ferien/liebe

ach diese Zeiten
so voll von so vielem
so vieles

mit jeder Woche sinkt die Erkenntnis tiefer: ich bin frei
(flankiert von: naja, bei gemeinsamem Aufenthaltsbestimmungsrecht ja nicht nicht ganz, ne?)
aber doch: frei

diese Freiheit blättert langsam auf
Blatt für Blatt
sie sinkt tiefer von der Stirn hinter der Nase den Hals hinunter

wir dürfen aufbleiben, solange wir wollen oder können und wir können jederzeit die Pläne ändern. wir können Post verschicken oder nicht und wir können rumlungern und nicht putzen und…und wir können uns einfach Schönes vornehmen. gut, die Kinder leben noch mehr durch die Tage gleitend als ich, aber ich kann uns Schönes vornehmen. oder mir. und je schöner dieses Schöne ist, desto besser geht es mir, desto entspannter sind meine Kinder. angelic circle?

ich habe heute früh gesaugt. ich hätte das gern schon vorgestern gemacht, aber da war es zu heiß. so gelang es heute vormittag. ich mache gerade Termine aus, für alles mögliche, was ich zu klären habe, weil ich weiß, dass ich in diesen 3 Wochen Zeit dafür habe.

ich habe mit der Hilfe so vieler wunderbarer Menschen meine Kaution auf ein Sparbuch eingezahlt und dem Vermieter übergeben. seit dem fühlt sich diese Wohnung anders an. die Wände sind stärker. die Tür wirkt fester. dieses mit uns wachsende und sich verändernde Zuhause hat an Substanz noch gewonnen. niemand kann uns das wegnehmen.

und ich habe von meinem Ersparten und Erflohmarkteten ein Zelt gekauft. ein Zelt, das Nordseewind und Nordseeregen abhalten kann und das dennoch groß genug ist, um darin gut sitzen und spielen und kuscheln und malen zu können. es ist drachengrün. und wir sind ganz glücklich, dass das für zwei Wochen unser Haus sein wird, wenn wir hier ausbrechen. ein grünes Haus unter dem weiten blauen Himmel der Küste.

manchmal werde ich übermütig und denke „ach, was!“ und dann passiert sowas wie gestern, dass ich mich hier in einem Café zum Frühstücken mit wundervollen Frauen treffe, die ihre Kinder mitbringen und ich finde eine wunderbarer als die nächste und ich vergesse die Zeit und das Geld und jede Sorge einfach in dem Lachen der anderen und meinem Gefühl von Liebe zu dieser seltsamen Welt.

die Welt ist seltsam.
Menschen, die mich seit Jahren hier im Web begleiten sind mir Freundinnen geworden. Menschen, mit denen der Kontakt schon abgebrochen war, melden sich wieder. vorsichtig. mit unbestimmten Gedanken. ein schönes Gefühl. ein Gefühl, als hätte ich meine Veranda und könnte von dort aus warten, wer auf der Straße vorbei kommt und denen, die ich mag Eistee anbieten.

eine frühere Schulfreundin war die Notärztin bei einem Sportunfall an der Grundschule, an der ich arbeite. wir gehen morgen Kaffee-trinken.

der Weg entsteht beim Gehen

ich bin so froh, dass so viele neben mir hergehen. es ist so schön, mit Euch zu plaudern. es ist so wunderbar, dass Ihr Euch auch traut, mit mir zu reden, OBWOHL das hier ja nur dieses unverbindliche und völlig emotionslose Internet ist. ^^

letzte Woche Montag hatten wir so fröhlichen Besuch von einer Twitter-Mama mit Kind. einfach für 2 Stunden. ganz leicht als wären wir Bekannte von früher.
am Mittwoch waren wir mit unserer Freundfamilie auf dem Konzert der „Unter meinem Bett2“-Tour. es war herrlich.
Sonntag das Brunch mit Freundinnen (!) von Twitter (und wieder der Wunsch, wir mögen doch einfach alle Nachbarinnen sein).
Morgen Kaffee mit der Schulfreundin.
Mittwoch noch ein Date mit der Mama und ihren Kindern, die für das Nachbarschaftsgefühl erst in die EU einreisen musste (obwohl sich gerade diese irrwitzige Entfernung noch nie so fern angefühlt hat).

und nächste Woche beginnt das Packen für 2 Wochen Freiheit mit wenig Ballast an meinem Seelenort und mit der Option auf Verabredungen irgendwo in Schleswig-Holstein mit weiteren Seelennachbarinnen aus ganz Deutschland.

das Zuhause hält ganz still. ganz ruhig. die Wäsche trocknet auf dem Balkon. die Spülmaschine ist fertig mit waschen. ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. aber das wusste ich letzten Dezember auch nicht. und wenn ich jetzt zurückschaue, war die Zukunft eine so schöne Überraschung, dass mich der Mut nicht verlassen soll. wenn wir zu dritt ein halbes Jahr voller Ängste in ein neues Gefühl für Familie verwandeln konnten, dann können wir die nächsten Jahre alles heilen, was geheilt werden kann. und dann sind wir durch. in Liebe. in Hoffnung. in Freundschaft.

ich umarme Euch alle in Liebe.
ganz warm.

und ich freue mich darauf, Euch eines Tages persönlich zu treffen und Eure Geschichten zu hören. auf meiner Veranda oder Eurer Veranda. mit Eistee, Bier oder Riesling. dies ist unser Leben. kein Buch. kein Blockbuster. ein Leben. meines und Eures. und diese schönen Muster, die wir für andere Zeiten im Herzen bewahren können, entstehen aus den Momenten, in denen wir beschließen, uns einander zu öffnen. in Freude wie in Leid.

Liefs,
Minusch


11 Gedanken zu “ferien/liebe

  1. Wunderschön geschrieben !
    Unsere Tür ist immer offen, auch wenn uns Kilometer trennen. Dieses Internet macht tolle Sachen und bringt Menschen zusammen.

    Ach ja mein Angebot steht immer noch,
    wenn du mal wieder Hilfe benötigen solltest, bitte melden.

    Viele Grüße Sylvia

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