fehlern

da ich gerade aktiv vermeide, über die Steuererklärung nachzudenken und weil ich die Antragsformulare nicht vor Freitag anrühren möchte, weil ich die aktuelle Star Trek Folge schon Montag gesehen habe und die zweite Staffel Master of None eben beim Winter-Klamotten-sortieren fertig geguckt habe (ich möchte übrigens Arnold ins Bett kriegen und Dev als besten Freund haben), weil ich heute nicht noch ein Kapitel tippen möchte aber auch vermeiden will, irgendwas im Haushalt zu tun, was über Popcorn-Tüte-aufreissen hinausgeht, denke ich hier nach.

ein Thema, das mich richtig verfolgt, ist das Scheitern oder Fehler machen. wir alle handeln so, dass es sich für uns möglichst nicht wie ein Fehler anfühlt. aber manchmal haben wir retrospektiv eben doch gefehlert. und ich meine jetzt nicht diese „oh no, ich bin drauf reingefallen“-Fehler, sondern diese Situationen, in denen sich tief drinnen aus Panik etwas überholt hat. sowas verursacht meistens Leid. absurderweise auf beiden Seiten gleichzeitig.

die aktuelle Herangehensweise an verursachtes Leid ist Vermeidung. also sämtliche Kanäle werden sehr schnell gekappt, damit das Leid sich nicht vergrößert. erwachsene Menschen haben damit gar nicht so unrecht, weil die meisten von uns schon eine ganze Latte an Erfahrungen haben, die belegen: wer einmal komplett daneben haut, haut auch ein weiteres Mal daneben.

wenn das beide voneinander annehmen, dann endet das ganze sozusagen pari. es ist ok. niemand muss daraus etwas lernen. keinem entsteht ein Nachteil.

was allerdings entsteht, ist eine Art Echo.

ein Echo des eigenen Verhaltens.

nicht, dass ich wüsste, worum es wirklich geht oder wohin das tatsächlich führt. aber ich denke darüber nach, wie mich das beeinflusst. und wenn es mich beeinflusst, dann auch andere, nicht wahr? dabei kann es eigentlich gar nicht so schlimm sein, einen Menschen zu treffen, der einmal daneben liegt. wenn da nicht diese sagenhafte Kettenreaktion wäre. also doch besser Schotten dicht und schweigen, bis die Erinnerungen die 3. Dimension verlassen haben.

es ist schon scharf: in Filmen und Serien dominieren mehr und mehr unperfekte Charaktere. edgy. eigenwillig. rebellisch. oder überangepasst und offensichtlich daran zerbrechend. die Figuren der Thriller sind ebenso übertrieben: entweder hardboiled oder perfekt oder weiblich…und dadurch auch irgendwie gleich hardboiled, vor allem, wenn sie nicht verheiratet sind. oder nicht mehr.
das, was vor 10 Jahren noch sexy war, ist es nur noch, wenn Du einen lifestyle hast, der sich in zeitloser Handarbeit erschöpft, womit Du ja heute auch schon wieder in die Nähe rechter Vereinsmeierei gerätst.

es ist kompliziert.

dabei ist das dahinter total einfach: Sehnsucht.

etwas von Bedeutung finden. jemanden von Bedeutung finden. ein nicht leeres Leben leben. die Balance zwischen ich und wir finden.

das verführt dazu, sich in den Details zu verlieren. in den Details des anderen. Augenfarbe ist noch variabel, aber die Interessen müssen schon stimmen. die Auffassung von Schönheit ist die erste Hürde, dicht gefolgt von der Vorstellung von Freizeitgestaltung. ja, jeder darf oder soll etwas eigenes behalten, das wäre schon wünschenswert, denn zu ähnlich ist ja langweilig. Erinnerungen an andere Beziehungen sollen bitte bewältigt sein, damit genügen Platz ist für das neue Leben. und dann der Sex: also jemand, der/die zu viele gevögelt hat, wäre blöd und bei der Masturbation zuschauen wollen auch nur die Freaks, aber die Erfahrung soll reichen, um spannend zu bleiben. also länger spannend.

so, wie Bewerbungsgespräche indiskrete Details herauswühlen, bewerben wir uns für Beziehungen beieinander. und der Mensch verliert, der zuerst den anderen mag.

und wieder ein Echo mehr. ein Vertrauensbruch. eine Traurigkeit, die sich kaum noch einer leisten kann aus Angst, es könnte doch eine Depression sein. puh.

wenn ich zurücktrete, dann fühle ich mich ganz gut. so als Beobachterin (und wieder ein Klinkerstein mehr in der Eremitage). mein Glück ist, dass ich jetzt in der Mutterrolle weiterträumen kann. das ist nicht jedem geschenkt. und es verändert vieles. das Loslassen wird einfacher, wenn ich in Relation setze, was ich habe und was das wert ist. und gleichzeitig steigt der Wert, dessen, was ich habe, mit dem zweiten Blick. mit dem gesehen werden in diesem Schönen.

was ist also der richtige Weg? ich nehme an, es bleibt nur der durch die Minen an Fehlern, quer durch die Trümmer der Erinnerungen in der stillen Hoffnung, dass hinter dem Feld eine Ruhe auftaucht, die noch lebendig genug ist, um Freude zu machen. klingt das irgendwie romantisch? ich hoffe nicht. romantisch wäre eine Schlacht Seite an Seite um 20 Jahre danach einander anzusehen und an den Narben zu erkennen, dass alles wirklich war.

einfacher wäre, wir könnten das Echo abschalten. einfacher wäre, wir könnten den Ansprüchen genügen und immer frei sein für andere. nur wer sind wir, wenn wir das alles loswerden können? was bleibt? und wie begegnen wir der Zukunft?

einfacher wäre vielleicht (!), um zumindest den Pingback der sich selbst überholenden Gefühle zu vermeiden, zu atmen anstatt zu sprechen. stehen zu bleiben, anstatt zu gehen. sich hinzusetzen, anstatt aufzustehen. den Blickkontakt herzustellen, anstatt ihn zu vermeiden. aus dem I/0 auszusteigen und einmal kurz die Hände zu reichen. nicht um zu verwischen, was war. sondern um zu spüren, was (noch) ist.

dieser Blogbeitrag hat keinen Sinn. das weiß ich. aber ich habe nicht an der Steuererklärung gearbeitet und Ray hat gerade die Macht in sich entdeckt. ich habe Hunger. in zwei Stunden werden die Kinder und ich Passbilder machen und warten, dass das Training losgeht. es gibt blödere Arten, Zeit zu verbringen, oder? und besser, das was ich schreibe ist sinnlos, als ungedacht. und wer weiß: vielleicht denkt ja jemand an anderer Stelle weiter an all dem.

Liefs,
Minusch

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