learned to talk

wie quälend sind all die Vergangenheiten um uns
und wie sehr stehen sie im Weg
und wie leicht ist es, den anderen ihre Erinnerungen zu schmälern, um mehr Raum für die eigenen zu ertrotzen

wie schwer ist es, zu vertrauen
und es stellt sich die Frage nach dem Inhalt dieser Gedanken und nach dem Nutzen

hat jemals auf dieser Welt ein Mensch mit abgeschlossener Pubertät einem anderen vertraut? ist das möglich?

ich lese darüber. Vertrauen als Grundlage, als Postulat, als Weg…aber vertraut wirklich auch jedeR, die/der davon schreibt?

mit dem Alter steigt unweigerlich Wissen. nur: was tun wir damit?

wieviele Menschen hier wie dort steigen ein in diesen Zug in Richtung Rente und füllen ihre Gepäckwagen mit Koffern und Taschen und Kleinigkeiten für die Zwischenräume und haben so schnell vergessen, was noch in den unteren Koffern liegt. wir bejubeln den Minimalismus und trennen uns unter Schmerzen von Liebgewonnenem für die Leichtigkeit aber diese Koffer in dem Zug bleiben.

ich habe mich schon oft gefragt, ob es nicht besser wäre, die Akzeptanz des Chaos zu üben anstatt die Ordnung zu fordern? und gleichzeitig spüre ich selbst die Leichtigkeit, wenn ich etwas beendet habe. die Erleichterung.

was liegt in unseren Koffern? was liegt in meinen? und wenn ich in Deinem Koffer liege, mit welchem Gesicht liege ich darin?

ist das eine Form der Unersättlichkeit? kann der Wunsch nach Liebe sättigend beantwortet werden? ist das, was wir so selbstverständlich nachsprechen überhaupt möglich? gibt es diese Menschen, die so frei lieben, dass sie unverletzbar werden? wie wahrscheinlich ist ein gemeinsames Wachstum über die Zeitalter ohne die Bildung einer Symbiose, die wiederum andere ausschließt?

ist unsere Wirklichkeit wahr?

wir spüren den Rassismus nicht selbst, aber mit einem Schritt zur Seite verfärben sich die Bilder und eine Ahnung entsteht. wir fühlen uns im Recht und mit einem Schritt zur Seite schwindet unsere Sicherheit. wir sehen die Möglichkeiten für Frauen, aber mit der nächsten eingestellten Ermittlung stellt sich wieder die Frage nach der Zuversicht

niemand zwingt uns zu diesen Schritten. wir werden dazu aufgefordert, aber es liegt an uns, die Dringlichkeit dieser Aufforderung zu bewerten. und dazwischen die eigenen Gefühle, offene Koffer volle Reue und Wut. das, woran wir arbeiten, kann uns bis zum Tod damit beschäftigen, nicht einzutreten.

worum geht es also?

Erkenntnis ist so wertvoll. und isoliert ist sie so unnütz. aber auf wen sollen wir hören? es gibt so viele wirre Geister da draußen. wer sind die Meisterinnen und Meister unserer Zeit? die, auf die wir hören sollten? und welche Fehler gestehen wir ihnen zu, ohne an ihrer Oberfläche zu zweifeln?

all das sind Rotwein-Fragen. Fragen für offene Fenster. Fragen für stille Momente. Fragen, die ich mittags in einen Computer tippe, um sie gestellt zu haben, wohl wissend, das niemand sie beantworten kann.
vielleicht gibt es irgendwann eine Annäherung. vielleicht ist mein Kopf schon weiter im Herbst als das Wetter. vielleicht stelle ich Dir diese Fragen mal. in einer Samstagnacht. die Kinder schlafen schon lange. die Musik ist leise. und wir sitzen auf dem Sofa in einem zarten Luftzug und sagen nichts. wir stellen Fragen und sehen uns nicht an. solange wir wollen.

liefs,
Minusch

2 thoughts on “learned to talk

  1. vertrauen
    dir selbst
    dem, was du geerbt hast
    dem, was du dir angeeignet hast
    dem, was du fuehlst
    und kannst
    und weisst.
    einfach:
    wenn du dir vertraust,
    kannst du vertrauen
    schenken.

    ich lese seit wochen dein twittern, deine blogs: klug, klar, fordernd. und lese, was du alles tust. es ist spannend (was passiert als naechstes…), es hat anrengende gedanken, immer wieder. fuer mich drin. ein stueck weit erkenne ich mich selbst in deinem ringen mit dir, mit ander. ich lese es auch, weil dein leben ganz anders ist als meines, du bist juenger, lebst mit kindern… ich habe irgendwann, ueber jahre, muehsam – mit einer guten therapeutin – gelernt, mir zu vertrauen. weder bin ich so vollkommen, wie ich es wuenschte noch bin ich wirklich zuverlaessig – ich bin einfach gut, so wie ich bin. in ordnung. und seither gibt es ein paar leute, freunde, denen ich vertraue, die mir vertrauen. nicht vollkommen, nie ganz sicher… aber gut, gut genug fuer ein gutes leben. im moment.
    ich weiss, das ist alles ist bloss warme luft. was ich sagen will: das leben kann gut sein. (es besteht allerdings die gefahr. dass die texte schlechter werden, ich schreibe kaum noch…) und du verdienst es – hast alles recht der welt – gut zu leben. einfach…

    1. Blanca, ich verstehe, wovon Du schreibst. als ich gestern dieses Blog aufgeräumt habe, habe ich 12 Monate zurück die Texte gesichtet. ich war so überrascht, wie positiv ich vor einem Jahr klang und wie ich jetzt klinge. ich bin froh, das so sehen zu können. spüren zu können. ordnen zu können.

      das Ding ist: nichts ist statisch. auch nicht das Selbstvertrauen. es ist eine Entscheidung, die in gewissen Abständen neu getroffen wird. zumindest in mir. ich wachse und lerne und mache Fehler und lerne aus Fehlern.

      spannend ist es sicher. zu spannend für meinen Organismus. ich bin nicht hoffnunglos. aber meine Erschütterung über das Ausmaß gewisser Themen und über die Konsequenzen bestimmten Verhaltens, macht mich wütend. ich glaube nicht an Gerechtigkeit. aber an Ungerechtigkeit habe ich bisher auch nicht geglaubt. bisher.

      diese Fragen brauchen alle keine Antworten. sie sind wie Turnübungen. Philosophie ist die Kunst Fragen zu stellen. meine Fragen berühren sicher noch nicht den Kern, aber ich nähere mich etwas. etwas in mir vielleicht.

      Danke für Deine Worte und das Dich darin finden. die Welt ist übersichtlicher, wenn es Parallelen gibt.

      liefs,
      Minusch

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