorationsanteil irgendwie auf einen neuen Trend eingestiegen? ein Trend zur Zwangs-Wahrhaftigkeit? auch ein Teil der Mummy-Wars, weil ich eben all das rosagetuffte House Doctor Gestyle und die 25te Version von einem perfekten (echt wirklich!) Biskuitboden irgendwie abgelehnt habe? bin ich wahrhaftig bei mir geblieben?

ich schaue immer mal wieder in alte Texte rein. ich habe manche auch offline genommen. ich möchte noch ein Kochbuch rezensieren…(und das fällt mir schwer, weil die Rezepte nicht so eingängig sind, wie ich dachte). ich versuche, irgendwie Qualität zu produzieren und gleichzeitig geht mein Leben weiter. und es geht in so großen Schritten weiter…

ich tausche mit mit anderen aus und erkenne deren Differenzen zwischen virtuellem und tatsächlichem Selbst. ich sehe diese Sehnsucht, heil und ganz sein zu wollen, aber es nicht zu können. ich kämpfe selber mit dieser Diskrepanz: wenn ich heil sein will, dann muss ich mich eben heil machen. mich zusammensetzen. alles an mir an seinem Platz willkommen heißen und umarmen. und ich schaue zurück und sehe, wie ich selbst diejenige war, die aus den unterschiedlichsten Beweggründen eben Teile von sich selbst weggenommen und weggestellt hatte. ich war das. vielleicht haben mich andere dazu animiert/eingeladen/aufgestachelt, aber dass ich mir nicht mehr vertraut habe, lag an mir. und dass ich es nicht bemerkt habe, lag auch an mir.

ihr Lieben da draußen…gestern Abend auf Twitter habe ich einen regelrechten Rush an Unterstützung erlebt. dieser Rush hält noch an. für mich. weil ich hier bin. weil ich rausgehe aus meinen vier Wänden und kein Schild mit einer perfekten Frau hochhalte, sondern weil ich ganz laut über meine Herausforderungen nachdenke.

diese virtuellen Beziehungen hier sind echt. niemand von uns ist mit seiner Geschichte allein, es sein denn, wir wollen es so. ein WordPress-Blog kostet nichts. Twitter kostet nichts. und beide Medien sind in der Lage, uns zueinander in Beziehung zu setzen und Heilung zu ermöglichen. beide Medien ermöglichen uns, Hilfe zu bekommen, wenn wir sie wollen. sie ermöglichen Begleitung über verschieden lange Zeiträume hinweg und nach unseren eigenen Bedürfnissen. ja, sie haben auch Kehrseiten, wenn beispielsweise das reale Leben hinein schwabbt und meint, Anspruch auf Korrektur zu haben, oder, wie bei mir, daraufhin den Kontakt abbricht. aber: nur durch Ehrlichkeit zu uns selbst kommen wir aus destruktiven Strukturen wieder raus! Ehrlichkeit, Liebe und Geduld…und bei allen drei Punkten habe ich starke Unterstützung bekommen, weil ich hier bin.

täusch Euch nicht: das Internet ist voller falscher Bilder über gefakte Realitäten! auch Angelina Jolie sieht morgens scheiße aus, wenn sie kotzen musste! auch @Regendelfin hat humorfreie Tage. fröhliche Menschen heulen sich die Seele aus dem Leib. verliebte Pärchen verletzen sich. Mütter wünschen ihre Kinder auf den Mond und Väter wünschen sich anderes als sie aussprechen.

und wisst ihr, warum das Internet voll ist mit all der Beauty? weil wir den Dreck zuhause selbst haben und den der anderen nicht sehen wollen. nicht weil andere es besser machen als wir.

ich sitze auf meinem Bett. neben mir ein gepackter Rucksack für die Kinder und mich. wir fahren für 4 Tage weg. 3 Nächte in Hamburg. nur wir drei. ehrlicher gehts nicht. und vielleicht kann ich in ein paar Monaten darüber schreiben, was hier in diesem März nicht dokumentierbar ist.

 

Danke an all diese wundervollen Menschen, die mir den Rücken stärken. auch wenn wir uns nicht gegenüberstehen: ich spüre Euch! jede und jeden einzelnen von Euch! eure Liebe kommt an!

 

Liefs,

Minusch

6 thoughts on “falsche Bilder

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