auskotzen

dieser Blogbeitrag wird ein Blogbeitrag zum Thema „auskotzen“. oder Magen-Darm-Infekt. oder: wie fülle ich eine Urlaubswoche mit dem Gegenteil dessen, was ich vorhatte?

ich kam mir so großartig vor, als ich Dienstag im Kindergarten anrief und erklärte, dass die Jungs sich eine Woche Urlaub nehmen. „Ach, Minusch, das ist schön, dass Du das machst. Viele machen sowas ja gar nicht mehr…“ ja, ich habe das leise Pling auf meinem Karmakonto gehört, gelächelt und mich daran erinnert, was ich mit den Kindern in dieser Urlaub-zuhause-Woche so tun könnte:
ausschlafen, trödeln, einen Tag faul rumliegen und Reste essen. ein Tag in Frankfurt verbringen um endlich die Dinos im Senckenbergmuseum anzuschauen. ein zwei Stunden Schwimmen im Freibad, das gerade unter einer Traglufthalle das Hallenbad ist, weil das Hallenbad neu gebaut wird. und ins Kino wollte ich. und einmal Sushi essen gehen, weil die Jungs das Running Sushi so lustig finden.

wir starteten großartig! wir kochten gemeinsam Kartoffelsuppe, verbrachten einen Nachmittag mit meinen Eltern (die sich trotz verbliebener Geburtstagsdeko und Geburtstagskuchen auf dem Tisch weigerten, mir alles Gute nachträglich zu wünschen. wozu auch…ich lerne doch stetig dazu *sigh*), weil der Große sich so gern für seine Weihnachtsgeschenke bedanken wollte. am Donnerstag sollte uns ein Mensch besuchen, der vielleicht mehr Zeit mit uns verbringen wollen würde. dann meldete sich eine Freundin von früher und fragte nach Zeit am Freitag für sie und ihre Kinder. ich fand die Woche gut. wir guckten Dienstagabend Pokemon, gingen fröhlich ins Bett, lasen zwei Kapitel im Weihnachtosausrus und ein Kind schlief ein und das andere kotzte das Bett voll.

das Gute am Familienbett in diesem Fall ist ja, dass ich schneller als mein Kind wirklich alles vollkotzen konnte, den kleinen Bruder plus Kuscheltiere plus zwei Bettwäschegarnituren in unfassbarer Geschwindigkeit aus dem Bett reißen konnte, während der Große weiter kotzte. ok, der Kleine war ein bißchen erschrocken, aber: hey! eine Waschmaschinenladung zusätzlich gespart UND olfaktorische Konsequenzen eingedämmt! nächster Schritt: Schüssel unters kotzende Kind und dann kotzendes Kind mit Schüssel ins Bad. auskotzen lassen.
der kleine Bruder schleppte sich derweilen aufs Sofa und rollte sich dort zusammen. das große Kind wimmerte kotzend im Bad. die Mutter der beiden (ich konnte ihr förmlich von außen zuschauen) rannte wie ein Hexobug hin und her, zog Bettwäsche ab und flammte sie in die Badewanne (niemals eine Wohnung OHNE Badewanne!), wischte Bröckchen vom Boden, rubbelte mit einem nassen Lappen auf der Matratze rum, sortierte die kontaminierte Bettwäsche, wusch das Kind ab, spülte den Schlafanzug (und das Laken und das Kopfkissen und den Bettdeckenbezug) aus, verstopfte damit die Badewanne, zog dem Kind einen Schlafanzug an, bezog das Bett frisch, sammelte die Kotzebrocken aus dem Abfluss, drückte die ausgewaschene Wäsche aus und stopfte sie in die Waschmaschine, wusch sich die Hände und die Ärmel ab und desinfizierte sich die Hände, lobte das Verhalten der Kinder, demonstrierte Gurgeln mit Wasser, half beim Zähneputzen, lobte den kleinen Bruder, stellte die Waschmaschine an und begleitete beide ins Bett, neben dem dann schon eine frische Salatschüssel für weitere Unfälle stand.
einmal gut Lüften!
den Kindern sagen, wie hilfreich es war, dass sie ruhig geblieben sind und Geduld mit allem hatten. und hinlegen. Licht aus. Nacht.

kein weiterer Unfall diese Nacht. nur Schlaflosigkeit meinerseits. aber gut. ich hab die vielen Nächte davor ja gut geschlafen. DAS hole ich locker wieder rein…dachte ich.

Mittwoch war dann der Tag, der sich logischerweise nicht füllte, sondern sanft verstrich. der Kleine und ich aßen die Kartoffelsuppe von Dienstag, der Große bekam Hühnernudeltopf (ich war prima vorbereitet!) und ich putze hier, räumte da, hängte Glitzerdeko ab und schickte Nachrichten durch die Welt. abends dachte ich schon, wir hätten es geschafft. der Große probierte nach dem Schonkosttag vorsichtig ein Brot mit etwas Wurst und war zufrieden und als wir nach dem Weihnachtosaurus im Bett lagen kam ein jämmerliches: „Mama *hust* ich *hust…“ und die Schüssel war schnell genug unterm Kind und wir waren gewarnt und ich schickte irgendwann nachts die Nachricht an mein Donnerstags-Date, dass der Große wohl doch noch nicht gesund ist.

der Donnerstag verfloss. das Date kam trotzdem und während ich mit ihm über Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Permakultur und Blockchains sprach (also ich die Themen eins und zwei und er die Themen zwei und drei), verwüsteten meine Jungs ihre Kinderzimmer, bis der Kleine sein Wasserflaschen-Jetpack wiederfand und auf die Idee kam, wir könnten doch mit dem Besucher zusammen LittleBigPlanet spielen. ein Mann Anfang 40. zwei Kindergartenkinder. eine Frau Anfang 40. wir saßen etwa 2h auf dem Sofa und zockten und lachten und kuschelten. bam.

nachdem er gegangen war, schauten wir drei uns verschwörerisch an. der darf wiederkommen. es gab noch etwas Zwieback, Käsebrote, Konter-Pokemongucken zum wieder runterkommen, Zähneputzen, Weihnachtosaurus…und eine ruhige Nacht. ahhh.
morgens stand ich früher auf, machte Yoga und freute mich auf den Tag. nach Rückmeldung der Kinder nochmal ein ruhiger Tag zuhause („wir wollen nicht auf den Spielplatz, Mama. bei Regen ist das blöd da.“). ok. ok ok. der Freundin mit den beiden kleinen Kindern musste ich absagen, weil ich das Gefühl nicht loswurde, dass es mit dem Virus noch nicht ganz gut ist. wir verschoben das Playdate auf Samstag. ich schmückte den Weihnachtsbaum ab und bemerkte die Spuren dieser Woche in meinem Verhalten. irgendwie angespannt. irgendwie genervt. irgendwie unterversorgt mit Me-Time. nachmittags pennte ich auf dem Sofa ein und die Kinder durften sicherheitshalber Fernsehen, weil mein Energielevel irgendwie verdächtig platt war.

drei Tage in der Wohnung. drei Tage irgendwie angeschlagen (irgendwas riecht halt doch immer wieder nach Kotze). aber immerhin wundervoller Besuch. und: immerhin keinen Streit beim Essen. mittags vorsichtig optimistisch Nudeln. abends Aufbackbaguette und Rohkost. der Große trank den ganzen Tag kooperativ lauwarmes Wasser. und: das Date wollte Samstag nochmal Zeit haben und meine Babysitterin hatte auch Zeit und ich konnte mich rüberträumen in einen Samstagabend an der Seite es unfassbar warmherzigen und netten Menschen und mich vorfreuen auf IRGENDWAS. Kino, Essen gehen, was trinken gehen, Spazierengehen: EGAL.

Zähneputzen, Weihnachtosaurus, Nacht…
2:30 Uhr: „Mama, ich muss aufs Klo…“ -aufstehen, Kind begleiten. auf dem Flurteppich: „Ich muss k…..“ etwa 100ml landeten in dem Eimer, der noch vom Auswaschen im Bad stand und von Elastigirl in den Flur gerissen wurde. der Rest zog in den Flurteppich ein. dazu das unsouveräne Schreien des kleinen Kerls, dass auf meine angespannten Nerven traf, die zeitgleich mit dem Auftreffen des Kotzstrahls auf dem Teppich bei dem Gedanken daran, das Date absagen zu müssen, brummten.

immerhin kein vollgekotztes Bett. auch das nächste und übernächste Mal nicht. Jawoll! und den Abfluss bekam ich innerhalb von 3min mit dem Saugpömpel wieder frei. und als das Kind mir dann morgens über die Füße kotzte, blieb ich richtig ruhig.

„Ich möchte trotzdem gern kommen. dann bleiben wir halt zuhause bei den Kindern. die zwei werden mich sowieso irgendwann mit irgendwas anstecken, meinst Du nicht?“

so ein Satz wiegt alles auf, was in dieser Woche schief gegangen ist.

Liefs,
Minusch

8 Antworten auf „auskotzen

  1. Oh man, Du arme kotzgebeutelte. So schlimm hatte ich es zum Glück bisher noch nie *klopfklopfklopf*. Aber das mit dem Date und das er sich keineswegs abschrecken ließ, klingt super. Ich freu mich da total für Dich. Wir wollen übrigens auch unbedingt mal nach Frankfurt und Dinoskelette gucken, aber nur mit meinem Date ;). Und im Urlaub war er leider krank, deswegen haben wir es verschoben.

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