„ohohooo no, baby please don’t go…“(if you leave me now von den Bee Gees)

ich denke darüber nach. es gibt Lieder über so vieles. warum gibt es Lieder davon, dass Menschen einander nicht verlassen sollen? warum gibt es Lieder darüber, dass Menschen sich fühlen, als würden sie zerbrechen, wenn jemand geht? „breaking up is hard to do“ (Neil Sedaka). yep, schon klar. aber müssen wir drüber singen?

oder dazu tanzen?

gibt es Lieder darüber, wie Du auf dem Sofa sitzt und den Kopf schüttelst? oder wie Du ins Müsli weinst, weil Du das alles nicht verstehst? gibt es Lieder darüber, wie Du immer wieder missverstanden wirst? oder Dir blöde Sprüche auf Twitter reinziehst? oder gibt es Lieder darüber, wie eine Mama in der Küche eine Nachricht bekommt, während sie spült und die Kinder nebenan die Tulpen zerrupfen? wäre das nicht super tanzbar? ich denke da an so Bewegungen wie „die sterbende Motte“ oder eine Hand vor der Stirn wie Kate Bush und einem Hammer-Kajal-Strich um die Augen: „Out on the Wiley, windy moors we’d roll and fall in green – you had a temper like my jealousy too hot, too greedy“ (Wuthering Heights von Kate Bush)

„alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“ (Stephan Remmler) << exakt. alles gesagt, oder? Menschen wollen Sex und legen los und dann hören sie wieder auf und begründen das irgendwie und dann nimmste halt ne andere Wurst. "Aber 'ne Wurst, 'ne Wurst, die isst er doch? Aber 'ne Wurst, 'ne Wurst, die isst er doch? Aber 'ne Wurst, 'ne Wurst, die isst er doch? Aber 'ne Wurst, 'ne Wurst, die isst er doch?" (Kapelle Petra)

es gibt so viele songs über so viele Themen. echt mal.

"oooh heaven is a place on earth…" ich hab Belinda Carlisle mal als Vorband vor Cher gesehen. sie ist total glaubwürdig mit diesen Texten. echt. wie eine Figur von Rosamunde Pilcher. unmöglich, sich vorzustellen, dass so ein zarter Mund bei einer Magen-Darm-Grippe Bröckchen kotzt.

gibt es songs über kotzende Mütter? fänd ich jetzt persönlich gerade spannender als die nächste Sommerparty. überhaupt: wer sind eigentlich diese Menschen, die das ganze Leben als Party sehen (wollen)? sind die echt? gibt es die wirklich? oder sind solche Menschen nicht eher als Karikatur ihrer selbst unterwegs? völlig überzeichnet, bleich vom vielen nachts ausgehen oder knackbraun von den Ibiza-Tripps? also: sind die jetzt echt oder nicht?

lenkt Musik ab oder drückt sie unsere Nasen in die Scheiße? idealerweise beides nach Bedarf, oder? "Menschen, Leben, Tanzen, Welt" (song von Jim Pandzko aka Jan Böhmermann)? oder ist das mit der Scheiße Punk?

"Schaue durch die blickdichten Fenster – Verhängnisfallen wärst du hier wärst du längst da – Wir nehmen teil an der Belanglosigkeit – Schau mal weg ich zieh mich aus – Bevor du's weißt hab ich mich ausgetauscht – Wir nehmen teil an der Belanglosigkeit – Beleidigungen sind locker besetzt – Wir schneiden gut an sind dennoch verletzt – Aus der Luft, gegriffen gefangen – Empfangsbestätigungen kommen nicht an – So schön, aus Versehen" (Walnuss von Gurr)

"think of all that we've been through…" (breaking up is hard to do von Neil Sedaka) so ein süßer Satz. passt aber nicht zur Wirklichkeit von "Ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee" (Fickt-Euch-Allee von Großstadtgeflüster). ja, was jetzt? wo ist die Reibung, Leute? wo passiert die Entwicklung? eingekastelt in Filterbubbels haben wir doch alle mehr Recht als sonst und wenn wir uns so auseinander sortieren, dann bleibt das ja auch ganz nett. blöd genug, wenn einer mal rüberspuckt. aber: he! unter alles-easy mach ich's nicht! und wir (x) diskutieren nicht mit denen (y)! und der schönste Satz: "Wenn DU das SO siehst, dann bin ICH der/die/das Falsche" <<Problemlösungskompetenzen werden überflüssig. einmal drüber geschlafen und am nächsten Tag mit neuer Kraft voraus.

ich wünsch mir einen song darüber, wie verdammt anstrengend Kommunikation ist und dass sie sich manchmal kaum lohnt, weil schon beide Seiten etwa gleichviel in die Waagschale schmeißen müssten. ich wünsch mir songs über das allein-sein. darüber, dass zu dritt-sein geiler sein kann als das zu viert-sein, weil drei auf das vierte warten müssen und das vierte dann angepisst ist, weil drei gewartet haben. ich wünsch mir einen Katalysator für meine Wut und die Möglichkeit, sie anders auszudrücken als über das hören von wütenden songs. ich wünsch mir songs über die Angst vor dem Neuen und wie blöd eins dasteht, wenn es seine Angst mit Mühe im Zaum hält und das andere galoppiert auf seinem Panikgaul in den Sonnenuntergang. ich wünsche mir songs darüber, die Freundschaft endlich mit Liebe bezeichnen und aufhören so zu tun, als wären Freund*innen sowas wie 2.Klasse-Liebhaber*innen. und auch andersrum: Liebhaber*innen sind keine Freund*innen mit Sternchen. meine Meinung. ey. ich sag das so.

ich wünsch mir songs darüber, dass wir nur ein Leben haben und egal wie gut wir sind, uns immer jemand alles verkacken kann, weil er/sie/es die Luft aus dem Fahrrad lässt oder Senf ans Fenster schmiert oder Schwierigkeiten mit der Realität hat. soviel Lachen kann kein Mensch ohne Konsequenzen für seinen zerebralen Cortex.

ich wünsch mir einen song darüber, dass nichts nie perfekt sein kann oder sollte. und dass aber auch jeder eine eigene Idee davon hat, was nicht-perfekt denn sein darf. keep your feelings, baby. stay straight and lonely, weil Du bist wie Du bist, Schwester. sei nicht anders. aber wenn Du nichts änderst, brauchst Du Dich auch nicht wundern. Therapie, Baby? klar! los! tu das für die anderen! dann hast Du mehr Erfolg danach oder fühlst Dich wenigstens nicht so scheiße, wenn es schief geht!
wuoh…Moment: DEN song gibts schon!

Keiner fickt mich von Großstadtgeflüster feat. Fatoni

Wenn ich wüsste, wo ich wäre, würde ich da hingehen
Würde ich mich selbst erkennen, würde ich da hinsehen
Doch auf der Suche nach mir selbst verlier' ich immer den Verstand
Und vor lauter Yoga komm' ich kaum noch zum Entspannen
In der Theorie kann ich das alles regeln
Wie man das macht, all die Hindernisse zu umsegeln
Doch in der Realität, da weiß ich nicht, wie das geht
Weil jeden Tag ein anderer Wind weht

Keiner fickt mich außer das Leben
Aber das dafür so richtig
Und allen anderen bin ich einfach egal
Nur Gott hasst mich
Und den gibt es nicht einmal!

Wenn ich wüsste, wer ich wäre, würd' ich's gern vergessen
Ich glaub', ich glaub' nicht an Gott, doch würd' ihn wirklich gerne treffen
Lass mal bitte noch hier bleiben, denn die Wirklichkeit ist ätzend
Ich ess' tausend Mürbeteigplätzchen um meinen Würgereiz zu testen
Manchmal wacht man auf, weil es so auffällig nach Kotze riecht
Wenn man draußen in der Gosse liegt
Besonders dumme Meinungen verkaufen sich als objektiv
Ich wollt' mit Jesus reden, jetzt hab ich Hausverbot im Gottesdienst
Alles gut, ich guck' jeden an mit Hundeblick
Hat noch nie geklappt, ein Leben lang unterfickt
Erst wird Rum gekippt, dann wird umgekippt
Alles geht um's eine: Ob auf dem oder unterm Strich
Und sie sagen, dass das Leben eine Nutte wär'
Müsst' ich es dann nicht ficken? Bei mir ist das umgekehrt
Doch dafür hat es mir auch schon mal einen Drink spendiert
Wenn man seinen Wert nicht kennt, kann man nicht in sich investieren

Keiner fickt mich außer das Leben
Aber das dafür so richtig
Und allen anderen bin ich einfach egal
Nur Gott hasst mich
Und den gibt es nicht einmal!

Ach, ich weiß ja auch nicht
Wenn ich es wüsste, das wäre gut
Dann würd' ich wissen, woran es läge
Und was man dagegen tut

viel Spaß beim hören https://youtu.be/bNVSRBsMs6U

Grüße aus dem hasenherzschen Emobunker! is gut hier! wir haben ein Waffeleisen und Apfelkuchen! denk drüber nach!

liefs,
Minusch

4 Antworten auf „warum gibt es solche Lieder?

  1. Wie recht Du hast, Minusch. Musik zementiert eben auch nur unsere seltsamen Mythen von Zusammenleben, Liebe, Sex und Partnerschaft. Mit Realität hat das wenig zu tun. Aber jeder möchte dahin und meint, das müsste so sein und verzweifelt dann, weil es eben doch ganz anders ist als im Film oder in der Musik. Weil Sex, Gefühle, Liebe, Zusammenleben wild ist, unkontrollierbar, langweilig, langatmig, kleinteilig, großkotzig, nicht einteilbar, nicht kategorisierbar. Und vor lauter vermeintlicher Liebe und Leidenschaft wird der leckere Apfelkuchen nur reingestopft und nicht genossen. Realität zulassen, im Jetzt bleiben, fühlen, hören, sehen, schmecken, ist so verdammt schwer. Aber auch so genial.

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