was ist Liebe?

nach meinem letzten High-Beitrag folgte eine sauberer Absturz. ich möchte das nicht verheimlichen, denn es scheint Teil dessen zu sein, was abläuft, wenn sich das Leben so auf links stülpt. und egal wie tapfer ich mich dem Wind entgegenstelle: irgendwann wird es höllisch kalt.

beispielsweise, wenn Deine Gefühle sich verzerren. wenn sich plötzlich jede Nähe anfühlt wie Liebe. ja, das ist schon so. ich bewerte auch Freundschaft als Liebe. und Liebe als Freundschaft. ich wurde gefragt, ob ich die Liebe zu meinen Kindern so einstufe wie die zu einem Partner, und ich antwortete darauf: ja. denn Sexualität ist meiner Ansicht nach nicht an Liebe gebunden sondern an Attraction. meine Kinder sind für mich nicht attraktiv. aber Menschen, die ich nicht kenne, können attraktiv sein. also ist für mich schlüssig, dass Liebe meine Übersetzung für Anziehung ist und kein Indikator für Sexualität.

was ist also das, was mir fehlt, wenn ich abstürze?

ich bin mir nicht sicher.

ich dachte schon, dass es eine Rundrum-Regression sein könnte, in der sich alles vermischt, was mich mit damals verbindet. das Schöne (Musik, Freiheit, Tanzen) mit dem Traurigen (Einsamkeit- und Wertlosigkeitsgefühl, Verlust der Zukunftsperspektive, Ernährung wie eine 12jährige). und vielleicht gefällt mir der Gedanke sogar. gut, es könnte etwas weniger heftig sein, aber: ich weiß seit ich 16 war, dass extreme positive Gefühle eben auch extreme negative Gefühle bedingen. wenn ich 4 Wochen lang auf Wolke 7 schwebe und mein Schwarm dann leise den Kopf schüttelt, dann ist der Absturz eben tiefer, als wenn es die Wochen vorher eh schon irgendwie öde waren.

gleichzeitig erlebe ich die Gleichzeitigkeit zweier Glaubensparadigmen. aus dem einen will ich raus und in das andere rein, aber es ist nicht direkt leicht, den Übergang auszuhalten.

ich bin selbstverständlich in die Idee der monogam-heterosexuell-orientierten Familie reingewachsen. meine Eltern sind noch immer ein Paar. zwei Kinder. drei von 4 Akademiker*innen. Mutter Hausfrau.

im Laufe von Leben, Studium, Arbeit, Literatur habe ich meine Perspektive schon ein paar mal aktualisiert. das Ergebnis war dennoch für die letzten 5 Jahre eine Kopie dessen, was ich bereits dachte, überholt zu haben. trotz Gegenwehr. trotz vorherigen Gesprächen. trotz Widerspenstigkeit. mit der Trennung atmete ich meine wilde Luft wieder tiefer ein und fragte mich: häh? war das Dein Ernst? aber in der Reflexion erkenne ich die Stellen, an denen es gehakt hat, wo ich eingeknickt bin und warum ich nicht bei mir bleiben konnte. es ist logisch. und ich werde es wohl auch mal genauer aufschreiben wollen.

das Paradigma, das ich aber eigentlich zu Grunde legen möchte, ist eines, das eben Raum für die oben definierte Liebe hat und nicht eingeschränkt wird durch Konventionen. ein Paradigma, das Sex nicht als etwas bewertet, auf das irgendwer exklusiven Anspruch hat und das Raum lässt für Eigentümlichkeiten. also ich träume nicht von der Gruppen-Sex-Kommune der 70er. aber: ich halte es für denkbar, all diese Konventionen aufzulösen zu Gunsten einer freiwilligen Nähe und Vertrautheit. in meinem Fall würde das sogar Geschlechtergrenzen ignorieren.

wenn ich innerhalb dieser Gedanken dann damit konfrontiert werde, dass mein Exmann seiner neuen Freundin „ich liebe Dich“ sagt und beide schon konkreter in ihrer monogamen Romantik unterwegs sind, dann berührt das etwas in mir, was empfindlich ist für Zurückweisung. der Teil, der schon als Kind gelitten hat, wenn er nicht gut genug war für die Eltern. der Teil, der mich nach Streitereien hat heulend zu ihm rennen lassen. der Teil, der nicht erträgt, ausgeschlossen zu sein. und dieser Teil scheint wirklich groß zu sein. ich beobachte noch. ich nehme ihn ernst. dieser Anteil ist meine affektive Fernsteuerung.

und was ist jetzt Liebe? Lachen. Reden. Freiheit. Floskeln über Floskeln. Wärme und Kälte. Romantik auf der Parkbank wie in der Küche. eine Gleichzeitigkeit von Jas auf verschiedenen Ebenen. das Wissen um das uneingeschränkt Gute im anderen…wie trenne ich das von meiner Sicht auf andere Menschen, denen ich ebenfalls uneingeschränkt Gutes unterstelle. mein Job ist schließlich, zu verstehen, warum gehandelt wird.

ich glaube wirklich, dass es keine Abgrenzung mehr gibt, wenn dieser Gedankenlauf einmal angestoßen wurde. und das ist es, wenn ich schreibe, dass Liebe nach wie vor radikal ist. Menschen vertrauen, entgegen der eigenen Erfahrung. die Angst zwar sehen aber nicht führen lassen. immer wieder alles runterbrechen auf das, was was am Grunde liegt: der Wunsch geliebt zu werden.

Liefs,

Minusch

 

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