Liebe in den Zeiten der mummy wars

guten Morgen.

ich wollte gar nicht großartig von der #denkst nachdenken, weil ich schon lange traurig war, dass ich nicht hingehen konnte. die #denkst war eine Elternblogger-Konferenz in Nürnberg letztes Wochenende und meine halbe Twitter-Eltern-Timeline war da. ich ging nicht hin, weil ich meine Prüfung zur Entspannungspädagogin absolviert habe. ein echt guter Grund, so ein Ereignis zu verpassen. aber Wehmut bleibt.

ich hatte schon damit gerechnet, im Abstand von 3 Tweets zu lesen, wie toll es war. aber irgendwie hab ich inzwischen ein paar Blogartikel gelesen und ein paar Twitterdiskussionen durchgeguckt und ja, ein paar Teilnehmer*innen haben geschwärmt. andere sind mit Bauchweh nach Hause gefahren…da war von Druck die Rede, von dem wütenden Bewahren der Eigenständigkeit und von einer virtuellen Bevormundung.

ich glaube nicht, dass alle 130 Teilnehmer*innen traurig heim gekommen sind, aber es bewegt mich, dass überhaupt Frust aufkommen kann, wenn doch so viele tolle Menschen auf einem Haufen sind. ich habe allerdings so eine Theorie. sie hat was mit Erwartungen und auch mit Vergleichbarkeit zu tun.

mein Artikel über das #RMEB (RheinMainElternBlogger-Cafe; es fand auch gerade erst in Darmstadt statt) steht ja noch aus. er lauert in meiner Herzensecke, weil ich gern was dazu schreiben möchte, aber dafür bräuchte ich mehr Zeit. schließlich haben wir Geschenke bekommen, die hier schon im Alltag integriert wurden. ich möchte mir dafür ein wenig Mühe geben. daher sind meine Impuls-Beiträge schneller. aber: ich hab keinen einzigen kritischen Artikel zum #RMEB gefunden. nur Freude, Überraschung, Leidenschaft und Glück, dabei gewesen zu sein.

das #RMEB fand in einem viel kleineren Rahmen statt. die Vorträge waren kurz und prägnant. sie richteten sich an Blogs, die sich professionalisieren wollen und ließen Raum für Fragen. sie waren aber auch spannend für Blogs, die sich eben nicht professionalisieren wollen (so wie ich). ich hab wirklich gern zugehört. ein bißchen über SEO weiß ich ja schon. aber dass ich mir sogar eine Agentur dazu nehmen kann, war mir nicht klar. und wie „einfach“ es ist, etwas zu produzieren, hatte ich auch noch nicht überlegt. ich fand es inspirierend, lebensnah, herzlich und eine wunderbar verbrachte Zeit. leider hab ich den Part mit den Bildergrößen nicht gut verstehen können, weil meine Jungs da sehr fordernd unterwegs waren…naja.

die #denkst hat die Latte eindeutig höher gehängt. schon der Name zieht anderes Publikum. die Selbstbezeichnung als Konferenz ebenso. gleichzeitig stand da aber auch was von Eltern-Blogger. mit Eltern-Blogger verbinde ich auch eher so eine Happy-Family-Atmosphäre. und genau das hätte ich auch erwartet, wo doch so viele Leute da waren, deren Alltag ich über Twitter miterlebe. so viele Leute, von denen einige sehr viel mehr Zeit in ihr Blog investieren als ich. viele, die damit einen inneren Auftrag verbinden. aber auch Leute, die es einfach wie ein öffentliches Tagebuch benutzen und so Teil der Elternstimmen im Netz sein möchten. eine schöne Mischung. schließlich eint uns ja das Medium. aber was passiert, wenn die einen den anderen was beibringen wollen?

was passiert, wenn diese Einigkeit der Eltern-Blogger plötzlich in Frage gestellt wird, weil die einen eben Wissen und Zeit aufwenden, was den anderen fehlt? und was, wenn damit eine Bewertung in gut, besser und am besten einhergeht? was passiert, wenn von Professionalität gesprochen wird von Menschen, die professionell mit Blogs arbeiten und die Nische der Happy-private-Elternblogger keinen Raum bekommt.

ich weiß, dass ein Vortrag auf der #denkst gefehlt hat. der von Steffen Pelz aus Hamburg. er bloggt nicht professionell sondern mit innerem Auftrag und über seine Familie und über seine Perspektive und über die Gesellschaft…und er hätte auf der #denkst über Vergleichbarkeit oder eher über das Unterlassen des Vergleichens gesprochen. ein gewichtiger Punkt. und retrospektiv hat so der Waage ein Stück Balance gefehlt. hätte ich mich als speakerin gemeldet, dann hätte ich über Liebe gesprochen. Liebe zu sich, seinen Kindern und den Konsequenzen daraus. aber wir inzwischen etwas größeren private-Blogger sind eben keine Profis. oder wir haben keine Zeit. oder wir haben keine Kohle für die Anfahrt. oder wir müssen uns aus unserem Alltag heraus krankmelden (so wie Steffen).

es ist immer wichtig, zu reflektieren, woher meine Gefühle kommen und wie sie entstanden sind. die #denkst hat hohe Erwartungen geschürt, die auch an der Zusammenstellung der Vortragsthemen hingen. sie hingen auch an der Bekanntheit der Speaker*innen. sie hing sicher auch am klassischen Rahmen. und an dem verwandten Vokabular. und dem Design. eine performance beginnt mit der Einladung und sie endet nicht wenn der Vorhang fällt. vielleicht hätte es einen Nachhall gebraucht um das Gefühl, durch Professionalität entwertet worden zu sein, aufzufangen. dass es entstehen konnte, finde ich nicht weiter verwunderlich. wenn ich mich an einem Ort wiederlinde, wo sich alle einig sind, dass die toll sind, die was anderes machen als ich, dann fühle ich mich auch nicht gut. andererseits kann auch niemand was dafür, wenn ein Repräsentant der betroffenen Gruppe ausfällt. sowas ist kaum aufzufangen. und außerdem gab es ja gleichzeitige Sessions und niemand kann voraussehen, wer mit welchem Hintergrund welche Kombination anschauen kann.

und doch: die Diskussion Profi vs. Impulsblogger ist nicht neu. sie verdient mehr Aufmerksamkeit. wertschätzende Aufmerksamkeit. und vielleicht ein wenig mehr Respekt füreinander. beidseitig. vielleicht kann sowas zukünftig mehr aufgefangen werden, denn: wir werden nicht weniger Elternblogger werden sondern immer mehr. und wenn wir es nicht schaffen, den Graben mit Brücken zu überbauen, dann zerschießen wir uns ein wunderbares Medium, das eigentlich Nähe herstellen sollte und nicht die Distanz befeuern. wir kamen alle aus einem Gefühl der Isoliertheit, wenn nicht sogar Einsamkeit zum Bloggen. das, gepaart mit Neugier, Mut und dem Wunsch etwas zu ändern. lasst es uns tun: lasst uns etwas ändern.

 

liefs,

Minusch

 


5 Gedanken zu “Liebe in den Zeiten der mummy wars

  1. Lieben Dank du tolle Minusch. Mehr muss ich gar nicht zu deinen aufbauenden Worten sagen, vielleicht noch eins, ich finde ein Mommywar findet hier nicht statt es wurde lediglich aus einer These das gemacht und das ist sehr schade denn kritische Stimmen sind irgendwie nur gewollt wenn die Profis damit anfangen und das trägt das Gefühl der weniger Wertigkeit immer weiter hinfort.

  2. Ich sehe mich einfach nicht als Elternblogger. Ich lese zwar gerne auf diesen Blogs, aber ich selber möchte auch über andere Lebens-Themen schreiben. Freue mich, wenn ich darauf Resonanz bekomme. Aber professionalität strebe ich nicht an. Ich tue es auch für mich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s