what shall we do…

…na? wer hat jetzt einen kleinen Ohrwurm? EARLY IN THE MORNING!

sorry, ich nehme die humorvollen Phasen ernst, damit ich die depressiven Episoden mit freundlicher Distanz vorbeiziehen lassen kann. ja, der schwarze Hund, die schwarze Dame, das Herz in einer Holzkiste oder der Korken im Herzen, sind jetzt wieder sehr viel greifbarer als in den routinierten Alltagsabläufen, in denen wir uns für alle Eventualitäten schon freundlich zugenickt haben. ja, Wochenenden dürfen auch komplett im Schlafanzug verbracht werden. ja, 3 Filme am Stück/3h Minecraft/eine Staffel Legend of Aang sind ok, wenn dadurch vermieden werden kann, sich als Versager*in zu erfahren (selbst wenn wir alle selbstnatürlich wissen, dass wir pädagogisch auf jeden Fall versagt haben. wenigstens relativieren das dann hoffentlich die Kinder während der vergehenden Zeit).

also ich für meinen Teil absolviere normalerweise (TM) Woche für Woche eine Kür zwischen Nähe und Distanz, Zufriedenheit und Selbstzweifel und „ich werde geliebt“ und „niemand ist da“. diese Kür ist choreografiert, damit ich eben nicht, wie noch vor einiger Zeit wochenends abschmiere. ich arbeite mit dem Wetter, mit der Ernährung, mit Badewanne/Kaffeemaschine/Kühlschrank/Playlists/dicken Socken. und natürlich mit meinen Bewegungen zwischen a und b und c und d. mit Umarmungen. blöden Witzen. und Blickkontakten.

damit bin ich stabil.

was heißt: jetzt bin ich es erstmal nicht mehr. so einfach. so logisch.

ich bin also wieder drei Schritte zurückgegangen und muss meinen Alltag neu erfinden. auf einer neuen Grundlage und für eine unbestimmte Zeitspanne. eingebettet in Unsicherheit über meinen Bewegungsradius, schlechtem Gewissen und Fragen wie „welche Lebensmittel sind wichtig, welche einfach schön und welche habe ich aus Selfcare-Gründen für Worst-Case-Szenarios?“
wir sind in dem Worst Case schon unterwegs. denn vor uns liegen apokalyptische Bilder aus anderen Ländern, liebevoll kuratiert von den wenigen Quellen, denen wir noch vertrauen. Worst Case fordert angemessener Umgang damit. OK

gut ist: es gibt kein one-size-fits-all. niemand kann uns sagen, was wir wirklich machen müssen, abgesehen von einer Lamalänge Abstand, Hände waschen und bei Bedarf die Masken selber nähen. wir sind noch alle in dem Stadium, „Sauerstoffmaske im Falle eines Absturzes sich selbst übern Kopp zuppeln“. die meisten von uns wiederholen, was wir eh schon wissen: halte Deine Tagesstruktur.

davon bin ich selber ne große Freundin…aber meine Kinder nicht! und wenn ich die Struktur entgegen der Energie meiner Kinder halte, kacken wir alle ab. also: nee.

let it go…

aber: wir dürfen alles versuchen, was uns einfällt! immerhin! unser „Homeschooling“ hier wandert zum Beispiel durch Raum und Zeit: Küche>Treppe>Spielteppich>Kinderzimmer>…
9:00>8:00>7:00>9:00>11:00>14:00…bisher gibt es keinen nennenswerten Vorteile von egal was, aber wir reden drüber. das ist was wert.

auch unsere sonst fixen Essenszeiten wandern. und wir essen auf dem Balkon, unterm Tisch, getrennt, in der Küche, vorm Fernseher, im Bett…meistens zusammen. selten getrennt. und es geht irgendwie.

und abgesehen vom Minecraft-Zocken haben wir
-alle Samen gesät, die wir finden konnten
-Pflanzen umgetopft
-Wasser mit Lebensmittelfarbe eingefärbt und mit Strohhalmen pipetiert
-dieses Papierraupenrennen nachgemacht
-ein Kunstwerk nachgestellt
-Ode an die Freude mitgesungen
-das Bastelpaket vom Bund bestellt
-den Wasserfarbenführerschein angefangen
-ein Video aufgenommen
-„Rolltreppenmax“ auswendig gelernt
-mit Wasserpistolen vom Balkon gespritzt
-den obligatorischen Regenbogen ins Fenster geklebt
-Disney+ abonniert (meine Kinder finden Star Wars scheiße 😩)
-eine Zitronen-Batterie gebaut
-drölfzigtausenmal die Küche aufgeräumt
-Möhrenchips frittiert
-in der Badewanne ???-Kasetten gehört
-einmal Alba Berlin mitgeturnt
-4 x Igor Levit zugehört

…und ganz viel gekuschelt, zeitversetzt geweint, schlechte Laune bekommen, uns gestritten, Essen scheiße gefunden, traurig aus dem Fenster gestarrt…ich habe an mir gezweifelt, mich abstoßend gefunden, mich einsam gefühlt, Übelkeit gespürt, 100 andere Krankheiten selbst diagnostiziert, in mir die schlechteste Mutter der Welt erkannt und mich echt häßlich gefunden. immer. wieder. inzwischen erkenne ich darin ein Wellenmuster. erst waren es je zwei Tage oben und dann zwei Tage unten. inzwischen habe ich tägliche Wellen mit oben und unten und die sind tatsächlich einfacher, weil die was biorhythmisches haben. vielleicht gibt es die großen Wellen zu den kleinen aber auch trotzdem noch. ich beobachte das ja erst seit 10 Tagen so genau. gut daran ist: durch die Rückschau weiß ich, dass mein Körper einfach reagiert und ich nicht für immer in diesem ollen Brunnenschacht festsitze. ich kann morgens aufstehen und wieder Farben gut finden. selbst wenn ich zwei Tage lang am liebsten nur im Keller gesessen hätte.

meine Kinder durchlaufen solche Wellen auch! sie haben einen anderen Rhythmus als ich und die Wellen scheinen mir von außen betrachtet auch komplexer zu sein. Phasen von völlig fantastischem Lachen und Toben wechseln sich ab mit Phasen voller Melancholie vor dem Fenster. manchmal braucht ein Kind ganz plötzlich ganz viel Nähe. und dann steht das andere daneben und braucht aber auch und die Rechnung geht nicht mehr auf. aber da unsere Wohnung voll ist mit uns und wir an jeder Stelle irgendwas haben, was uns gut tut, gehen auch diese Phasen vorüber. sie gehen vorüber. sie bekommen ihren Raum. wir sehen sie. und wir lassen sie ziehen.

und auch wenn ich heute keinen so bejahenden Bezug mehr zur katholischen Kirche habe, erinnert mich dieser Ablauf ziemlich an Ignatius von Loyola und seine Anleitung zu Exerzitien:

1. Wahrnehmen/Benennen
2. Unterscheiden/Sortieren
3. Entscheiden/Positionieren

in meiner Zeit als Jugendliche in der katholischen Jugend, ist das in meine Seele getropft. es ist eine Haltung geworden. eine Möglichkeit, den ersten Schritt zu finden. oder ein Weg zu sich selbst.

so gehen wir durch die Tage. uns freut das eine. uns stört das andere. manches Essen schmeckt toll. manches macht nur satt. wir mögen Video-Calls, aber nicht immer. wir träumen von den beiden Geburtstagen, die vor uns liegen. wir vermissen ganz schrecklich unsere Freunde. aber sie sind alle nicht fort, sondern sie senden Nachrichten, helfen beim Einkaufen und schicken Cartoons oder Sprachnachrichten.

aushalten. atmen. sich selbst gut tun. anderen gut tun. mehr können wir gerade nicht. mehr muss es an dieser Stelle nicht sein.

nicht wahr?

Liefs,

Minusch

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