liebe

ich habe mit meiner Mutter-re-werdung angefangen, mich hier mit meinen Ängsten, Sorgen und Herausforderungen auseinanderzusetzen. ich habe auf andere Blog-Artikel reagiert, bin in Diskussionen eingestiegen, habe geblockt, wurde geblockt und ich habe immer wieder gut überlegt, welches Thema ich warum hier bearbeite und welches ich außen vor lasse. ich versuche grundsätzlich, erweiterte Perspektiven zu finden zu vermeintlich eindeutigen Argumentationsketten, weil ich einfach weiß, dass es „die eine wirklich richtige Lösung“ niemals geben wird und weil mich wütend macht, wenn Marketing-Strategien unser Leben dahingehend beeinflussen, dass wir uns unserer Entscheidungen nicht mehr sicher sind oder wir uns sogar schämen für etwas, was wir aus dem Bauch heraus für richtig hielten.

diese Dauerverunsicherung, die wir dank permanenter multimedialer Konfrontation erfahren, mache ich mit verantwortlich für den Rechtsruck in unserem Land, der auf so vielen Ebenen stattfindet, dass ich kotzen möchte. ich kann nicht alle Themenbereiche aufnehmen, weil ich keine 24/7-Bloggerin bin, aber ich möchte hier etwas aufschreiben, was vielleicht der einen oder anderen Frau hilft, sich mit dem Gedanken der Kinderbetreuung via Hort/Krabbelgruppe/Kindergarten wieder auszusöhnen, denn:

es gibt eine wachsende Bewegung, die erklärt, dass das Beste für ein Kind ausschließlich die ausschließliche Betreuung durch die eigene Mutter ist.

gegen diese These spricht eine Menge. vor allem eine Menge mehr als das, was bisher in den Medien aufgetaucht ist. wir brauchen nicht bei den Naturvölkern nachgucken, wie die das wuppen (a village to raise a Child?…na?…alles nur eigene Mütter? haha). wir müssen auch nicht bei den Reisbäuerinnen in China nachsehen, die sich (vielleicht) ihre Kinder auf den Rücken binden während der schweren Arbeit im Feld (haha, und das Kind in der Sonne? witzig). nee, wir können ganz bei uns und unserer Realität bleiben.

1.) Scheidungsquote etwa 50%. das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Du als Mama den Weg in den Superfamilienhimmel schaffst, nur bei 50% liegt. das ist nicht pessimistisch und das hängt auch nicht an Deinem Problemlösungstalent. es ist eher eine Melange aus Glück und Ressourcen.
wenn wir also wissen, dass es sein kann, dass unsere Familienidee scheitert, dann müssen wir einkalkulieren, dass es Streit gibt. und das dieser Streit Auswirkungen hat. dass wir darunter leiden werden und mit uns unsere Kinder.

ich war dankbar, einen Kindergarten an meiner Seite zu haben während der Trennung. nicht, weil ich dadurch so irre viel freie Zeit gefunden hätte. nein. weil ich wusste, dass diese Menschen meinem Kind andere Wege zur Verarbeitung des Alltags anbieten können. andere Beziehungen zu anderen Menschen bieten dem eigenen Kind andere Möglichkeiten. ja, ich musste den Menschen dort vertrauen. und ich habe den Kindern versichert, dass sie wirklich alles dort erzählen können, was ihnen in den Sinn kommt. und dann habe ich mit den Erzieher*innen über das Erzählte gesprochen und so hatte ich auf einen Schlag 6 erwachsene Menschen, die mich darin unterstützt haben, meine Kinder so gut wie möglich zu begleiten.

wie wäre das zuhause? allein? was würde dann passieren?

2.) Gewalterfahrungen kommen in allen Schichten vor. auch Gewalt gegenüber dem Kind. dieses Thema ist beschissen und deprimierend aber nach wie vor real. es gibt da auch keine Rückläufigkeit. erwachsene Menschen tun so etwas. und danach behaupten sie, es wäre nie passiert.
was, wenn Du in diesen Kreislauf gerätst? aktiv oder passiv? ja, klar, wir lieben unsere Kinder alle. wir wollen das Beste. immer. aber ist das Beste eine apathische Mama zuhause, die mit ihren Kindern das Haus nicht mehr verlässt, weil er neben die Sonnenbrillenzone geschlagen hat? oder wollen wir, dass die Misshandlung an einem Kind nicht erkannt wird, weil es eben nur zuhause und unter kontrollierten Bedingungen existiert?

ich behaupte nicht, dass Menschen, die ihre Kinder ausschließlich selbst betreuen, eine höhere Wahrscheinlichkeit zur Gewalt tragen. aber geringer ist sie auch nicht. Wahrscheinlichkeit. was ist das Beste für das Kind?

3.) Gruppenzugehörigkeit bedeutet Menschen etwas. das Gefühl, sich für eine Gruppe zu entscheiden und dazu zugehören, ist etwas ganz besonderes. ja, es gibt Kinder, die von Anfang an Einzelgänger*innen sind. die brauchen auch ihren Raum. und eventuell wäre es für diese Kinder besser, sich nicht zu früh in einer Gruppe ausprobieren zu müssen (nur zieht in den veröffentlichten Argumentationen bisher niemand diesen Superjoker). viele Kinder brauchen den Kontakt zu anderen Kindern und die Freiheit, im Rahmen dieses Kontaktes zu experimentieren. das bedeutet, dass Grenzen auch gegenüber den anderen Kindern ausgetestet werden müssen. dass es den Raum geben muss, auch Dinge zu tun, die gesellschaftlich nicht gewollt sind: schlagen, festhalten, fesseln, anfassen, ausziehen, ablecken, am Penis ziehen, verfolgen, nachmachen…und ich zähl hier nur die Dinge auf, über die ich schon mit Kindern geredet habe, um zu erklären, warum das besser nicht mehr einfach gemacht werden sollte oder warum das einen anderen stören kann.

Kinder, die in festgelegten Strukturen aufwachsen, lernen nur ihr Spektrum in den festgelegten Strukturen kennen. das ist bestimmt nicht gefährlich. nur eben auch nicht besser.

4.) mein Lieblingsargument gegen all diese Gruppen ist die Frage der ressourcenarmen Umsetzung. wenn ich arbeiten gehen muss, weil mir schlicht keine erweiterten Ressourcen zur Verfügung stehen, dann brauche ich eine Betreuung, weil, entgegen der familienfreundlichen Argumentation, die meisten Jobs eben nicht mit Kind auf dem Schoß gemacht werden können. ja, klar die Journalist*innen und Autor*innen mit den Babys auf dem Spielteppich neben dem Laptop geben ein total liebevolles Bild ab. aber ich bin beispielsweise Sozialpädagogin und unterliege der Schweigepflicht. die würde auch ein Kind brechen.

mein Kind komplett alleine groß zu ziehen und dann noch eine Schule zu finanzieren, die „mehr“ bietet als die Regelschule, wird mir nie gegeben sein. und mich stört es auch nicht, denn ich habe schon lange beschlossen, dass meine Kinder in der Wirklichkeit groß werden sollen und nicht im elitären Kreis einer Gruppe, die für sich reklamiert, es besser zu machen als alle anderen (btw: an Waldorfschulen gibt es eine Kriminalitätsrate, die bemerkenswert ist).

5.) die für mich derzeit wichtigsten Menschen sind übrigens die Eltern der Freund*innen meiner Kinder. das sind die Menschen, die mich entlasten können. die ich anfragen kann, wenn ich ein Betreuungsproblem habe. als ich wieder Mutter wurde, war ich alleine. klar, im Internet viele Bezugspersonen, aber wenn meine Kinder die alle nicht kennen, bleiben die mit all diesen Menschen keine 5min allein in einer Wohnung. die Eltern der Freund*innen hingegen sind meinen Kindern bekannt. sie sehen sie jeden Tag. die Kinder erzählen einander von zuhause.

Menschen, die ohne starkes und engagiertes soziales Netzwerk in die Elternschaft hineinfallen, haben auf diesem Weg eine realistische Chance, sich selbst und den eigenen Kindern zu helfen. und eben auch den anderen Familien, von denen nur so mitbekommen werden kann, dass jemand krank ist oder länger allein oder in Schwierigkeiten.

<<diese Komponenten werden von der Debatte um "Fremdbetreuung" komplett ignoriert. die Träger*innen dieses Ideals verkaufen eine romantische Nostalgie als realistische Alternative zu dem, was wir schon haben und triggern damit Unsicherheit an bei den Menschen, die anderen Sicherheit geben wollen. in meinen Augen sind all diese Debatten teil eines Systems, das eben nicht versucht, Eltern zu stärken, auch wenn es behauptet, genau das zu tun. eine Theorie, die realistisch nicht umsetzbar ist, die Isolation zu wahrscheinlichen Folge hat, ist nicht geeignet, um Familien zu unterstützen.

keine Frage: liebevoll auf die eigenen Kinder einzugehen, ist unabdingbar. aber ebenso fraglos ist, dass Eltern keine gelddruckenden, lächelnden Kuschelandroid*innen sind. wir alle leben in einer Welt mit anderen Menschen und sind (auch dadurch) begrenzt. ebenso sind auch Erzieher*innen in Kindergärten in ihrem Leistungsspektrum begrenzt. es braucht Zusammenarbeit, offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Verständnis für einander. die Bereitschaft, die eigenen Erwartungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu kommunizieren. und es gibt auch immer und grundsätzlich die Möglichkeit, nicht mit einer Forderung auf die andere Seite zuzugehen sondern mit einer Bitte um Hilfe.

ja, ich weiß, dass es pädagogische Einrichtungen gibt, die versagen. aber das sind nicht die meisten! ja, ich weiß, dass es Kinder gibt, die mehr Ruhe brauchen, und für die dieses System mehr Probleme bereitet as für andere. das sieht genauso aus bei Kindern mit spezifischen Bedürfnissen. dementsprechend macht es ja auch viel mehr Sinn, in diese Strukturen zu investieren: in Fortbildungen, Ausstattung, Verpflegung und personelle Stärke. von all dem profitieren unsere Kinder. damit wir Eltern eben NICHT die einzigen sind, die sich um unsere Kinder kümmern können. damit wir Eltern die Möglichkeit haben, unsere Familien abzusichern. damit wir Mütter uns eine eigene Sicherheit aufbauen können, unabhängig von einem Partner. damit wir der Einsamkeit etwas entgegensetzen können.

Kinderbetreuung ist keine Schnapsidee. Kinderbetreuung ist die Konsequenz aus den Bedürfnissen und Notwendigkeiten erwachsener Menschen. und: niemand wird zur Kinderbetreuung genötigt. wer sich nicht anmeldet, hat keinen Platz. ganz einfach. so zu tun, als gäbe es einen gesellschaftlichen Druck, seine Kinder abzugeben, verzerrt die Realität. tatsächlich spielen bei dem Druck hauptsächlich wirtschaftliche Gründe eine Rolle und die Hebel für diese Gründe liegen ganz woanders.

btw: ich wurde noch nie (!) schief angeguckt, weil meine Kinder in der Betreuung waren, seit sie 1,5 Jahre alt waren. ich wurde noch nie schief angeguckt, weil ich arbeite. vielleicht fragen sich die vielen schief angeguckten Menschen mal, woher sie dieses Gefühl tatsächlich haben. aus der Brigitte? einer Zeitschrift, die gleichzeitig schreibt "finde Dich schön, so wie Du bist" und "nimm 10 kg ab mit der neuen koch-komplizierter-Diät"? und wenn jemand uns dann doch so schief anguckt, warum gucken wir nicht schief zurück und fragen nach, wie ein anderer Mensch dazu kommt, unsere Entscheidungen zu bewerten? Marketing muss hinterfragt werden! und immer, wenn Menschen an einer bestimmten Denkrichtung Geld verdienen, lohnt es sich, skeptisch zu sein.

Liefs,

Minusch

14 Antworten auf „liebe

  1. Du sagst es ja selbst im letzten Abschnitt, und da muss man umgekehrt fragen, wieso kommst du dann dazu, Eltern zu bewerten, die ihre Kinder gern zu Hause betreuen wollen? Das klingt alles ganz schön wirr und irgendwie verzweifelt. Schade das du kein Glück hattest. Aber deswegen kitafreie Eltern anzugreifen macht nicht wirklich Sinn. Alles Gute für dich.

    1. was meinst Du denn? wo greife ich denn Eltern an oder bewerte sie? und wieso kein Glück? meinen Kindern geht es ziemlich gut, entgegen der kitafrei-Propaganda. ich möchte einfach für all die Eltern, die ihre Kinder außerfamiliär betreuen lassen deutlich machen, dass die einseitige und eindimensionale Argumentation der kitafrei-Berfürworter*innen nicht unangreifbar und vor allem nicht grundsätzlich wahr ist. das ist alles. es gibt keine absolute Wahrheit. der Satz beinhaltet, dass ich niemanden entwerte. aber: ich kritisiere die Art und Weise, in der kitafrei unkritisch verbreitet wird.

  2. Ich bin sehr links und sehr grün, trotzdem habe ich meinen Sohn drei Jahre lang zuhause betreut. Nach zwei Versuchen, ihn bei einer Tagesmutter und auf einem betreuten Spielplatz zu integrieren, habe ich ob der Ignoranz der Betreuer/innen aufgegeben.

    Denn entgegen der immer wieder kolportierten Aussage des „normalen Weinens“ ist es durchaus möglich, ein Kind so sanft einzugewöhnen, dass es beim Abschied nicht oder nicht mehr traurig und ängstlich weint. Das Zauberwort heißt: ZEIT. Noch heute lasse ich mir mein ab und an weinendes Kind von den Erziehern nicht vom Arm pflücken, sondern warte, bis er sich freiwillig löst. Das dauert manchmal 20 Minuten. Die unterschwellig herablassenden Blicke der Kitaleute ignoriere ich. Ich kenne mein Kind am besten, ich werde ihm nicht das Gefühl geben, dass ich seine Gefühle ignoriere und lasse mir nicht von Erzieher/innen einreden, dass sue das alles besser wüssten.

    Niemand möchte sich ausreichend Zeit nehmen, das ist das Problem. Die Eltern dürfen nur einen gewissen Zeitraum begleiten, dann sollen sie sich besser heraus halten. Nicht überall und immer, aber oft. Gespräche zu den individuellen Bedürfnissen und Charaktereigenschaften wurden bei den ersten Versuchen nicht geführt, es gab stattdessen allgemeine, vorgefasste Ansichten darüber, wie Kinder reagieren. Stets und alle. Mir wurde sehr schnell vermittelt, dass ich nerve. In der jetzigen Einrichtung, die noch sehr bei war, habe ich so eingewöhnt, wie ich das für richtig hielt, es wurde geduldet und hat für mich und den Kleinen funktioniert.

    Der Kleine geht jetzt für 8 Stunden und es ist deutlich zu spüren, dass das für ihn ziemlich viel und sehr fordernd ist. Ich hole ihn um Vier, halb Sieben schläft er. Für ein Einjähriges Kind sind 8 bis 10 Stunden in den meisten Fällen sicher eine Zumutung. Für mein Kind wäre es undenkbar gewesen. Aus ganz individuellen Gründen.
    Und nein, ich habe keinen verdienenden Mann. Ich bin alleinerziehend genau wie Du. Und wie Du war ich auf staatliche Hilfe angewiesen.

    By the way: ja, in einem afrikanischen Dorf werden Kinder sicher nicht nur von den Müttern erzogen. Sie werden aber auch nicht mit einem Jahr für bis zu 10 Stunden täglich komplett von den Eltern getrennt.

    Ich bin sehr froh, dass mein Sohn jetzt recht gern in die Kita geht und ich mich fortbilden kann, ich war nicht gern nur zuhause, würde es beim derzeitigen Stand immer wieder so machen. Solange ich mit Erzieher/innen nicht intensiv über psychologische Inhalte wie bindungsorientiertes Aufwachsen, Bindungstheorien im Allgemeinen, Bedürfnisorientierung etc. reden kann, ist die Betreuung für unter Dreijährige Kinder in vielen Fällen ungeeignet.

    Das Kitafrei-Thema mit einem Rechtsruck in Verbindung zu bringen, ist unangemessen. Ich kenne ausschließlich linksorientierte Menschen, die ihre Kinder nicht von Beginn an normen lassen möchten und ihnen wenigstens drei Jahre vollkommen individuelle, uneingeschränkte Entwicklung zugestehen möchten.

    Die derzeitige, wirtschafts- und rentensystemfreundliche Krippeneuphorie erinnert an die DDR, in der ich geboren wurde. Und das war wirklich das Gegenteil von einem linken Land.

    1. Guten Morgen, Claudia.

      in Deinem Kommentar vermischen sich ganz wunderbar irrationale Ängste und Halbwissen zu genau dem, was ich kritisiere. es ist schon arg, sich über die pädagogische Meinung zu stellen und aufgrund eigener Recherche ohne kritische Expertise mit Fachpersonal über Bindungstheorien sprechen zu wollen. zugegeben: Erzieher*innen steigen da nicht ganz so tief ein wie Pädagog*innen, aber doch reflektierter und eingebettet in geschichtliche Entwicklungen als Laien zuhause.
      ja, es gibt viele tolle Bücher, die Dir nachvollziehbar erklären, worauf Du achten sollst, aber nicht alle sind gut und noch viel weniger haben tatsächlich Recht.

      ganz davon zu schweigen, dass wir Mütter in der Regel nur unsere Kinder betreuen und die Erzieher*innen schon aufgrund ihrer Ausbildung mit einem höheren Korpus an Einzelfällen ausgestattet sind, die ihnen erlauben, Situationen professionell einzuschätzen. wusstest Du, dass pädagogische Einrichtungen eine Selbstverpflichtung zur Supervision haben? das wird ordentlich genutzt, um Auffassungen, Einzelfälle und Gruppendynamiken zu analysieren und anzupassen. und das führt eben dazu, dass die meisten Menschen nicht über Bindungstheorien diskutieren müssen, sondern diese Menschen als Profis einfach akzeptieren können.

      as I said: ja, es gibt schwarze Schafe, wie überall in jedem Sektor in jedem Arbeitsfeld…aber auch nur genauso viele wie in jedem anderen Feld auch.

      wieviel weißt Du tatsächlicher über das Weinen und seine Signalwirkung? wieviel über Loyalitätskonflikte? wenn Du es nie versucht hast, hast Du nie erfahren, dass viele Kinder weinen, solange die Mama in Sichtweite ist und schlagartig aufhören, wenn sie den Raum verlassen hat. und das ist dann keine eindimensionale Aussage über das Bindungsverhalten im Sinne von sicher oder unsicher gebunden, sondern eben auch und das häufig sehr deutlich über die Erwartungshaltung der Mutter. das Weinen eines Krippenkindes hat verschiedene Ebenen und die haben eben auch mit den Eltern zu tun. vielleicht war es für Dich besser, Dein Kind noch zuhause zu haben? vielleicht warst Du noch nicht so weit? dieser Aspekt bekommt verdächtig wenig Raum in den Diskussionen darüber.

      Dein Kommentar, liebe Claudia, folgt typisch rechten Argumentationsstrukturen. Du übertreibst, überspitzt und weckst rechtschaffene Emotionen, ohne die Gegenseite sichtbar zu machen. ich glaube Dir sehr gern, dass Du in vielen Bereichen grün und links tickst, aber in diesem Bereich argumentierst Du rechts-konservativ und frauenverachtend.

      was, wenn die „Krippeneuphorie“ von anderen Frauen außer Dir getragen wird, weil sie es wollen? was, wenn es gar keine Euphorie ist sondern der Existenzsicherung dient? was, wenn nur ganz wenige Kinder 10h am Tag von ihren Eltern getrennt sind? und was, wenn Kinder wochenweise sogar ganztags bei Oma und Opa sind, weil die Mama nunmal Ärztin ist und ansonsten ihren Job in der Kinderklinik verliert, in der sie anderen Kindern hilft, wieder nach hause zu können?

      nein, unser pädagogisches Fachpersonal ist nicht durch die Bank unfähig, eine professionelle und vertrauensvolle Beziehung zu unseren Kindern aufzubauen. nein, es schadet unseren Kindern nicht, einen Teil ihrer Kindheit an einem anderen Ort als neben Mama zu verbringen und andere Strukturen und soziales Miteinander in größeren Gruppen zu lernen. ja, es ist elitär und näher am rechten als am linken Rand, wenn Eltern alle anderen für inkompetent erklären und in der Mutter (!) die einzige Person erkennen, die in der Lage ist, die eigenen Kinder angemessen zu versorgen. ja, auch links-orientierte Eltern nutzen rechte Argumentationsstrukturen, wenn sie sich von der indoktrinierten Angst haben anstecken lassen.

      ich kritisiere nicht, dass Eltern entscheiden, ihr Kind zuhause zu behalten. ich kritisiere, dass Eltern das lautstark tun um damit die Infrastruktur anzugreifen. ich kritisiere, dass Eltern behaupten, dass allen anderen Kindern Nachteile dadurch entstehen, wenn sie in den Kindergarten gehen. denn tatsächlich ist es anders herum:
      Kinder, die nie im Kindergarten waren, haben mit der Einschulung nicht nur den ersten Bruch im Tagesablauf sondern auch eine höhere Belastung in der Anpassung an die Klassenstruktur und das ausgerechnet dann, wenn tatsächlich die personelle Besetzung so besch**** ist, dass eben niemand mit ihnen mal 40min lang ein Bilderbuch lesen kann, um beim Beruhigen zu helfen.

      Claudia, ich kritisiere nicht Deine Entscheidung. ich kritisiere die Argumentation, die Wortwahl und die Schlüsse, die Du ziehst.

      liefs,
      Minusch

  3. Als meine Kinder klein waren, war ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nicht in Sicht. Also blieb ich mit meinem Sohn zu Hause und nach 1 1/2 Jahren waren wir beide sehr genervt voneinander. Dann bekam er einen Betreuungsplatz für zwei Vormittage in der Woche, und das tat uns beiden sooo gut! Er konnte sich mit Leuten seiner Größe und seines Entwicklungsstands auseinandersetzen, statt immer mit seiner Mama, die im Zweifelsfall stärker ist und sich einfach durchsetzt.
    Später war er gern im Kindergarten und fing schnell an zu fordern: „Mama, du sollst mir einen Fünf-Uhr-Platz besorgen!“ Er wollte nicht immer schon heimgehen müssen, während seine Freunde noch miteinander spielen durften.
    In der Grundschulzeit war er im Hort, hatte dort seine Freunde und brachte sie auch oft mit nach Hause.
    Auch als Jugendlicher geht er noch gern auf Ferienfreizeiten und gibt inzwischen seine guten Erfahrungen selbst als Betreuer weiter.
    Bei meiner Tochter lief es ähnlich und ich bin froh und dankbar über die Menschen, die sich so gut um unsere Kinder gekümmert haben. Und mal ehrlich: ohne Fremdbetreuung kann ein berufstätiger Mensch die 13 Wochen Ferien eines Schulkinds gar nicht abdecken!

    1. Hej, FrauC,

      auch das sind wichtige Punkte in der Debatte. die schlichte Erkenntnis: Kindergärten können etwas bieten, was einzelne Erwachsene nicht können. welches 4jährige Kind hilft schon dauerhaft gern beim Haushalt? oder wie schön sind gemeinsame Großeinkäufe?
      ja, es gibt immer Ausnahmen, grundsätzlich, aber bei den meisten Kindern ist es dann doch eher so, dass sie keine Lust auf Wäsche waschen, Staubsaugen und Gemüse einkaufen haben. aber auf Ausflüge, Basteln und Toben (etwas, was zuhause auch nur viel eingeschränkter möglich ist, als im Kindergarten).

      Danke für Deinen Beitrag.

      Minusch

  4. Nun, jeder hört eine andere Kritik heraus, ich höre immer nur, dass lange und frühe und tägliche Betreuungszeiten den Kindern nicht schaden und ich mich mal nicht so haben soll mit meinen relativ großen Kindern 😦

    Ich finde, wir sollten frei von Ideologisierung wählen können, ab welchem Lebensalter, wie lange täglich u wie oft täglich wir unsere Kinder betreuen lassen möchten, sofern es mit Arbeitszeiten/persönlichen Verhältnissen in Einklang zu bringen ist natürlich. Wir sollten uns in unseren Entscheidungen stärken, anstatt uns gegenseitig zu kritisieren.

    Es nervt mich einfach, dass ich mich immer wieder erklären und verteidigen muss, dass ich es für unsere Familie einfach nicht gut finde, mehr zu arbeiten. Andere haben andere Kinder, andere sind vielleicht auch belastbarer als ich…

    Liebe Minusch, das Wichtigste sind doch Liebe und Geborgenheit und davon spüre ich in deinem Blog ganz viel, deswegen lese ich hier auch gerne. Und es freut mich, dass ich so viel Schönes von euch lesen konnte – ich wünsche Euch alles Gute für euer neues Leben in der neuen Wohnung.

    LG,

    STefanie

    1. Hejhej Stefanie.

      das ist genau, was ich meine:
      jede Familie sollte für sich entscheiden dürfen und können. niemand sollte wegen dieser Entscheidung eingeredet bekommen, dass sie/er dem Kind damit schadet, denn beide Systeme, Kindergarten wie eigene Betreuung, haben Features, die das jeweils andere nicht hat.

      es macht nicht mal Sinn, beides zu vergleichen. tatsächlich ist es sinnvoller, auf das eigene Kind und die eigenen Ressourcen zu schauen und dann zu entscheiden. beschissen wird es nur dann, wenn das Kind aufgrund von Ressourcen nicht ausreichend berücksichtigt werden kann.

      ich verurteile nicht, dass Menschen ihre Kinder zu hause lassen. ich verurteile die Begründungen dazu:
      -Kindergärten/Krippen sind unfähig
      -nur die Mutter kann das Kind betreuen
      -Kindergärten stressen Kinder nur
      -Familien werden gezwungen, ihre Kinder fremdbteruen zu lassen

      <<diese Punkte sind nicht universell. aber es wird immer wieder so getan, als wären sie es.

      keine Familie sollte sich rechtfertigen müssen. wenn mir jemand erzählt, dass Kindergarten nicht in die Tüte kommt, dann nicke ich die Extrabelastung ab. ich kenne Kinder, die sich in Gruppen nicht wohl fühlen. es sind nicht viele, aber sie existieren.

      Danke für die guten Wünsche! ❤

      Minusch

  5. Ja, es gibt einen gesellschaftlichen bzw. politisch gewollten Druck, seine Kinder abzugeben: In Rheinland-Pfalz hat man an manchen Grundschulen nur noch die Wahl zw. Ganztagschule mir verpflichtender Anwesenheit von Mo bis Do bis 16:00 oder privater Betreuung. Hort oder flexible Betreuung werden aus Kostengründen abgeschafft.
    Ich finde es schlimm, dass Familien die Möglichkeit genommen wird, über die Betreuungszeiten ihrer Kinder mitzubestimmen.

    1. Nein, es gibt keinen gesellschaftlich oder politisch gewollten Druck. wenn Deine Schule nur diese beiden Extreme anbietet, heißt das nicht, dass das in ganz Deutschland so ist.
      unsere Grundschule beispielsweise unterrichtet bis 11:30 (was für Arbeitnehmer-Eltern ein Witz ist) und bietet anschließend für ein paar Kinder Nachmittagsbetreuung an, gestaffelt bis 14:00, 15:00 und 16:00.

      Schulen haben da Gestaltungsfreiräume. wenn Eure Schule zu unflexibel ist, könnt ihr Eltern Euch organisieren und etwas anderes fordern. es sei denn, die meisten Eltern finden dieses System gar nicht schlecht, weil sie so sorgenfrei Vollzeit arbeiten können. und auch dann ist es kein gesellschaftlich oder politisch gewollter Druck sondern ein Kollision von Einzelinteressen.

      ich habs echt gar nicht mit Übertreibungen, weil diese Debatten verzerren und Paranoia anheizen. dass Ganztagsschulen überhaupt geschaffen wurden, war ein Wunsch vieler Familien! aufgrund elterlichen Widerstandes gibt es kaum noch Hitzefrei, weil es auf der Arbeit echt schwer zu vertreten ist, einfach ne Stunde früher zu gehen, weil das Kind spontan früher heim kommt. ja klar gibt es auch Familien, die es gerne kuscheliger wollen und so, wie sie es von früher kennen. aber andererseits hängen eben auch Existenzen an der Möglichkeit, arbeiten gehen zu können.

      die Revolution müsste sicher nicht bei der Stürzung der Ganztagsschulen anfangen.

      Minusch

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