my bonnie is…

es ist Sonntag. und es ist ruhig. und es ist nicht 5. ich bin gerade sehr dankbar für diese Fakten. Donnerstag, Freitag und Samstag sind wir drei um 5 aufgewacht. wie ein beschissenes Echo. meine Schmerzen sind heute auch besser. Druck im Gesicht ist unangenehm,  aber nicht mehr schmerzhaft. und durch die Sonne hat mein Hals auch viel Wärme abgekriegt.

außerdem werden wir heute lieben Besuch bekommen. einfach so. weil ich das entschieden habe. weil ich das entscheiden darf. weil ich Dinge tun darf, die mich glücklich machen. (naja. und weil die Besucherin das möchte ^^)

das klingt für einige eher kryptisch. andere, die meinen Twitter-Account kennen, sehen beim Lesen klar den Kontext. ihn hier beschreiben mag ich gerade nicht, weil ich nicht weiß, was das für Konsequenzen hätte. dabei möchte ich es am liebsten aus mir raus schreien. die Welt anbrüllen! wie kann sowas sein?

meine Tage sind seit Donnerstag auf eine Art fremdgetaktet, die richtig schwer ist. ich wurde in eine Entscheidung gezwungen, die fürchterlich war. die ich nur treffen konnte, weil ich bereit war, auf die vielen Menschen zu hören, die mich reinen Herzens begleiten: Frauen. sie waren sich einig. meine Kollegin, und unsere Praktikantin. sämtliche Frauen in meinem Twitterfeed. die drei Freundinnen, die es wissen. und die Mamas, die mich beim Abholen meiner Kinder gesehen haben. die Betreuerinnen meiner Kinder, denen ich alles erzählt habe.

niemand klagt mich an.

nur ich.

und er wahrscheinlich.

ich werde darüber irgendwann schreiben. ich werde den Donnerstag nicht vergessen. ich werde niemals vergessen, was um 5:12 Uhr geschah. ich werde nie vergessen, wie lange der Schockzustand anhielt und wann die Schmerzen begannen. Freitag Röntgen und ein CT deswegen. ich habe ein Schleudertrauma wie von einem Autounfall und genauso fühlt es sich auch an: wie ein Autounfall.

ich war früher Optimistin. dann Realistin. und ich stehe gerade mitten in dem Prozess zur Pessimistin. ich schaue mir dabei zu und frage mich immer wieder, warum eigentlich die Opfer leiden. ich kapiers nicht. ich kenne ja emotional ähnliches von früher. aber irgendwie fühlen sich immer diejenigen im Recht, die die Scheiße anrichten. es ist kaum zu fassen.

 

den Kindern geht es gut. wir lesen jeden Tag das Buch „klein“ von Sina Wirsén. die Jungs identifizieren sich mit Klein, und sie identifizieren mich als eine Mischung als Groß und Frau Traulich. wir haben auch der Krabbelstube so ein Buch geschenkt. das Exemplar für dem Kindergarten liegt schon vorne auf dem Regal. meine beiden sind Klein. wir Großen sind zwar nicht direkt Groß und Stark, aber es passt trotzdem. wir können mit den Bildern arbeiten.

die beiden Jungs helfen mir sehr viel. und ich helfe ihnen. wir erleben zusammen schöne Dinge, ich lasse ihnen Freiheit, helfe ihnen wenn ich kann. die Situationen, in denen ich müde bin, haben noch keine Routine, aber ein liebevolles Interesse daran, eine Lösung zu finden.

gestern Nachmittag, wir waren seit 5 wach, sind um 8 zum Aufbau des Jubiläumsfestes gegangen (die Kinder haben dort Getränke getragen, gefegt, Luftballons mit aufgepumpt und ich wäre fast geplatzt vor Stolz, weil sie das so toll gemacht haben UND es keinen Streit gab), haben dort gefeiert bis 13:00Uhr und als wir wieder daheim waren hätte ich umfallen können. wir haben eine drei???-Folge angemacht, ich lag auf dem Sofa und die zwei sind um mich rum gewuselt. sie wollten eigentlich mit mir spielen. aber ich war zu müde. mir fielen die Augen immer wieder zu. dann spielten sie Lego, holten sich Obst aus der Küche, räumten die Kissen auf dem Sofa um und sprachen mich immer wieder an. ich erklärte immer wieder, dass ich einen Moment Ruhe brauche. und sie stritten nicht. sie versuchten, ohne meine direkte Unterstützung zu klären, was zu klären war.

 

ja klar, ich musste auch mal schimpfen. aber es gab keinen einzigen Vorfall zwischen uns, der sich so anfühlte wie irgendeine dieser Herausforderungen vor Donnerstag. beide Kinder sind regelrecht ausgeglichen. sie ärgern sich, dass sie nicht genau wissen, wo er ist. aber sie verstehen, was eine Pause ist und dass es total blöd ist, wenn Groß und Stark sich streiten. sie verstehen, dass diese Ruhe zuhause wunderbar ist. und sie freuen sich mit mir auf unseren Besuch heute.

meine Wunsch für den Sommer ist also: viel Besuch haben.

einen Urlaub werden wir zu dritt nicht stemmen können (wir drei wollten eigentlich wieder nach St. Peter-Ording, aber mein Zelt ist echt zu klein für uns drei und da wegen der Terroranschläge in Europa weniger Familien fliegen wollen ist die Nordsee in den Ferien unterkunftsbezogen schon lange völlig ausgebucht. es ist wirklich katastrophal für uns drei. wenn jemand eine Idee hat, wie wir dort hinkommen könnten: bitte laut geben! wir sind wirklich SPO-Fans! wir wollen zu den Robben, ins Multimar Wattforum und jeden Tag Waffeln essen in der Strandbar…und für mich ist es der Sehnsuchtsort schlechthin. schon seit Kilians Tod.)

 

es ist 7.

die Jungs schlafen noch. sie haben die Nacht in ihren Betten durchgeschlafen. ich finde, das ist ein gutes Zeichen. keine nächtlichen Tränen. keine Alpträume. ich weiß nicht, ob sie etwas gesehen haben, aber sie wissen, was passiert ist am Donnerstag. sie sind in Sicherheit hier bei mir. das wissen sie. alles ist gut.

 

Danke an alle, die mir bis hier her geholfen haben. ich werde euch noch eine Weile brauchen. bleibt noch ein bißchen so nah, bitte. ich habe noch immer Angst, weil ich nicht einschätzen kann, was dort, in dem anderen Kopf passiert. ich habe Angst vor dem Kampf. ich hatte diese Angst immer. aber hat sie jetzt nach Donnerstag etwas lähmendes.

 

Liefs,

Minusch

14 thoughts on “my bonnie is…

  1. Ich wünsche dir alles, alles Gute für die nächste Zeit! Es wird nicht leicht, aber du hast für dich und die Kinder den richtigen Schritt getan! Ich wünsche dir viel Kraft und viele Menschen, die dich dabei begleiten und für dich da sind!

  2. Wir kennen uns nicht, aber ich wünsche, ich könnte solch guter, hilfreicher Besuch für dich sein. Ich schicke daher viel Kraft auf diesem virtuellen Wege und drücke die Daumen, dass es mit SPO doch noch klappt. Alles Liebe, Siwli

  3. Oje! Ich glaube, zwischen Deinen Zeilen lesen zu können, was Dir widerfahren ist! Gib nicht auf, kämpfe für Deine Jungs, die gerade jetzt, wo Du es brauchst, besonders umsichtig mit Dir zu sein scheinen, und für Dich und Deinen Frieden. Unbekannterweiseviele Grüsse und viel Kraft!!!!!

    1. Danke. die Selbstsorge ist wirklich ein Ding der Unmöglichkeit. aber ich suche Dinge/Menschen/Ziele, die uns dreien gut tun, damit ich darin Kraft finde.
      ich bin froh, dass wir immer alles diskutiert haben und ich sie nie gezwungen habe, irgendwo hin zu gehen. so helfen sie jetzt wirklich toll mit.

  4. Du bist kein Pessimist. Der Optimist in Dir sitzt gerade zusammengekauert in der Ecke. Und tankt auf.
    Irgendwann kann er wieder richtig fest auf beiden Beinen stehen.
    Ihr Drei seid ein Team und es wird sich alles einspielen.
    Du hast es geschafft den Schritt zu gehen und alles andere schaffst Du auch!
    Liebe Grüße
    Suse

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