ohnmächtigness

nach meiner Wut kommt verlässlich die Traurigkeit. ein Energie-High wird häufig gefolgt von einem Energie-Tal. gestern war der Geburtstag meines Großen. er wurde 4. der Tag war gefüllt mit Schönigkeiten. ein schönes Frühstück mit Sachertorte und Schmetterlingen. wir haben zusammen Lebensmittel eingekauft, die wir gemeinsam im KiGa verkochen wollten (er hat sich von mir gewünscht, dass wir im KiGa mit den Kindern kochen an seinem Geburtstag). dann das Kochen selber. das gemeinsame Essen (und seine Erschütterung über die vielen im-Mittelpunkt-steh-Situationen aufgrund der Geburtstagsrituale). der Geburtstagskreis. das Mädchen, das uns so gern besuchen wollte. und dann eine spontane Party mit den liebsten Freundinnen und deren Kindern…

und dann abends die Tränen.

es könnte so schön sein. mein Leben könnte so schön sein. ich brauche gar nicht viel. regelmäßig Freund*innen sehen, gerne mit Kindern. täglich 15min Yoga. ein wenig Gemüse vom Markt. Kochen mit anderen. arbeiten. schreiben. zum Geburtstag einen neuen Fred Vargas Roman. Musik. tanzen. berühren. Wasser.

das kostet alles nicht viel.

ich kann es mit den Kindern vereinbaren.

vielleicht wünsche ich mir auch einen liebenden, warmherzigen Partner, der mich erträgt, wenn ich traurig bin. der mich anfasst.

ich träume von einem Haus mit mehreren Wohnungen mit anderen Familien und das am liebsten in HH. mit einem Hof hinten dran. vielleicht mit einem kleinen Studio unten drin, in dem gemalt wird und getanzt und gekocht und vertraumreist. ich träume von Menschen, die ein und ausgehen und uns besuchen. ich träume von großen Tischen mit vielen Menschen, die einfach so an einem Tag der Woche da sind. ein großer langer Holztisch muss es sein. ein abgewetzter. fest. und einmal die Woche voller Schüsseln und Platten und Krügen und Flaschen. und an anderen Tagen voller Kinderbilder, Bücher und kleinen Erinnerungspostits. „ich freue mich auf heute Abend mit dir“ „besorgst du Tulpen? “ „ich hab das Brot rausgelegt, Kuss“ „danke für diese Nacht“ „wir sind nachher auf dem Spielplatz, kommst du nach?“ „komm heil zurück, ja?“

ich träume von Matratzenlagern im Kinderzimmer. von verstohlenen Berührungen bei Sonnenschein. von Regenwettertagen mit heißem Pudding. ich träume von spontanen Ausflügen. von geheimnisvollen Entdeckungen auf Fußgängerbrücken. vom Singen gegen die S-Bahn.

ich träume davon, für Menschen einen Ort zu schaffen, an dem sie sich selbst spüren können. an dem ich so sehr ich selbst bin, dass alles weit wird und warm für andere Menschen. ich möchte bei jedem Gespräch gern sagen: Du, komm einfach vorbei. wir sind zuhause und für einen mehr ist immer Platz bei uns! wir haben auch ein Gästezimmer. mach bei uns Urlaub.

uns

ich möchte ein wir sein. ein wir mit einem Menschen, der auch ein wir sein will. nicht ein du. ein du musst noch, du hast noch nie, du könntest ja mal…

ich möchte ein wir sein. eines, das so schön ist, dass es leise funktioniert. eins, das so sehr wärmt, dass es strahlt. ein wir, das offen ist für andere ichs.

ich wünsche mir von Herzen ein solches Wohnprojekt. Mehrgenerationen, kinderfreundlich, menschlich. ich wünsche mir, dass meine Arbeit sein kann, das Herz eines solchen Hauses zu sein. kleine Konzerte am Abend. Musik. Lagerfeuer im Hof. Stricken im Winter. oder gemeinsames Kinderhosenlöchernähen. einander Kuchen backen. grandiose Pipi-Langstrumpf-Kindergeburtstage.eine Anlaufstelle für Verletzte. für Traurige. für Einsame. und für die Menschen, die Freude am teilen haben.

 

stattdessen warte ich auf meinen nächsten PT-Termin, darauf, dass meine Eltern mir endlich unseren Wohnungsschlüssel zurückschicken, auf eine Wohnung für mich und die Kinder, damit ich etwas abschließen kann, was mir nicht geglückt ist.

 

warten

ich möchte so sehr nicht mehr warten

 

Minusch


12 Gedanken zu “ohnmächtigness

  1. Ach herrje. Ich wünschte, ich könnte jetzt einfach mit Muffins klingeln und dir blödsinniges erzählen. Vielleicht kannst du es dir ja vorstellen. Meine Muffins schmecken echt gut ❤

    1. ich kann mir lebhaft vorstellen, dass deine Muffins schmecken…ich wünsch mir auch ständig, entweder bei jemandem vor de Tür zu stehen oder selbst jemanden vor der Tür stehen zu haben 🙂

      dane für den warmen Gedanken

  2. Ich kann Deine Träume so gut verstehen, ich kenne sie, genau so! Wie schön könnte das Leben sein! Es tut mir so leid, dass Dein einer Traum von einer schönen Beziehung, die auch im Alltag funktioniert und sich gegenseitig Kraft gibt, nicht funktioniert hat. Auch das kenne ich nur zu gut! Fühl Dich gedrückt! Und ich wäre dabei, in HH. Bräuchte dann nur nen neuen Job 😉

  3. Ich wäre auch dabei. Ich wohne ja sogar schon in HH 🙂 Diese Sehnsucht nach einer Großfamilie steckt in mir, seit mein Kind geboren wurde.

    Auch von mir: fühl dich gedrückt! Das ist jetzt eine sehr anstrendenge Zeit, ich habe es ähnlich erlebt. Es wurde sehr schnell sehr viel besser, das wünsche ich dir auch.

    1. puh, Danke…ich denke auch, dass der Weg zur Entscheidung wahrscheinlich das schlimmste war. die Sicherheit jetzt hilft schon. jetzt noch ne Perspektive…

      ok: also dann machst Du bitte die Ortsbegehung und nimmst uns via skype mit? ich hab nämlich schon keine Ahnung, was die Stadtteile angeht ^^

  4. Mah! Ich habe eine Weile nicht vorbei geschaut, ich muss (sollte) andere Kämpfe kämpfen, entschuldige das bitte. Ach, das ist dann entscheidendes passiert in der Zeit… ein bisschen bin ich co-traurig, vor allem aber hoffnungsvoll, dass du gute Wege für euch findest, für alle euch, auch getrennt, und Kraft und Wohlgemut. Bussi!

    1. ich muss das nicht entschuldigen…ich finde das selbstverständlich! RL vor virtuell.
      deine Hoffnung ist berechtigt. es ist schwierig ABER mein Gefühl sagt, es ist gut. :-*

  5. Du Liebe, wie schön du das schreibst, sehr berührend. Hast du dir schon mal die Wohnprojekte in Darmstadt angeschaut, ist da vielleicht was für euch dabei? Ich wollte auch mal wieder zum Heinersynidikat-Stammtisch, magst du mit?

      1. Ja, hat es 🙂 Gemeinschaftliches Wohnen in der Lincoln-Siedlung, selbst verwaltet. Wir waren schon bei ein paar Treffen, sind momentan aber nicht so aktiv dabei – nicht weil uns das Projekt nicht mehr gefällt, sondern aus Zeitgründen. Ich finde es aber immer noch sehr spannend! http://www.heinersyndikat.de/ Am kommenden Mittwoch ist der nächste Stammtisch, bei dir in der Nähe 😉 Ich wollte unbedingt mal wieder hin, da ich Donnerstag aber arbeite, bin ich nicht sicher, ob ich es schaffe (muss mich vorbereiten). Freitag ist auch ein Infoabend über alle drei Wohnprojekte in der Lincoln-Siedlung.

      2. ach! das klingt ja prima! ich habs mal in den Kalender reingeschrieben!

        Lincolnsiedlung finde ich zwar von der Lage nicht so irre, aber mir die Truppe mal anzuschauen wäre nicht doof.

        und ins Fuchs und Hase wollte ich auch mal. also: ich fänds super, wenn Du es schaffen würdest 😉

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