overkill

ey, Leute. ich bin wirklich erschüttert, wie groß der Unterschied zwischen Wochenende mit und ohne Kinder ist. ich kann immer noch nicht fassen, wie leicht plötzlich alles war. aber von Anfang…

ich hatte ein freies Wochenende. es hat geklappt. die Jungs sind mit ihrem Vater zu dessen Eltern gefahren. ich brachte morgens noch mit wunderbarer Soulmate-Hilfe die Kinder mit Gepäck in den Kindergarten und dann war ich daheim, weil ich am Mittwoch einen Magen-Darm-Virus ausgepackt hatte, der mich wirklich auch noch zwei Tage nach akut mit Kreislaufproblemen beschäftigt hat (und auch dabei hatte ich himmlische Hilfe von zwei Frauen, die einfach die Ärmel hochgekrempelt und für mich mit entschieden haben. mögen die Sterne Euch alles erleuchten, S und M!).

Ich hatte mir dann Freitag noch Erholung verordnet aber war schon mittags so voller Euphorie, dass ich denke, meine Twitter-TL muss sich Sorgen über eventuellen Drogenkonsum gemacht haben. dabei war ich einfach nur so frei. so sehr frei. liegen, sitzen, stehen, Musik an, Musik aus…keine feste Zeit für Essen, keine Aufgaben…ich fühlte mich 10 Jahre jünger. dementsprechend habe ich dann an diesem Tag auch Verabredungen für das Wochenende getroffen und eine habe ich versemmelt und die andere hat mich letztenendes versemmelt (hüte Dich vor Deiner Sehnsucht, Mädel). aber: ich habe so viel Musik gehört, wie lange nicht mehr. ich habe gesungen. ich habe getanzt (ok, allein und im Wohnzimmer, aber Sonntag sogar mit Tanzschuhen). ich habe gelacht und nicht einen Film gesehen. und Sonntag hatte ich sogar das einmalige Vergnügen, mit Menschen zu reden, zu lachen und zu essen, mit denen ich nur über Twitter zusammenkommen konnte, weil sie einfach ein ganz anderes Leben leben als ich. und es war schön. vertraut. analog. hach…

ich war lange auf. ich hab Quatsch gemacht. mein Mittagessen am Samstag war eines von zwei ermäßigten Rosinenbrötchen und eine Marille-Lavendel-Praline von Wilhelmine und ich habe meinen Kindern ein wunderschönes Bilderbuch gekauft (nö, Geld hab ich keins. aber es ist ein Buch!!! und ich musste nix für Essen ausgeben). ich habe in der Badewanne gelegen, ich habe gelesen, ich habe Kartoffelsuppe gekocht, ich habe telefoniert, ich habe mich schön gemacht und schön gefühlt.

ich habe alles ignoriert, was mich runterzieht. und ich habe es geschafft. ich habe geschlafen wie ein (Anfänger-)Baby.

ich kann es noch.

der nächste Schritt wird sein, herauszubekommen, wie ich das zusammenkriege. meine Sorge für die Kinder und diese Genußfähigkeit. (Mensch, ich hab einfach um 13:00 beschlossen, jetzt in die Stadt zu fahren und hab mir ne Jacke und Schuhe angezogen und bin gefahren…nicht drei paar Schuhe, Jacken an und wieder aus und nochmal aufs Klo…andere Schuhe…Hose zwickt…noch was zu knabbern einpacken…nein, kein Auto mitnehmen…lass Deinen Bruder in Ruhe…ok, dann fahrt ihr mit euren Rädern…Mist, ich muss nochmal hoch die Schlösser holen…)

mir ist schmerzlich bewusst, wieviele alleinerziehende Frauen diesen Luxus, ein Wochenende für sich zu haben, schmerzlich vermissen. mich macht fertig, wie anders das Leben ohne Kinder ist und dass es so schwer ist, diese Balance herzustellen. erst recht wird mir klar, wie sehr es mich verändern muss, diesen Zustand über Jahre aushalten zu müssen. in meiner Situation ist auch noch nicht klar, wir lange ich ab und zu ein freies Wochenende haben werde. noch stehen keine Steine fest und ich warte nur darauf, dass es aus irgendeinem Grunde doch nicht geht. aber: es war wichtig zu spüren, dass ich es noch kann. genießen. das zeigt mir, dass ich erschöpft bin aber nicht kaputt. dass die schwarze Dame zwar ihre Spitzenhandschuhe schon anhat aber noch ihren Schlüssel suchen muss.

ja, ich war high von der Freiheit. ich bin auch direkt in die nächste Pfütze gesprungen, aber ich bin bereit, daraus zu lernen. nasse Füße. ist ok. ich justiere meine Filter neu und warte ab. es ist schon gut, dass ich überhaupt mal ein Wochenende wunderschön und hinreissend war. und nächstes Mal habe ich festes Date mit Dir, Jette! wir gehen tanzen! :-*

liefs,

Minusch


6 Gedanken zu “overkill

  1. Hehe, das kenne ich. Habe seit 3 Jahren Wechselmodell, habe also meist 50 Prozent der Zeit kindfrei. Aus meiner Erfahrung heraus gibt es da keine Balance, es ist immer wieder extrem. Ich habe damit lange gehadert. Jetzt ist sie vier Jahre alt, und langsam ist es auch mit Kind freier, einfach weil sie größer wird und so viel mehr geht. Und so werden auch die Wechsel immer weniger extrem… Bis dahin: genießen!!! Beides. Mit und ohne Kinder.

  2. Hallo Minusch,
    ja, Du hast es gut mit Deinen freien Wochenenden. Es ist wichtig für jedes Elternteil, freie Zeit zu haben. Im April habe ich festgestellt, dass es so wahnsinnig gut tut. Ich habe nach 6 Jahren alleinerziehend sein zum ersten Mal so richtig „frei“ gehabt. Meine Tochter war bei ihrem Vater für 5 Tage. Wenn ein Einkauf bei Aldi ohne Kind und Zeitdruck schon wie ein Wellnesswochenende erscheint, dann fühlt sich das an wie 3 Wochen Luxuskategorie in der Karibik. Ich habe diese Zeit bei einem Menschen verbracht, der mir gut tut, ohne jede Verpflichtung. Ich war wirklich mindestens 10 Jahre jünger! Gelernt habe ich, dass ich das regelmäßig für mich allein machen muss. Danach bin ich wieder viel entspannter in meiner Rolle als Mutter, Arbeitnehmerin, Haushälterin, Chauffeurin usw.
    Danke für den Beitrag, ich hab mich da echt wiedergefunden!
    Liebe Grüße
    Nathalie

    1. Hejhej…meine freien Wochenenden sind seit April auch weg. jeder Umgang ist futsch. ich mache alles alleine und vermisse ganz arg die Möglichkeit, loszulassen.
      jetzt in den Ferien geht es. darauf habe ich 6 Monate hingearbeitet. raus aus dem Papierkram. raus aus der Bedürftigkeit. raus dieser Müdigkeit.

      aber wem sag ich das.
      es sollte selbstverständlich sein, Pausen zu bekommen. ist es nicht. bleibt atmen.
      alles Gute und viele Inseln Dir!

      Minusch

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