aus die Laus

liebe Leut, ist das frustrierend. vor zwei Wochen habe ich diese Biester auf den Köpfen gefunden und sofort reagiert: meine Eltern waren so lieb, Dienstagabends noch zur Not-Apotheke zu fahren. ich habe gegoogelt. alles ganz einfach:

Shampoo-Lösung auftragen, 10 min einwirken lassen, mit etwas Wasser aufschäumen, ausspülen, dann eine Pflegespülung verwenden für Kämmbarkeit und um die Läuse nochmal auszubremsen und dann mit dem Läusekamm (LÄUSEKAMM! nicht feinzinkiger Carbonkamm vom DM) auskämmen. und diese Mittel aus der Apotheke sind gut verschreibbar, also ist es auch nicht so schlimm, dass auf der Quittung 35,- stehen…

beim Auskämmen war ich schon etwas angeekelt: die Viecher lebten noch!!! ich kämmte und kämmte und zog immer wieder Viecher aus den Haaren, die ich dann selber kaputt gedrückt habe. vielleicht mal nachfragen bei der Apotheke. mir wurde telefonisch erklärt, eigentlich müssten alle tot sein, aber vielleicht stürben dir durch das Mittel auch noch im Laufe der Nacht. nagut. naaaaagut. wir glaubten an die Medizin und gingen weiter: Betten abziehen, Klamotten in den Wäschesack, Mützen, Jacken, Schals, Kuscheltiere…alles waschbar! Jackpot.

so gegen 22:50 waren wir dann fertig mit all den Prozeduren. es hat knapp 3h gedauert. hier sah es aus, als wäre ne Bombe explodiert. aber da noch Viecher in den behandelten Haaren saßen, hatte ich am nächsten Morgen auch keine Hemmungen, uns krank zu melden: wenn es etwas gibt, womit Dich niemand am Arbeitsplatz sehen will, dann Läuse! ich informierte die Kinder, mit denen wir gespielt hatten schon am Abend, rief dann morgens beim Kindergarten an, bei der Grundschule, bei meiner Schule, schrieb in die Team-Gruppe, rief in der Verwaltung an…ok…Wäsche waschen…ich kriege das hin.

zwei Tage später beim Kinderarzt wurde mir erklärt, dass wir Mosquito med Shampoo 10, das Mittel der Wahl der Apothekerin, nicht verschrieben kriegen könnten, weil die Rabattverträge und die Krankenkassen und es würde eh kaum was wirklich wirken außer Goldgeist. das teuerste Mittel, Nyda, sei zum Beispiel in der Wirksamkeit nicht wirklich nachweisbar und, naja, ist halt schade um die 25,- des Shampoos, die wir schon bezahlt haben, aber eben Pech. hätten wir einfach vorher wissen müssen. aha. übrigens: Kinder, die gerade frisch behandelt wurden, seien empfindlicher für einen Neubefall! Obacht! regelmäßig kämmen! aha.

als ich für die zweite Behandlung das Goldgeist-Rezept einlösen wollte, erklärte mit die Apothekerin deutlich, dass Goldgeist bekannt dafür sei, Resistenzen zu bilden. sie empfehle Mosquito med Shampoo 10 oder Nyda (Nyda habe sogar einen Sprühadapter für einen effektiveren Auftrag!). ich sah die Goldgeistflasche (ein Flachmann ohne besonderes Auftragehilfe, das Design so alt wie der Name) und dachte: ich frag nochmal nach…irgendwie wäre ich gern bei dem Zeug geblieben, dass wir schon hatten.

ich rief bei der Kinderärztin an: nein, also nur Goldgeist und den Läusen sei das völlig egal, womit behandelt worden wäre von wegen Resistenzen. nein, Nyda sei einfach nur teuer. sorry. Goldgeist it is.

also Goldgeist. nagut. wird schon werden.

ich vermied zwischendurch zu googeln, um mich nicht verrückt zu machen. einfach benutzen, wie Millionen Eltern vor mir seit 50 Jahren. ich reihe mich ein in die Erbinnen. ok.

die Anwendung ist erwartbar beschissen, nagut. dafür hat es nichts gekostet. ok. nach 30-45min Einwirzeit dasselbe Ergebnis wie mit Mosquito: ich ziehe zappelnde Tiere von den Köpfen und hoffe einfach, dass alles trotzdem irgendwie elendig zugrunde geht. wir entspannen uns. Verabredungen mit Freunden, Kuscheln, Haare wuscheln…bis zu dem Moment 3 Tage später:
k1: „Mama, meine große Lupe ist total super! damit kann ich viel mehr erkennen!“
me: *mit beiden Armen im Klo beim putzen* „super, Schatz! was schaust Du Dir denn an?“
k1: „eine Laus!“
me: oO

…ich möchte erklären, dass ich meinen Kindern die Tiere alle gezeigt habe. sie sollen wissen, wie die aussehen. hat sich offensichtlich gelohnt. ich kämmte auf dem Kinderkopf herum und fand noch ein paar und wir sagten unser Nachmittagsprogramm (Darmstadt spielt…:-(( ) ab. zum dritten Mal alles einölen, shampoonieren, waschen…

ich habe Montag gekämmt.
Dienstag.
Mittwoch.
Donnerstag wieder…eine Große! aha! ich hatte von Neuansteckung gelesen! direkt mal die Klassenlehrerin informieren! und abends beim Kleinen auch nochmal gekämmt: kleine. mehrere. vielen Dank.

also, nach allem, was ich inzwischen gelesen und gehört habe, möchte ich zusammenfassen:

-über diese vermeintliche Scham brauchen wir nicht reden. Läuse kommen vor. denen ist egal, wo das Kind lebt, oder die Mama. die kommen einfach so wie Mücken. und sie bleiben, wenn sie nicht gekillt werden.
-ja, die erstickenden Mittel wirken nach, da sind nicht alle Tiere gleich platt. bei Goldgeist gibt es erst den sogenannten „knock-down-Effekt“. der soll alle Tiere sofort bewegungsunfähig machen. wenn sich auf dem Kopf also nach Anwendung von Goldgeist noch was bewegt, dann ist das mit der Resistenz extrem wahrscheinlich.
– Goldgeist-Resistenzen sind bekannt! es gibt sie! daran gibt es nichts zu rütteln! Goldgeist arbeitet mit einer Kombination von Nervengiften und gilt trotz Resistenzen als effektiv genug und ist das billigste Mittel (das das Praxis-Budget am wenigsten belastet! deswegen wird es so gern verschrieben!!!! es ist nicht besser!!!)
– Resistenzen bedeutet: es überleben einige Läuse und genau DIE pflanzen sich dann fort! daran ist nichts lächerliches. also, falls Euch nochmal wer was darüber erzählen möchte.
– der Läusekamm ist unerlässlich. diese Biester können tatsächlich ausweichen (die haben ja auch einen Überlebensinstinkt) und in normalen Kämmen bleiben nur die wirklich großen hängen. es ist auch nicht blöd, eine Spülung im Haar zu verteilen und nicht auszuspülen, weil die Viecher dann in so einem Schaumhaufen im Kamm kleben bleiben.
– wenn ein Mittel auf seiner Homepage damit wirbt, von den Krankenkassen zugelassen zu sein, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das stimmt (Krankenkassen sind gut erreichbar. wenn Du den Namen des gewünschten Mittels hast, finden die auch schnell eine Antwort).
– Nyda ist das teuerste Mittel auf dem Markt, es ist ist wirkungsvoll, ABER: der Zerstäuber/die Sprühfunktion kann durch die Vernebelung dazu führen, dass es eingeatmet wird! da die Öle die Atemfunktion der Läuse angreifen und zu Erstickung führen, muss jede*R für sich selbst entscheiden, ob das ein Risiko für die eigenen Kinder ist, unter einem solchen Sprühnebel zu sitzen.
– Mosquito med 10 Shampoo wird von der Krankenkasse übernommen.
– wenn Ärzte sich weigern, diese Rezepte auszustellen, kann es möglich sein, diese Mittel direkt von der Kasse erstattet zu bekommen. die Läusemittel werden verschrieben für Kinder bis 12 Jahren!!!

<<diese Fakten stimmen!

was die erhöhte Wiederansteckungswahrscheinlichkeit angeht konnte ich nix finden. es gab noch die Empfehlung Weidenrindenshampoo vorsorglich zu verwenden, mit Essig zu spülen, Olivenöl zu nehmen…naja. sinnvoll ist es, die Wäsche zu waschen. bei kalten Temperaturen auf dem Balkon kann die Bettwäsche auch eine Weile dort hängen um die Viecher zu killen (sie überleben ohne Wirt ohnehin nur maximal 48h und sind außerhalb der Haare echt langsam). einfrieren soll auch nachhaltig wirken…also beispielsweise Wollmützen oder sowas.

ansonsten: Talk about it! sprecht darüber, was bei Euch geholfen hat und was nicht! es gibt Gegenden, in denen sind die Biester gegen andere Mittel resistent. und seit so lieb und nehmt diese beschissenen Läusezettel ernst. Läuse sind nicht gefährlich. nur verdammt eklig. ja, sie binden Ressourcen, weil es aufwändig ist, sie zu bekämpfen, aber wenn wir alle mithelfen, kriegen wir das Zeug los (*insert Flammenwerferemoji*).

life-hacks:

– für Singleparent-Familien: ich habe meinen Kopf über das weiße Waschbecken gehalten und so ausgekämmt (und inzwischen habe ich eine schnittige Kurzhaarfrisur, die mich zwar auch nervt, aber in diesem Punkt sehr pflegeleicht ist). einfach das trockene Haare wieder und wieder und wieder kämmen…dann lassen sich auch Schuppen als solche identifizieren…und das, was ins Becken fällt, kann direkt weggespült werden.
– überhaupt: kämmen. wie ein Mantra. oder wie Beppo Straßenkehrer. wir haben meistens keine Laborbedingungen mit optimalen Lichtverhältnissen und abgesehen davon: wenn Du 30min lang kämmend einen Kinderkopf anstarrst, erkennst Du sicher irgendwann einen 3d-aztekischen Tempel oder die Burg aber nur mit viel Glück die Laus in ihrem Habitat.
– Fernsehen…sorry, but: yes! ein geradeaus starrendes Kind ist eine gute Voraussetzung fürs Kämmen. mein Kleiner findet Kämmen scheiße, aber Lego Ninjago ist cool. ich habe an dieser Stelle keine Fragen mehr.
– dem Kind ein großes Handtuch umhängen, damit es das Zeug, das auf der Haut kaum spürbar ist, damit abtupfen kann und nicht mit den Fingern rumwischt.
-Geschichten erzählen…damit der Ekel nicht gewinnt, erzähle ich Geschichten. ich pöbele Läuse an, komme mit dem Räumungskommando, kommentiere die schlechte Zahlungsmoral der Läuse und erkläre, dass es nur juckt, weil die sich ärgern, rausgeschmissen zu werden. würde uns ja auch ärgern. ahhh, da juckt es? das war der Kühlschrank, der gerade rausgeschoben wurde…gut, die sollen alles mitnehmen.
am nächsten Tag hatte der Kleine Gewissensbisse, dass wir so viele Läusefamilien vertrieben haben. glücklicherweise saßen wir in der Badewanne und er hatte gerade aus Schaum Frankfurt nachgebaut, so konnten wir Frankfurt einfach den Abfluss runterschicken, damit die Läuse dort wohnen können!

Liefs,
Minusch

Eine Antwort auf „aus die Laus

  1. Oje, das ist übel. Ich hatte als Kind auch öfters mal Läuse, aber das ging mit einer Haarwäsche und dem Auskämmen immer gut wieder weg. Bei euch hat es sich ja verdammt lange hingezogen :-O Danke für deine Fakten und die Lifehacks. Ich hoffe natürlich, wir brauchen es nie… aber wahrscheinlich kommen wir auch irgendwann damit in Berührung.

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