stop comparing

liebe, liebe Mamas aus meiner Twitter-Timeline.

dieser Blogpost entsteht, weil ihr einfach nicht aufhören könnt, Euch und die anderen abzugleichen, einzuordnen und zu bewerten. ich weiß, dass dieses Verhalten ein wunderbares Instrument ist, um eine Gruppe zusammenzuhalten. es entsteht ein wir. es entsteht ein sie (oder die). und schwups haben wir ein 24/7-Kaffeekränzchen. die Schubladen werden liebevoll beschriftet, manchmal sind es auch ausgewählte Schuhkartons und oder Körbchen mit Schleife. naja, das Ergebnis ist eine wärmende Gemeinsamkeit. zärtliche Sorge füreinander. Abwehr des anderen…

ein anderes Ergebnis ist die Grenzüberschreitung. die zu „den anderen“. eine Gruppe wird nur so groß, wie die Gruppe es will. oder wie sie es verkraftet. online greifen da natürlich noch andere Gesetze, weil ja nie alle gleichzeitig da sind. so passen viel mehr rein. aber wer aufmerksam mitliest, weiß schon, wer wohin zugeordnet wird. naja, auf jeden Fall gibt es nach und nach schärfere Grenzen… das passiert einfach.

grundsätzlich ist es gar nicht schlecht, wenn Menschen sich in Gruppen sortieren. so bleibt es übersichtlicher und die Diskurse verlaufen ohne nennenswerten Schaden für die einzelnen und vielleicht sogar richtig produktiv. es sei denn, die einzelnen haben in dem einen Punkt eine andere Meinung als die Gruppe…

…oder sie wollten vielleicht gar nicht in die Gruppe rein? oder aus einer anderen raus?

es gibt die Familien-Twitterer*innen. ein diffuser Haufen Menschen, die ihre Rolle als Eltern (unter anderem) thematisieren. diese Gruppe ist riesig. innerhalb dieser Gruppe gibt es die hardboiled-Eltern, die Realist*innen, die Anthroposoph*innen, die APler*innen, die Intellektuellen, die Großfamilieneltern und die Alleinerziehenden.

seht ihr den Fehler?

die letzte Gruppe ist nicht freiwillig eine Gruppe. Aes sortieren sich eigentlich zu den anderen dazu. und dort nehmen sie teil an den Diskussionen und gehören dazu. bis sie ihren Status ins Gespräch bringen. manchmal wurde es als Totschlagargument bezeichnet, manchmal als Joker. so oder so: Alleinerziehende „genießen“ den Status, immer am ärmsten, am einsamsten, am erschöpftesten zu sein…was ja ziemlich frustrierend sein muss, weil das ja allen anderen unmöglich macht, selber den Superlativ abzuräumen. da sollten sie doch besser ne eigene Gruppe sein, die Spielverderber*innen.

seht ihr den Fehler?

ich seh sogar mehrere.

1) Erschöpfung ist kein Wettkampf. Armut auch nicht. Einsamkeit auch Fehlanzeige. jeder Mensch hat da seine eigene Schmerzgrenze ab der diese Themen spruchreif werden und sich in den Vordergrund drängen. das ist völlig klar. klar, wenn das soziale Netzwerk stimmt, das Gehalt ordentlich ist, das zweite Elter Unterhalt zahlt und die sonstigen Sorgen klein sind, dann geht es einem Ae besser als einer Partnerschaft, die das eben alles nicht hat! das ist total logisch. aber ich tippe: diejenigen, denen es richtig gut geht, halten sich bei diesen Themen ohnehin zurück. ist zumindest mein Eindruck. also können wir festhalten: wer leidet, der/die leidet. unabhängig vom Status.

2) zu all den Defiziten, die Aes bewältigen, kommt hinzu, dass, gerade in dem Rahmen einer Gruppe, immer wieder vor Augen geführt wird, dass es da ein Versagen gab. Aes wissen, was sie verloren haben. nein, es ist nicht schön, den eigenen Status wie einen Zauberspruch rauszuziehen und damit eine Diskussion zu beenden. aber es ist nachvollziehbar, dass die Konfrontation mit dem Glück der anderen nicht immer so einfach ist (na? wer meidet Facebook, weil er/sie nicht wissen will, wo die Arbeitskollegin mal wieder in Urlaub war? wieviele Parties die Cousine so rockt? welchen Traumjob der Ex sich geangelt hat?). es gibt Tage, da könnte zumindest ich meine halbe TL muten, weil sich irgendwie wieder überall so eine Romantik breitmacht, bei der ich nur zugucken kann. wenn dann ein Thema quer kommt, dann reagiere ich weniger sensibel auf die Kombatand*innen. ist einfach so.
wir sind alle Menschen. jede*r von uns geht einen ureigenen Weg und wir stehen alle an unterschiedlichen Meilensteinen. vielleicht gestehen wir das einander zu? ohne label? einfach, weil niemand in des anderen Fußstapfen tritt?

3.) kein Mensch WILL in die Ae-Gruppe rein. wir sind ein total willkürlicher Haufen. Eltern-werden läuft noch einigermaßen selbstbestimmt. Ae-werden eher nicht so ganz. ich selbst sehe mich eher als Mama oder (naja) Single-Mom. aber ich gehör jetzt dazu. alle meine Bemerkungen werden unter dieser Prämisse gelesen, inklusive der üblichen Verzerrungen. das hab ich mir nicht ausgesucht. das ist eben so. aber richtig schön ist auch das nicht.

4.) wir alle haben einen Grund, auf twitter Dampf abzulassen. dieser Grund ist Teil unserer Geschichte und sollte nicht mit unserer Persönlichkeitsstruktur verwechselt werden. finde ich.
und wir alle nutzen twitter unterschiedlich. auch das ist absolut richtig so. finde ich. da jemandem einen Strick draus zu drehen…naja, das ist schon irgendwie ein bißchen doof, oder nicht?

ich könnte mich noch zu ein paar Meta-Ebenen versteigen, aber hier läuft Yakari, damit die Jungs in Ruhe Nüsse knacken können und wenn ich noch einmal „müder Krieger“ höre, trete ich den Wohnzimmerhockertisch um.

was ich sagen will: diesen Wettkampf, den einige sehen, den gibts gar nicht. und es wäre tatsächlich hilfreicher, einfach anzunehmen, dass wir alle Menschen sind und beschissene Tage haben aber eben auch Erfahrungswerte, die beachtlich sind. Anerkennung dafür, dass diese Einsamkeit als Mama allein mit zwei Kindern eine andere ist, als die der Mama mit unkooperativem Partner und zwei Kindern, ist gar nicht so ausschlaggebend. aber diese Zeigefinger, Relativierungen etc., die tun weh.
ich bemühe mich, mit meinen Aussagen, solange ich es nicht besser weiß, bei mir zu bleiben. und wenn es einer Mama mit Partner scheiße geht, dann geht es ihr eben scheiße, unabhängig davon, dass es mir vielleicht scheißer geht. ich kann mir ja meine Portion Liebe selber abholen, auch wenn 5sec vor mir jemand nach emergency-hugs gerufen hat.

bei Schmerzen endet die Verallgemeinerung. bei Einsamkeit auch. und nur, weil es immer jemanden geben wird, dem/der es beschissener geht, als mir, heißt das nicht, dass ich nicht doch was vor Wut an die Wand schmeißen darf, weil ich mich vom Leben verarscht fühle.

Liefs,
Minusch

4 thoughts on “stop comparing

  1. Momentan erlebe ich es aber leider so.
    Ich sage: „Ich bin erschöpft, mein Mann ist die ganze Woche nicht da, die Kinder sind krank und mir geht es nicht gut“.
    Es dauert keine zwei Minuten, so erhalte ich den Kommnetar: „Und jetzt stell Dir mal vor, Du seist alleinerziehend. dann hättest Du das immer so. Scheiße oder?“

    Was soll man denn dann dazu sagen? Ja, Alleinerziehende führen (oft) ein leben, das man niemandem wünscht. Aber darf es mir als nicht alleinerziehend nciht schlecht gehen? darf ich keine Geldsorgen haben etc.?
    Das ist in etwa so, als wenn jemand mit Krebs zu einem anderen mit Beinamputation sagt: mir geht es aber schlechter.
    Es trägt null zur Kommunikation bei und schon gar nicht zu mehr Rücksichtname.

    Ach Mist, vergiß es. All das schriebst Du ja.
    Bin müde. Und Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht.
    Danke und Grüße

  2. Bevor ich in einer desolaten Beziehung verharren muss bin ich lieber eine Alleinerziehende! Es ist alles so relativ und man muss doch immer die Einzelsituation betrachten und kann gar nicht alles über einen Kamm scheren. Ich habe selbst diverse Lebensmodelle gelebt. In den zwanziger Jahren verheiratet… Dann war ich mit meinen zwei Jungs zehn Jahre alleinerziehende Mutter und jetzt wieder verheiratet und habe noch eine Tochter bekommen. Ich war auch glücklich alleinerziehend und manchmal unglücklich… Eine Ehe ist ja auch kein Garant fürs Glück und Arbeit die Beziehung am Laufen zu halten… Es gibt im Leben doch immer Phasen und jede ist anders! Mein Job war mir auch immer wichtig und ich war froh uns gerade so ernähren zu können und ich war mächtig, ja sogar sehr stolz darauf das ich es auch alleine schaffe! Das hat mir sehr viel Selbstbewusstsein geben und meine Jungs waren in meinem Fokus zusammen mit der Arbeit einfach das Wichtigste und ich war total ausgefüllt von meinem Alltag. Diesen gesellschaftlichen Abseitsschuh habe ich mir überhaupt nicht angezogen… Das war vielleicht das Beste!

    1. für alles gibt es seine Zeit und jede Haltung hat ihren Grund. sicher ist es sinnvoll, für sich selbst den besten Weg zu finden. aber auch dafür braucht jeder Mensch die eigene Geschwindigkeit UND das Gefühl von Selbstwirksamkeit. dieses Gefühl, das eigene Schicksal selbst gestalten zu können, das wird schon aufgrund der möglichen Rechtsprechung vielen genommen. immer wieder mit einem emotional marodierenden Vater konfrontiert zu sein hinterlässt Spuren.

      sicher ist es toll, dass Du stolz sein kannst. und das war für Dich vielleicht wirklich das Beste.
      aber daraus ist leider keine Verallgemeinerung ableitbar.

      Danke fürs Schreiben.

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