was geschieht

seufzende Menschen rundherum. Hitze, Schmerzen, Enttäuschung, Angst, Regen, Sehnsucht. wir durchirren Momente. Tag für Tag fädeln wir Erinnerungsperlen auf und am Ende der Woche liegt hinter uns ein undurchschaubares Knäuel aus dem die Hälfte aus Effektivitätsgründen bereits vergessen werden musste.

hätte ich nicht so vieles festgehalten, hätte ich nicht so oft gefiltert, was ich erlebt habe, ich erinnerte heute noch weniger als ohnehin. dabei ist mein Erinnerungsvermögen gut. doch ich habe vergessen. ich hatte den Twitter-Account vergessen, der mich so lange begleitet hat in Andeutungen und bittersüßen Versprechungen, von denen klar war, dass sie nie dem Geschehen anheim fallen würden. ein zartes nach vorne hoffen mit der eigenen Fantasie als Grundlage. nicht mehr.
ich hatte den Biologen vergessen, der so weinselig lächeln konnte kurz vor der Selbstverleugnung. ich werde den Bienen-Menschen vergessen haben. bald. nehme ich an.

Dich, ja, Dich gerade, möchte ich nicht vergessen müssen, auch wenn Du unfassbar bleiben wirst. ist das Liebe? das Bewahren eines anderen in der Erinnerung? ist es Kunst? geschaffen für den Augenblick, an dem die Hand an dem Hebel liegt, der die Weichen stellt?

reicht es aus, einmal im Leben gesehen worden zu sein um daraus die Gewissheit zu ziehen, den eigenen Belang nicht überschätzt zu haben? ist es vielleicht labil, sich diese Bestätigung wieder und wieder zu wünschen? so wie Kinder mehr und mehr Lego-Sets zu brauchen, um sich sicher zu sein, Lego zu besitzen?

ich habe Fragen an diese Tage, dieses Wetter, den Jetstream. ist es gut, sich selbst von anderen bestätigen zu lassen? ja, ein Blick verändert den Tag und gehört zu werden ist notwendig. aber…aber was wenn gerade die Dichte der Menschen verhindert, dass ein einzelnes außerhalb der Raster nicht als bedrohlich aufgefasst wird?

was geschieht in Deinem Körper, wenn ein Mensch Dich repetiert, ohne Deinen Text gelesen zu haben? ich habe geschwiegen, geschrieben *guckt sprachlos* und gewartet auf die Erwiderung *küsst dein sprachloses Gesicht*. der intellektuelle Bedarf nach Bestätigung ist verebbt. wer weiß für wie lang.

wer muss einen Menschen zitiert haben, damit der Mensch zitiert wurde?

wie Sperrmüll lagern manche Erinnerungen im Keller bis zur Abholung. nur gibt es keine Nummer für die Bestätigung des Abholtermins. es gibt stumpf geschnittene Zeiträume aufgeladen mit der Angst vor dem Alter. aber genau genommen schützt uns unser individualistisch gestrichenes Wolframselbstbild doch vor genau diesem Leid, oder? ein Stern explodiert nicht einfach. ein Stern verdichtet sich bis zur Selbstzerstörung.

was bedeutet ist was bedeuten soll. was im Vergleich besteht. als soziale Wesen gelingen wir über Vergleiche bis endlich einer den Vogel abschießt und den Standard setzt. wie identitätsstiftend ist Leid, verdammt? wieviele Varianten von „das hätte ich nicht ändern können“ kennen wir?

wer bin ich, wenn ich nicht da bin?

wer bist Du, wenn Du nicht antwortest?

wer sind wir, wenn wir ein klingelndes Telefon bemerken wie eine Giftschlange im Pampasgras?

ich habe mich gefragt, wie Menschen dazu kommen, verliebten Teenagern zu empfehlen, cool zu bleiben, wenn das Geliebte aufhört zu erwidern. wie können wir empfehlen, auf Abstand zu gehen, wenn alle Organe die Nähe fordern für die emotionale Photosynthese? und wann kommt Rudi Carrell und klopft uns väterlich auf die Schulter, weil wir es endlich geschafft haben, Beziehungen mit dem nötigen Abstand für allenfalls sandige Hysterie zu betrachten.

hej, copycat of my lost words from march, if you pronounce your name english you sound like a bullfrog. haha. love it. no offense, buddy. you still are beautiful in a forbidden kind auf way. and I masturbated myself away this afternoon without listening to the birds outside.

wenn Liebe ewig dauert, meint das dann unsere Erinnerung? ist lieben erinnern? oder ist das so erfunden wie die Zahnfee? spielt es keine Rolle? freiwillige Abhängigkeit als Übersetzung einer lebenslangen Beziehung, die zwei Menschen sich so kommod wie möglich gestalten? oder spirituelle Bereitschaft zur Übersinnlichkeit? ist das Geheimnis das ja? die Berührung? der Kompromiss? oder hat jeder Mensch für sich das Recht, all das auf sich bezogen zu definieren?

wie egoistisch handle ich, wenn ich für mich fordere, mehr zu sein als ich bin?

Liefs,
Minusch

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