Bescheidenheit #weltfrauentag

guten Morgen

worüber habt ihr schon Artikel gelesen heute? Moria? Victimblaming? Abtreibungsgegner? Klimawandel und Frauenrecht? ich hab das alles überflogen, weil ich seit dieser unfassbar ekelhaften Shell-Kampagne am liebsten mein Geschlecht abgeben will. ich verlinke das Ding auch nicht. seid froh, wenn Ihr es nicht seht (wobei es sicher schwer ist, daran vorbei zu kommen).

ja, Männer interessieren sich inzwischen für Frauenrechte. manche meinen es sogar aufrichtig. die einen werden mit dem Spezialgebiet „Feminist( ) sein“ zu Panels eingeladen. andere erschließen sich die Gruppe der „frustrierten Feministinnen“ als Sexpartnerinnen (geil, politisch korrekter Sex). Frauen als Marketingzielgruppe sind Dank Frauenquote auch endlich interessant, schließlich verdienen manche von uns ja sogar richtig Geld. manche Männer bekennen sich zu ihrer femininen Seite, finden zwar die Diskriminierung deswegen kacke, aber immerhin können sie so geilere Klamotten kaufen. well. ja. that’s it: Frau als spiritueller Aggregatzustand. geilo.

Frauen kennen alle dieselben Geschichten.

über beschissene Fragen bei Bewerbungsgesprächen, angekumpel am Arbeitsplatz („Ups, sorry…hab Deine Brüste ja gar nicht gesehen..hahah“). es ist so naheliegend, Frauen für Krimis umzulegen auf jede erdenklich perverse Art. je perverser, desto Kunst! Frauen und Kinder. immer zusammen denken.

Frauen und Kinder. geschlagen, gefickt und dann beschimpft. running gag in history.

„wow, dass Du von Deinem Ehemann geschlagen wurdest, kann ich kaum fassen. DU SIEHST GAR NICHT SO AUS“
„ich hasse Frauenschläger (TM). echt. aber ich kann voll verstehen, dass einem mal die Hand ausrutscht bei der Bitch“
„Süße, echt, mach mal ne Therapie. son Trauma löst sich nicht von alleine“
„Du kannst mich nicht für Deine Vergangenheit verantwortlich machen, klar?“
„sie hat ihn echt rausgeschmissen? krass. der Arme…“

…IHR KENNT DAS!

und dann kommt so jemand jungdynischmliberales um die Ecke und erzählt mir mit wippenden Pumps davon, dass IHR sowas ja nicht passieren würde, weil sie selbstbestimmt ist. und ich erinnere mich an mein Ich Anfang 20 und mit was für einer Arroganz ich über diese Tussen in lila Latzhosen gelacht habe. die werfen Tampons – voll eklig – und den Mist mit der Abtreibung brauchen doch nur Schlampen. ich bin keine. so what?

inzwischen werde ich nicht nur von Männern und liberalen Erfolgsfrauen verachtet sondern auch von linken Aktivistinnen, denen ich nicht krass genug auf dem Scheißzug mitfahre. eigene Meinung? Fick Dich, TERF! Du tötest Menschen mit Deiner Meinung!

ich kann das alles kaum zusammenfassen. ich bin fassungslos. wo ist mein safe space in der Gesellschaft in der ich selbst mit 42 noch Docs tragen muss und fest und klar meinen Standpunkt zu vertreten? haha. ich werde niemals vergessen, wer bei mir war an dem Tag, als mein Mann von der Polizei der Wohnung verwiesen wurde: NIEMAND. FUCKING NIEMAND!

„ey, Minusch, Du klingst super bitter…“

ja, Fuck! logisch klinge ich bitter!

„Sie schreien immer so. das stört den Hausfrieden“

ich wurde in meinem Leben schon an Wände gedrückt, gewürgt, an einem Bein durch einen Flur gezogen, von Fremden an den Arsch/die Titten/in den Schritt gefasst, im Zug bedrängt und gefragt, ob ich mich für Geld in den Arsch ficken lassen würde. von Männern. es gab keine Lebensphase, in der ich sicher war. nirgendwo. nicht eine. und nicht mal mein Zuhause war sicher.

ich bin Akademikerin, übergewichtig, durchschnittlich attraktiv, selbstbewusst. ich trage NIE tiefe Ausschnitte oder kurze Röcke, weil mir das gar nicht gefällt. ich bin kein „Opfertyp“, selbst wenn diesen „Typ“ so viele Menschen als Ursache für diese Straftaten herbeizitieren, wenn die Kleidungsauswahl keine Begründung hergibt. ich wurde als Schlampe beschimpft, als gestört, arrogante Kuh, eingebildete Fotze. nur, weil ich meine eigenen Grenzen geschützt habe. Opfertyp, my ass! ich hab schon zurückgeschlagen, als ich noch in der 5. war. aber es reicht nicht! es reicht nicht, zurück zu schlagen! es reicht nicht, so gfK-mäßig einfach zu gehen. ES REICHT NICHT!

„Selbstverteidigung für Frauen! mach das mal! dann fühlst Du Dich besser“
„mit Kondom spüre ich nichts, Süße…“
„SORRY, ich hab das Kondom voll vergessen…shit…“

aber mir wird erklärt, dass wir Frauen nur Karriere wollen müssen. eben konsequent sein! wenn die Frauen nicht in die Vorstände wollen, tja, was sollen denn die Kerle da machen?

die Frauen, die mal eben auf dem Betriebsklo vom Chef bedrängt werden, die sollen mit dem Arschloch täglich zusammenarbeiten und sich jeden Vorschlag durch seine Klüngelwirtschaft zerschießen lassen? die Mütter mit PTBS, deren Kerle sie verlassen, weil sie zu viel kontrolliert haben, sollen die in die Politik? mehrere Abende im Monat zu Gremiensitzungen und danach im Dunkeln nachhause gehen, weil IRGENDWER muss ja als gutes Beispiel voran gehen, ODER?

„Männer sind doch die Benachteiligten! Frauenquoten, frauengeile Familiengerichte und den scheiß Unterhalt für die Kinder kann die Fotze sich mal schön selber zahlen!“

mein Herz hängt am Feminismus. seit locker 25 Jahren. ja, wir haben einiges verändert. aber ich habe vor 25 Jahren noch nicht ahnen können, wie ekelhaft diese Welt tickt, wenn es darum geht, Frauen zu schützen. Frauen und Kinder. immer zusammen denken. wie sie Mütter behandelt. wie sie junge Frauen ausbeutet. wie sie gesundes Wachstum verhindert.

„mich hat das auch net umgebracht!“

oh doch. hat es. wenn Dich meine Wut stört und wenn Du lieber Deine Ruhe möchtest, um Dich in Ruhe um Deinen Scheiß zu kümmern, dann bist Du tot. ist ok, ich bewerte das nicht, denn ich weiß, dass auch Du Gründe dafür hast. ich frage mich nur:

WER KANN DAS BEENDEN??!

„sollen wir Frauen abfeiern oder was? Fick Dich!“

ja, solltet ihr. feiert uns. feiert uns. wir riskieren unser Leben für neues. die größte Gefahr für eine Frau in Europa geht von ihren Partner aus. und wir gehen trotzdem Beziehungen zu Männern ein. weil wir es nicht fassen können, dass das wahr sein soll. weil wir an Veränderung glauben. weil uns immer wieder erzählt wird, dass die, die bitter sind, nur neidisch seien auf das Glück der anderen.

echt jetzt?

ihr wisst doch gar nicht, wieviele Eurer monogam-liebenden Kerle schon gefragt haben, ob ich mich nicht doch mal ficken lassen würde…ich, oder sie. oder die rumänische 18-jährige im „Sauna Club“. sexuelle Freiheit, oder? Freiheit. es gibt wenige Worte, die so viel Bitterkeit transportieren wie „Freiheit“. außer „Liebe“.

gemeinsam alt werden können nur Menschen, die nicht vorher sterben. let that sink in. und dann meckert nochmal über meine „Bitterkeit“. sie ist das einzige Gegengift gegen Instagram-gestylte Wochenend-Bases von Familien mit gelingendem Leben. choose your pill, bitch. ich warte hinter der Turnhalle.

Liefs,

Minusch

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