letting go

bis jetzt habe ich mit meiner neuen Zusatzausbildung nicht wirklich viel gearbeitet. ich hätte einen Babysitter bezahlen müssen, um tagsüber, also in der für die Hirnaktivität relevanten Zeit, Pläne dafür entwickeln zu können (Krankenkassen-Akkreditierung, Zielgruppe, Raum, Zeitplan, Inhalte, Werbung…so „Kleinkram“ *Augenrollgeräusch*). diese Möglichkeit hatte ich nicht. also ärgerte ich mich Woche um Woche, die verstrich. außerdem machte ich immer nur sporadisch meine PME-Übungen für mich (!). und das mit dem Yoga kriege ich derzeit gar nicht auf die Kette.

ja, das liegt am Alltag. an Beziehungs-Komplikationen in allen möglichen Richtungen. es liegt an meinem Anspruch, die Nachmittage mit den Kindern zu gestalten (also…rudimentär zumindest…wenigstens Spielplatz, wenn Backen oder Basteln einfach nicht drin ist).

aber: es liegt auch an meinem aktualisierten Selbstschutzprogramm.

ich lasse nämlich aktiv Sachen sein. ich vergesse sie nicht. ich lasse sie sein. viele dieser „Sachen“ beziehen sich auf den Haushalt. gut, die Ablage lasse ich gerade auch sein. die Wäsche lass ich aber schon regelmäßig liegen und/oder hängen. meine berufliche Weiterentwicklung lasse ich sein. die zwei noch ausstehenden Kindergeburtstage stehen noch aus. Kontakte zu anderen Mamas passieren quasi eingebettet in den Alltag aber ohne Anspruch. komplizierte Gespräche werden nach Möglichkeit kanalisiert. unangenehme Verpflichtungen werden ignoriert und/oder abgesagt.

und vor allem: ich vermeide, mich dafür zu schämen, etwas nicht zu schaffen.

und es funktioniert.

also, es funktioniert nicht reibungslos. never. ich habe Konsequenzen zu tragen. sowas wie Überziehungszinsen, sinkendes Ansehen bei anderen, sogar Frust bei anderen oder schlechtere Ergebnisse bei mir, aber all das in Lebensbereichen, die ich mit der Wohnungstür ausschließen kann. also, die meisten. die komplizierten Gespräche passieren naturgemäß hauptsächlich hier zuhause. aber wer Perfektion erwartet wird ohnehin nur Gelächter ernten.

es sind gerade harte Zeiten. das Geld fließt unüppig, also eher raus, als rein. die beiden Kinder sind nachmittags knatschig, was ich nicht verhindern kann… die Entlastung ist nur einmal die Woche für einen Nachmittag möglich. und zu allem Überfluss habe ich wohl eine Laktose-Unverträglichkeit entwickelt. regelmäßig Sport ist nicht drin. einmal die Woche etwa 30min Laufen gehen. für mehr wäre ich auch zu müde.

aber: es geht mir gut.

ich kann mich nicht erinnern, zu irgendeinem Zeitpunkt bewusst, Prioritäten gesetzt zu haben, aber ich ich habe auf jeden Fall irgendwann gegenüber den Konsequenzen resigniert. und das erscheint mir so gut, dass ich es direkt weiter empfehlen möchte. ja, jedes Verhalten hat Auswirkungen auf mich und auf andere. diese Auswirkungen machen vielleicht sogar anderen das Leben schwerer, entweder, weil sie sich ärgern, oder weil sie dadurch selbst mehr Arbeit haben, aber: jeder läuft in seinen eigenen Schuhen, oder?

ich möchte damit nicht zu Ignoranz aufrufen oder irgendwelche Solidarsysteme ad absurdum führen, aber ich habe so eine Idee, als fiele es uns Mamas häufig schwer, andere zu belasten. einerseits spüren wir genau, dass der Anspruch „glückliches Kind, zart steigende Karriere, schönes Zuhause und gelingendes Sozialleben“ uns an den Rand des Wahnsinns bringt. aber trotzdem wählen wir immer wieder den „ich klär das alleine“-Weg.

ich war, ungelogen, noch nie in einer unordentlichen Wohnung. also, bezogen auf Familien. wirklich jede Wohnung genügte bisher hygienischen Mindeststandards. und wenn ich mich daran erinnere, wie es hier regelmäßig aussieht, kriege ich Beklemmungen: wie zur Hölle machen die anderen das?

die Antwort: na, mit Stress. so wie ich auch. wenn sich Besuch ankündigt, habe ich meine Handgriffe in Bezug auf Sichtreinigung und das Ganze ist in 20min erledigt. wenn ich weniger Zeit habe, fahre ich das 5min-Programm und nehme während des Besuches hier und da etwas hoch oder runter oder weg. ganz dezent. wie so ne perfekte Hausfrau.

die einzige Alternative zu Stress, die ich mir vorstellen kann, wäre eine Haushaltshilfe. und da frage ich mich, ob diese Hilfe vielleicht verschwiegen wird, weil es eben dieses „ich klär das selbst“-Dogma berührt?

wie dem auch sei: meine Reduzierung des Gefühls der Verpflichtung führte zu einem Gefühl der Fokussierung auf mich. und diese Fokussierung fühlt sich wirklich gut an. ich spüre meine Müdigkeit zwar drastisch, aber ich spüre sie eben auch so drastisch, dass ich handle. ich übe PME nur sporadisch, aber ich über es immerhin sporadisch und habe auch so immer wieder diesen zarten Kribbeleffekt der Entspannung. ich mache kaum Yoga, aber ich vermisse es immerhin. und meine Laufeinheiten zeigen eine positive Tendenz was Geschwindigkeit und Ausdauer angeht. Bei der Arbeit falle ich erst jetzt negativ auf, weil ich einen Bericht irgendwie nicht fertig bekommen habe (juhu, zwei Monate vorher „unfallfrei“) und das Entspannungstraining für Kinder wächst eben solange assoziativ und locker in meinem Kopf. ich nehme mir plötzlich Zeit für einen Salsakurs. und ich denke mit der Salsafreundin über ein Theaterprojekt für 2017 nach. und ganz nebenbei ernte ich Komplimente aus erstaunlichen Richtungen und genieße das Strahlen danach.

Christiane von Kids.Relax,  meine Lehrerin für PME und Entspannung für Kinder, hat am Anfang der Ausbildung davon gesprochen, dass eine der Grundlagen für diese Arbeit die innere Haltung dazu ist. die Bereitschaft loszulassen.

ich fühle mich glücklich, wenn ich darüber nachdenke. und lasse den Gedanken wieder los.

 

Liefs,

Minusch

 


Ein Gedanke zu “letting go

  1. Liebe Minusch,

    Deinen Gedanken, andere nicht belasten zu wollen und sich selbst damit zu schaden, kenne ich sehr gut. Daher halte ich es für eine gute Übung, das „Belasten“ anderer bewusst zu trainieren und nicht immer auf Abruf zur Verfügung zu stehen.

    Alles Gute!

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