wie beende ich eine Beziehung?

da ich ja nachgewiesermaßen nicht so die Granate im Beziehung-führen bin, frage ich mich manchmal, ob ich vielleicht beziehungsunfähig bin. und was denn beziehungsunfähig wäre. oder eben beziehungsfähig.

beziehungsfähige Menschen können eine Beziehung beginnen (kann ich auch!), halten (naja…eher semi) und beenden (<<my comfortzone!).

ich möchte an dieser Stelle über das Beenden von Beziehungen schreiben. voll das doofe Thema, alle sind traurig bis sauer und jemand weint (iiiihhh…voll blöd) oder schimpft (yeah! emotion!) und Träume werden begraben und irgendwas steht in Frage und am besten die ganze Beziehung auf einmal. mein Ding. ich kann das nämlich. behaupte ich mal.

Disclaimer: es wird mit absoluter Sicherheit Menschen geben, die behaupten, dass ich das nicht könne! das sind aber auch mit absoluter Sicherheit die, die das nicht beurteilen können, weil sie ja auf der anderen Seite stehen. die klammere ich also als Referenz mal aus.

zurück zu mir und meinem einzigartigen Talent: Beziehungen beenden. was verstehe ich darunter?

also zunächst beende ich Beziehungen. das scheint mich schonmal als Expertin auszuweisen, denn viele tun das gar nicht. das Wort Ghosting ist noch verhältnismäßig neu in den digitalen Nachschlagewerken und zumindest meine Generation ist damit nicht aufgewachsen. Ghosting beschreibt das „einfach nicht mehr melden“, das so en vogue ist und das scheinbar Unangenehme elegant umgeht.

freundlich-nerdy geschrieben, ist es sowas wie eine uralte Clansdisziplin der Malkavianer (Vampire – The Masquerade), Irrsinn, die dem Vampir ermöglicht, das, was ihn stört, einfach weg zu ignorieren. Menschen weg zu ignorieren ist heutzutage sicher eine anerkannte Möglichkeit, den Blutdruck zu senken. nur wenn es eben vorher um eine partnerschaftliche Beziehung ging, dann, naja, dann weiß ein Teil der Beziehung, dass und warum es nicht mehr will und das andere weiß es nicht und das Ergebnis ist auf vielen Ebenen kein Ergebnis sondern mehr ein „in der Luft hängen“, „nicht weiter wissen“, „sich schämen“, „sich sorgen“, „an sich zweifeln“…zumindest für die passive Person.

ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht ganz schick ist, in der Beziehung auf Augenhöhe zu bestehen und die Trennung dann durchzuziehen, ohne den anderen zu informieren. selbst wenn die Chance besteht, dass es wirklich gar keinen Kontakt mehr gibt, weil die eine Seite zu viel Anstand hat, um den anderen am Arbeitsplatz aufzusuchen oder abends vor der Haustür zu warten, und selbst wenn der Glaube an Karma nicht mehr oder weniger als ein Glaube ist, bedingt eine auf Augenhöhe begonnen und gelebte Beziehung schon paradigmatisch ein ebensolches Ende. nicht die Diskussion dieses Endes, aber die direkte und ausgesprochene Beendigung. ja, und auch wenn eine Beziehung digital angebahnt wurde und das Gegenüber ja nur one out of thousands war, macht es Sinn, das Ganze zu beenden.

denn: die Entwertung, die stattfindet, wenn ein Mensch geht, ohne den anderen darüber in Kenntnis zu setzen, geschieht beiderseitig. eine schöne Erinnerung, die schön hätte bleiben können, wenn ein Ende in Aufrichtigkeit erklärt worden wäre, wird bitter, wenn sich durch solches Verhalten einfach alles vorherige in Frage stellen lässt. es ist auch nicht ganz einfach, alles loszulassen, weil nicht klar ist, wann der richtige Zeitpunkt da ist? am Ende habe ich mich nur geirrt und beende vorab etwas, was eigentlich eine gute Begründung haben könnte. was, wenn ich den Grund zwar nicht kenne, aber verstehe, wenn er mir mitgeteilt werden würde?

mein Tipp ist: wenn es Deine Schmerzgrenze überschreitet, beende es selber.

das klingt vielleicht illoyal und feige, aber wir sind erwachsen. niemand von uns geht wie ein unbeschriebenes Blatt in eine neue Beziehung. der Traum von der Beziehung, in der beide miteinander wachsen ist sicher wunderschön aber mindestens so romantisch wie die Bullerbü-Nostalgie. und wenn wir erstmal über 30 sind, haben wir schon so einige Beziehungen beendet, weil die Entwicklung eben nicht gepasst hat. wir wissen schon, dass es keine Schande ist, eine Beziehung beenden, die belastet. im Gegenteil. wir ermächtigen uns selbst, nehmen uns ernst und schützen uns, wenn wir in Betracht ziehen, eine*n Partner*in zu verlassen, die/der Zweifel in uns keimen lässt.

nein, ich rede an dieser Stelle nicht von der Angst vor Nähe. das wäre ein anderer Blogpost, den ich noch nicht geschrieben habe. ich rede von dem Zeitpunkt, an dem das „ja“ anfängt zu bröckeln.

ich erkläre meinen Kindern das mit den anderen so:
„wenn zwei miteinander spielen wollen, müssen sie einander ‚ja‘ sagen. also ‚ja‘ zu dem anderen und zu dem gemeinsamen Spiel. kein Spiel wird schön, wenn eins von beiden immer wieder sagt ’nein, das wäre anders‘. wenn ein ’nein‘ auftaucht, verschwindet der Zauber. mit einem ‚ja‘ kannst Du ihn bewahren.“

meinen Jungs leuchtet das ein. und Erwachsenen auch. Improvisationstheater baut darauf auf, dass Menschen miteinander ‚ja‘ spielen. das ‚ja‘ zu den anderen und zu deren Ideen ist eine Grundlage dieser Arbeit. und sie stimmt immer und in jeder Beziehung.

sobald in Deinem Kopf dieses ‚ja‘ anfängt zu bröckeln, kommen die Zweifel, das Verhalten ändert sich und dann ändert sich das nicht mehr bejahte Gegenüber und bestätigt das Gebröckel und irgendwann ist die Kommunikation kaum noch möglich, weil beide nicht verstehen, wie das andere sich so ändern konnte.

ich behaupte nicht, dass es nicht auch möglich ist, das ‚ja‘ wieder zu reparieren. das passiert in Paartherapien. ich bin mir nicht sicher, welche Erfolgsquote Paartherapien so haben, aber zumindest mir hat es geschadet. die toxische Beziehung in der ich war wurde durch eine solche Therapie nochmal zementiert und je mehr Zement drumherum aufgeschüttet wird, desto härter wird der Ausbruch. aber grundsätzlich halte ich Reparieren schon noch für eine gute Möglichkeit vor dem Entsorgen.

Freundschaften, die sich verschleppen. Konflikte, die ungeklärt verjähren. ausstehende Gespräche. geghostete Beziehungen. all das sind Anzeiger dafür, dass jemand den Erfahrungen aus dem Weg gehen möchte. mir gegenüber wird das oft mit „harmoniebedürftig“ umschrieben und ich frage mich jedesmal ob ich denn dann „konfliktgeil“ bin. bin ich nicht. ich stehe auch volle Möhre auf Händchen-halten und einander unterstützen und miteinander die Küche aufräumen und Einschlafen in der Löffelchen-Stellung. ich kann das nur alles nicht, wenn ein Konflikt im Raum steht. und ich sehe keine Schande darin, aufräumen zu wollen. nichts anderes sollte ein Streit tun: aufräumen, die Luft klären.

ja, Streitereien können noch vieles mehr. das wäre aber auch ein Blogbeitrag, den ich noch nicht geschrieben habe.

ich beende Beziehungen, wenn ich spüre, dass mein ‚ja‘ oder das der anderen Seite bröckelt. und ich finde es gut so. ich weiß, wann Beziehungen anfangen und wann sie enden. meine Feigheit gipfelt in Briefen, die ich früher geschrieben habe. oder in meterlangen Mails, in denen ich heute erkläre, warum ich zweifle und dass ich meinen Frieden damit gemacht habe, dass ich nicht wertvoller für die andere Seite bin. auf jeden Fall beantworte ich Reaktionen darauf. meist Wut. das wäre auch das, was ich mir wünschen würde: dass meine Wut eine Scheibe hat, gegen die sie kotzen kann. damit danach dann die Entspannung einsetzt und der Staub sich legt und die Sonne Kraft hat für den nächsten Tag. manchmal sollen auch Gespräche ganz gut helfen. und: ja, manche Beendigungs-Prozesse ziehen sich eine Weile hin. macht aber nix.

ich habe jetzt nichts über meine Beziehung-Beendungs-Rituale geschrieben. das klingt mir sonst ein bißchen arg nach Frauenzeitschrift und es interessiert sicher niemanden, ob ich lieber Pfirsichringe oder Schokokekse in mich reinstopfe. aber ich erkläre hiermit nochmal ganz deutlich:

eine Beziehung zu beenden ist schmerzhaft aber keine Schande und gehört zum Leben dazu. wir werden nicht besser darin, wenn wir es vermeiden. wir erhöhen allenfalls den Druck auf uns selbst, es das nächste Mal besser machen müssen, um nicht wieder in eine solche Situation zu kommen.
eine beendete Beziehung bewahrt beiden Seiten das Schöne, das nur so glaubhaft bleiben kann. ein Ende ermöglicht einen zeitnahen Neuanfang für beide Seiten.

wird das klare Ende einseitig verweigert, ist das Ergebnis eines, dass Menschen krank machen kann, das die Beziehung in den Dreck zieht und durch den Mangel an selbstwirksamer Erfahrung beiden Seiten schadet. so bleiben nicht mal schöne Erinnerungen sondern nur Bitternis und Zweifel, die unbearbeitet auch die nächste Beziehung belasten.

einen Menschen, der Dir nahe wahr, solltest Du nicht einfach zurück lassen. einem Menschen, den Du geliebt hast, darfst Du den Raum geben, Dir noch einmal seinen tiefen Schmerz zu zeigen. dadurch verlierst Du nichts außer ein wenig Zeit. aber Du schenkst dem anderen Raum für einen neuen Traum ohne Dich.

ja, ich beschreibe irgendwann auch noch, wie ich mit meinen Kindern über so etwas spreche. vielleicht. wenn nicht vorher was anderes viel wichtiger für mich ist. mal schauen.

Liefs,
Minusch

9 Antworten auf „wie beende ich eine Beziehung?

  1. Seufz. Beziehungen anfangen konnte ich immer besser, als sie zu beenden. Aber beendet habe sowohl ich als auch die andere Seite. Leider meist im Streit. Jetzt mit Kindern und Trauschein versuchen wir, irgendwie die Kurve zu kriegen. Die Trennung geht von mir aus, er ist also der verletztere – zumal er bis heute scheinbar nicht einsieht, welchen Anteil er an der Trennung hat. Ich wurde aber auch mal getrennt, ohne dass derjenige das offen aussprechen konnte. Er hatte nach fast 5 Jahren eine Neue und ich musste mit seiner Mutter telefonieren, um zu erfahren, dass nun endgültig Schluß ist.

    Aber wann ist eine Beziehung eine „Beziehung“? Das ist ein Thema, was mich gerade beschäftigt. Ich habe seit 1 Jahr eine Beziehung zu einem Mann. Er möchte das Wort „Affäre“ oder „Liaison“ nicht hören, dabei ist er es, der unsere Verbindung geheim hält, vor unseren Freunden (ja, wir haben gemeinsame), vor seinem besten Freund und vor seinen Eltern. Aufgrund dieser Geheimhaltung (die Gründe möchte ich hier jetzt nicht offen legen, aber wir haben ja whatsapp) fühle ich mich als heimliche Geliebte eines Mannes, der zumindest Partnerinnentechnisch ungebunden ist. Und kein Ende in Sicht. Wir unternehmen Dinge zusammen, wir haben Sex, die Kinder kennen ihn, wir unternehmen auch was mit ihnen oder er bringt sie mit ins Bett abends. Ist das eine Beziehung?

    Ich habe oft überlegt, sie zu beenden. Weil mich dieser Zustand extrem runterzieht. Es ist besser geworden, seit ich mehr Vertrauen habe und erkannt habe, wie wichtig ich ihm bin und dass er mich liebt. Und dennoch tut das eben weh. Wir können uns in der Öffentlichkeit unter den Freunden nicht so geben, wie es eigentlich ist, nämlich als Paar. Aber sind wir ein Paar in DEM Sinne? Ich kann es nicht beenden, denn ich habe immer noch Hoffnung auf „mehr“ und ich liebe ihn sehr, er ist meine Große Liebe. Und ich darf das sagen, finde ich, denn ich hatte schon ein paar Beziehungen. In denen ich aber scheinbar auch nicht gut war, denn ich konnte sie nicht halten. Die längste, 16 Jahre, hätte es verdient, schon zu Anfang beendet zu werden. Aber da war ich auch zu feige.

    Kannst Du mir folgen, liebe Minusch? Ich schweb hier echt oft zwischen den Welten rum und weiß nicht, was ist, nur, was ich mir wünsche.

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