anytimeutopia

meine liebe ulbarb,

ich habs offensichtlich nicht so mit Awards und Nominierungen. ich war noch nie gut darin, anderen Menschen so in der Reihe vorzuschlagen, etwas zu beantworten oder zu schreiben. aber: ich finde Deine Fragen gut und sie kuscheln sich so schön in meine Gedanken, und deswegen nutze ich Deine liebe Nominierung um zumindest Deine Fragen zu beantworten.

1. Wenn du an die Organisation deines Alltages denkst, was quält dich am meisten und wie gehtst du damit um?

bien, was für ein opener! seit ich mit den beiden Kindern mein Leben neu erfinden muss und dabei vorerst auf 80% dessen, was mich glücklich macht, verzichten muss, stolpere ich über immer neue Qualen. Mal ist es die Schlafsituation, mal die Ernährung. dann liegt mein Energiepegel auf unter Null, dann haben die Vermieter abstruse Ideen von harmonischem Zusammenleben. dann erwäge ich eine Öffnung gegenüber anderen und dann verhalten die sich wieder auf eine Art bescheuert, dass ich alles wieder zurückziehen muss.

12 Monate hartes Trial and Error liegen hinter mir. einige Lösungen sind sehr elegant geglückt. andere furios gescheitert. aber ich bin nie stehen geblieben. höchstens mal ein Wochenende lang. mein Umgang liegt also auch genau da: Trial and Error:
ich analysiere etwas, was mich belastet, erwäge Möglichkeiten, es zu beeinflussen, probiere aus und sehe, was raus kommt. manchmal stimmen meine Vorannahmen. manchmal nicht. manchmal wird eine Probe überlagert von einer anderen Situation.

damit ich nicht die Idee, dass alles schief geht, verfestige, male ich mir beispielsweise Herzchen in den Kalender. jeder Tag, an dem ich von Herzen lachen konnte, bekommt ein Herzchen. mein Minimum-Amount of Herzchen per week liegt bei 1 und das finde ich ganz schön gut! jede Woche kann ich mindestens ein Mal von Herzen lachen! sich das so anzuschauen hilft mir auch über Durstrecken, wenn die Nachbarin mal wieder nicht grüßt oder die Kinder unzufrieden mit mir sind.

außerdem hatte ich mir für 2017 vorgenommen, alles, wohin ich die Kinder mitnehmen kann, einfach zu machen. ich verzichte auf so vieles. da kann ich mir erlauben, meine Freizeit anders zu verbringen als klassische Eltern. wir waren auf Konzerten (Kinderpop, Pop, Klassik) und im Theater. wir waren auf einem Festival. auf einem Bloggerevent. bei einem Bloggerinnenfrühstück. mir die Freiheit zu schenken, das zu tun, hat gut getan und etwas in die positive Waagschale geworfen!

was ich inzwischen auch tue: nichts.
sobald ich kann, tu ich nichts. ich schiebe Anträge und Verpflichtungen auf die lange Bank, bis ich es just in time nennen kann. und wenn ich den Zeitpunkt verpasse, rufe ich freundlich an und bitte um Verständnis.

ich putze nur einmal die Woche.

wir feiern Geburtstagsparties ohne Wenn und Aber.

manchmal kann ich eine Weile morgens Yoga machen. manchmal flirten in Dating-Apps interessante Menschen mit mir. dann fällt plötzlich aus einer anderen Social Media Ecke Nähe vom Himmel…ich bemühe mich, um ein möglichst oft still stehendes emotionales Pendel, damit die Ausschlagsdifferenzen nicht zu heftig werden und ich klarer sehen kann.

ich prüfe auch immer wieder nach, ob ich das Leben so, wie ich es gerade lebe, leben will. das halte ich für sehr wichtig, auch um meine Kinder nicht aus den Augen zu verlieren. schließlich liegt vor uns noch ein mindestens 14-jähriger Marathon. der sollte mit Glück und Lachen angefüllt sein und nicht mit dem Gefühl, überall zu versagen.

2. Ist es dir unangenehm, über deinen Verdienst/dein Einkommen zu sprechen?
au contraire, Madame! gerade wegen meiner Offenheit diesbezüglich habe ich schon ordentlich Gegenwind von der Chefetage früherer Arbeitgeber*innen bekommen. ich kann da guten Gewissens drüber reden und schreiben. und ich sehe auch nicht ein, warum jemand genau das nicht tun sollte.
bei mir bleiben für 18,5Wstd etwa 1100,- netto übrig. gemessen an der Arbeitszeit ist das nicht so schlecht. gemessen an der Größe des Haushaltes ist es bedrückend, zumal ich wahrscheinlich noch bis Ende der Grundschulzeit meiner Kinder nicht maßgeblich mehr arbeiten werden kann. we will see. ich halte meine Einschätzung da für realistisch und stelle mich darauf ein.

aber: weil ich arbeite bekomme ich Wohngeld, Hilfe von der Stadt und Kinderzuschlag. das fühlt sich ein wenig an wie eine Anerkennung meiner Arbeit. zumindest ist das das, was mir bei persönlichen Gesprächen gesagt wird. wenn ein Mensch sich bemüht, bekommt er Hilfe. leider wird mir bei solchen Sätzen trotzdem sehr schnell schlecht, weil ich weiß, was für eine Menge an Kraft es kostet, das so weiter zu machen (und ich weiß, dass genau das häufig keine Frage des reinen Willens ist). klar: ich profitiere nicht nur finanziell von dem Job sondern auch persönlich/psychosozial und ich liebe mein Team. dennoch ist das enge zeitliche Raster, in dem die Leistung erbracht werden muss, bisher nicht ganz zu meiner Realität passend. aber, hey, ich habe in Punkt 1 erwähnt, dass ich Dinge ändern kann und neue Wege ausprobiere. drückt mir mal die Daumen, für meinen diesbezüglichen Plan.

3. Welche Drogen würdest du konsumieren, wenn sie keine Nebenwirkungen hätten? Alternativ: Gibt es etwas, wonach du süchtig bist?
hahaha! ich bin ein Drogen-Panickel! da kann mir jedes erzählen, was es will, ich hab Angst bis über beide Ohren, was Drogen angeht. deswegen habe ich auch keine Süchte. gut, ich kann Essen missbrauchen. ich hab auch schon zu viel Sport gemacht, zu viel gearbeitet, zu viel an Sex gedacht, zu viel online-gespielt oder zu viel gechattet. aber ich finde die Grenzen zum pathologischen Verhalten sehr verlässlich selbst und beende derartiges Verhalten aus eigener Kraft.

was ich viel lieber hätte als eine Droge, wäre sowas wie eine Tardis. oder ein Zeitumkehrer. oder direkt ein sich selbst wieder füllendes Bankkonto. 🙂

4. Hast du Haustiere? Warum? Warum nicht? Warum nicht mehr?
ah, dear…ich liebe Haustiere. am schönsten war mein Jahr mit Black. wir haben, da war ich etwa 14, einen Dobermann im Hotel unseres Sommerurlaubs in Tunesien aufgepäppelt und der Hund wurde dann von einem anderen Urlauber mitgenommen nach D. dieser Mensch hatte allerdings den Pflegeaufwand unterschätzt und kurze Zeit nach Ende der Quarantäne diesen Hund zu uns gebracht. ich habe Black sehr geliebt. ja, das Gassigehen war manchmal doof, aber ich war nie wieder so viel im Wald wie damals. ich fühlte mich sicher mit Black neben mir, und zuhause haben wir auf einer Decke gelegen und gekuschelt. ich kannte seinen Geruch.

es gab auch Katzen. später hatte ich Meerschweinchen. tja, und heute weiß ich, dass ich Kraft brauche, um ein Tier zu versorgen und dass es mich in der Flexibilität arg einschränkt. ja, es wäre sicher toll, einen Hund zu haben. meine Kinder lieben Tiere auch und begegnen ihnen mit sehr viel Respekt. aber gleichzeitig weiß ich, was ich dafür in die Waagschale schmeißen müsste und dafür bin ich derzeit nicht bereit. auch wenn es im Herzen zieht.

5. Hast du den nächsten Sommerurlaub schon geplant?
hm, ich muss ja nicht viel planen. wir wollen wieder an die Nordsee mit dem Zelt. aaaaaber durch die aktuellen Veränderungen in unserer Familienstruktur (*kicher*) kann es sein, dass sich da nochmal was verändert.
also: nein. geplant ist nichts. gewünscht wird Meer und Zelt und draußen. und das werden die letzten Kindergartenferien vom Großen sein! danach beginnt die Schulzeit! dafür möchte ich nochmal tief Luft holen mit den beiden und vielleicht auch dem Menschen, der hier gerade ganz vorsichtig die Nase reinstreckt und fragt, ob er auch mitspielen darf.

so, ulbarb, ich hoffe, Du findest meinen Kompromiss in Ordnung. 🙂 wenn ich jetzt hier 5 Fragen drunterschreibe, beantwortest Du die dann?

1. Apokalypse! was tust Du als erstes, wenn am nächsten Morgen die Sonne aufgeht?
2. was ist schöner für Dich: kurierter Überfluss oder minimalistische Weite? und was passiert, wenn Du von einem ins andere fällst?
3. was fehlt Dir zum Glück? und wenn nichts fehlt: wonach klingt der Soundtrack für Dein Jetzt?
4. Deine 5 Topsongs für ein erstes Date, bitte!
5. für welche Bewegung gehst Du auf die Straße?

und abgesehen von ulbarb, können diese Fragen auch gern noch mehr Leser*innen beantworten! wahlweise in den eigenen Blogs oder in den Kommentaren hier drunter! hinterlass auf jeden Fall einen Pieps in meinen Kommentaren, damit ich direkt mitkriege, wo ich nachlesen kann, was Du schreibst! ich würde mich freuen. Award-frei. einfach nur aus Spaß am gemeinsam denken/Unfug-machen/lächeln/sein.

Liefs,

Minusch

5 Antworten auf „anytimeutopia

  1. Wieder so schön gedacht und geschrieben, deine Texte malen Bilder in meinem Kopf. Danke! ❤️

    1. Bestandsaufnahme, ggf. aufräumen, Klarheit ver/schaffen, das Positive finden

    2. minimalistische Weite; das Positive finden

    3. Gerade gibt es noch keine vertraglich abgesicherte Gewissheit, dass meine Kinder den schulischen Freiraum bekommen, den sie für ihre Entwicklung brauchen. Warten auf … Sterntaler. 🙃

    4. in beliebiger Reihenfolge: Vogelgezwitscher, Eiswürfelgeklirre, Hintergrundgespräche, Feuergeknister, Popcorngeraschel

    5. zum Spazierengehen 😉 – Menschen(inkl. Frauen)rechte

    Wenn ich darf, weil einfach so treffend und alternativlos:
    LIEFS, ☺️
    Verena

    1. Oh, Verena…das klingt sehr lieblich und still. nach einem Menschen wie Weiher am Frühlingsabend. ich bin ja tatsächlich keine Spaziergängerin, aber es gibt Menschen, von denen fühle ich mich zu sowas eingeladen.

      na aber immer LIEFS!

      Minusch

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