Corona-Test-Preps (Darmstadt/Hessen)

moin. wir waren heute mal beim Corona-Test (so klingt das, als hätten wir ein neues Freizeitangebot ausprobiert). Auslöser war die 38° Temperatur vom Kleinen gestern abend. wir haben alle drei etwas Schnupfen und der Bauch tut mal weh. geschenkt, zum Schulanfang ist sowas nicht beunruhigend. zumal wir alle drei die Vormittage buchstäblich im Durchzug zwischen offenem Fenster und offener Klassenzimmertür verbringen. aber das Fieber hat mich verunsichert. daher: Abklärung.

der heutige Vormittag stand also ganz im Sinne dieser Abklärung: wer kann mir verlässlich sagen, was ich wie machen muss, damit ich es richtig mache? und weil das alles überhaupt nicht selbsterklärend ist und etwas mehr Planung uns die Wartezeit heute etwas vereinfach hätte, habe ich beschlossen, darüber zu schreiben.

da ich auch Halsschmerzen, also Erkältungssymptome, habe, habe ich mich an unsere Hausärztin gewandt um gegebenenfalls uns drei testen lassen zu können. Ich hätte auch die Kinderärztin fragen können, aber die könnte ja wiederum mir nicht helfen, und da ich nicht zwei Praxen aufsuchen wollte, rief ich als erstes unsere Hausärztin an. nach Abfrage unserer Symptome gab es schon telefonisch die Empfehlung:

für die Kinder einen speziellen Kinderarzt mit Corona-Testung über eine Hotline anzurufen und mich selbst an die 116117 zu wenden mit der Info, Hausärztin empfiehlt Testung wegen akuter Erkältungssymptome.

die Hotline des Kinderarztes mit Corona-Testung war von 8-8:30Uhr nicht besetzt.

dann also die 116117 mit der inneren Haltung einer Zen-Meisterin. an der Hotline war ich vor einem halben Jahr schon mal 6h lang gescheitert. aber als mir die Warteschleife nach ungefähr 3 Weiterleitungen (116117>>regionale Servicestelle>>Patientenservice der kassenärztlichen Vereinigung Hessen>>ärztlicher Bereitschaftsdienst Darmstadt) mitteilte, auf Platz 14 zu sein, schöpfte ich Hoffnung: 38min später wusste ich, dass wir in das hiesige Corona-Test-Zentrum fahren mussten mit den Krankenkassenkraten, MNS-Masken und einem Kugelschreiber.

Es war kurz nach 9, das Testzentrum öffnete um 9, also dachte ich mir: da die Kinder schon gemeinsam eine Packung Kokos-Zwieback verputzt hatten, könnte ich riskieren, ohne Proviant zu fahren. Ich war geistesgegenwärtig genug, nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren (FAHRT NICHT MIT DEN ÖFFIS ZUM TEST!). aber als wir die Schlange vor dem Testzentrum sahen, wusste ich: ich habe mich komplett verschätzt.

Tipp:
Packt etwas zu trinken ein, und zwar nur Wasser! Nehmt eine Kleinigkeit zu essen mit, aber KEINE BONBONS UND KEINE KAUGUMMIES! Als wir in der Schlange schon recht weit waren, informierte uns eine gute verpackte Frau im Vorbeigehen darüber, dass Bonbons und Kaugummies eine schlechte Idee seien. die Begründung hat sie nicht genannt, aber ich habe auch nicht gefragt. falls sie jemand weiß: gerne in den Kommentaren droppen.

außer Essen hilft auch alles, was Kinder beim Autofahren beschäftigen würde. ich hatte immerhin zwei Bleistifte und einen Block dabei, damit die Jungs Minecraft-Entwürfe planen konnten. und der Akku meines Handys gab genug her, um ein paar Simon’s Cat Videos zu streamen. zumindest in unserem Testzentrum ging es strikt der Reihe nach und wild hustende Kinder wurden so wenig vorgelassen wie Mütter mit 3jährigen auf dem Arm. Eltern brauchen da Nerven. und Akku. ggfs. auch Netz.

Sitzgelegenheiten gab es am Ende der Schlange kurz vor der einlassenden Tür. 4 Stühle mit etwa 2m Abstand erlaubten auf den letzten Metern Entlastung für den Rücken. immerhin haben wir über 3,5 Schlange gestanden.

wir haben in der Zeit über die Baustelle geredet, Trauben an der Mauer gezählt, Pausenspiele gespielt, geschimpft, Mitgefühl empfunden, Hoffnung gehegt, Yoga gemacht, gezeichnet, uns um diese Betonklötze für Baustellenzäune zum Draufsetzen gestritten…meine Mutter brachte uns eine Tüte mit Brezeln und was zu trinken, als wir im letzten Ansteh-Abschnitt waren und ich es nicht mehr wagte, die Maske abzusetzen.

Tipp: esst alles direkt am Anfang auf, damit ihr später nicht mitten in einem abgesperrten Abschnitt umgeben von Corona-Test-Kandidat:innen stehen müsst und euch fragt, ob der Wind fest genug ist, um über 1,50m Aerosole auf das Brötchen zu pusten.

dadurch, dass wir nichts getrunken haben, mussten wir glücklicherweise nicht aufs Klo. aber andere Familien nutzten das Klo des Hauses. es gab also eines. und die Familien kamen auch an ihren Warteschlangen-Platz zurück. Solidarität unter Schlangesteher:innen! das hat mich ein wenig gerührt.

noch in der Schlange bekamen wir einen Bogen zum ausfüllen, in dem wir bestätigen sollten, dass wir jetzt wissen, was mit unseren Daten passiert und dass wir nach dem Test direkt zurück nachhause gehen sollten.
als wir ins Gebäude durften, wäre alles ganz schnell gegangen, wenn wir drei nur zwei gewesen wären und einer von uns nicht einen Selbstbestimmungsanfall bekommen hätte. aber: der testende Arzt war ausgesprochen geduldig und humorvoll und schob uns in ein Nebenzimmer, um untereinander zu klären, unter welchen Bedingungen unsere Nummer 3 bereit wäre, sich ein Stäbchen in den Mund stecken zu lassen und laut „äh“ zu sagen. auf den Tischen in den Testräumen klebten Zettel mit der Bitte, bloß nicht wegen der Testergebnisse im Gesundheitsamt anzurufen und stattdessen 3-5 Tage abzuwarten. zuhause. in Quarantäne.

danach duften wir unsere Hände desinfizieren und bekamen ein etwas umfangreicheres Infoblatt, dass uns daran erinnern soll, auch wirklich bis zum Erhalt der Ergebnisse zuhause zu bleiben. und an wen wir uns wenden können, sollten wir nach 5 Tagen noch kein Ergebnis haben (Spoiler: die 116117). und dass wir unverzüglich nachhause zu gehen haben, Abstand zu halten und auf keinen Fall öffentliche Verkehrsmitteln nutzen!! und dass die 116117 keine Testergebnisse weitergibt. Und dass im Falle eines positiven Tests sich das Gesundheitsamt bei einem meldet und im Falle eines negativen Tests von der kassenärztlichen Vereinigung Hessen eine SMS, ein Anruf oder ein Brief kommt, was einige Tage in Anspruch nehmen kann.

das ist das, was ihr dann habt. mehr Infos gibt es nicht. und auch keine Krankschreibung. wenn ihr euch in Quarantäne begebt, ist das Schrödingers Quarantäne, deren Finanzierung sich erst rückwirkend klärt, denn: ist das Testergebnis positiv, kann sich der Arbeitgeber das Geld vom Gesundheitsamt zurückholen. Ist der Test negativ, wäre es besser, ihr wäret krank geschrieben gewesen, weil dann die Krankenkasse einspringt. zumindest wurde es mir gerade so erklärt. es würde mich ja freuen, wenn andere Arbeitgeber mit dem Umstand anders umgingen.

Knackpunkte bleiben:
lange Wartezeit mit MNS-Schutz bei egal welchem Wetter zum größten Teil draußen!
Keine Abkürzung für Eltern von kleinen Kindern!
Nicht die Öffis Nutzen für den Weg hin oder zurück vom Testzentrum!
Keine Bonbons und Kaugummies und am besten überhaupt nur Wasser!
Danach Quarantäne bis zum negativen Testergebnis!

ich bin mir sicher, die eine oder andere Familie wird noch überrascht vor so einer Schlange stehen und sich dann stundenlang dort durch warten. möge dieser Bericht helfen, vorab ein paar Weichen zu stellen und vor allem vorbereitet zu sein auf das „danach“.

Liefs,

Minusch

4 Antworten auf „Corona-Test-Preps (Darmstadt/Hessen)

  1. Oh Gott, wie nervig! Wir haben einen Kinderarzt, der alle Kinder mit irgendwelchen Symptomen, die zu Covid-19 gehören, selbst testet und sofort anruft, wenn das Ergebnis da ist. Und ich habe sogar zwei HNO-Ärztinnen, bei denen ich mich testen lassen kann. Bei der Lehrkräfte-Testung (die vom Land bezahlt wird) geht es so: Ach hallo, kommen Sie rein, wie geht’s, Stäbchen rein und am nächsten Tag gibt es das Ergebnis (in der Corona-App zwar auch nach einer Woche nicht drin, aber ich hab’s schriftlich). Warum geht das nicht überall so? Ich drück die Daumen, dass ihr negativ seid und das Ergebnis schnell bekommt!

      1. Hi, wir waren heute auch Zum Corona-Test im Darmstädter Testzentrum. Wir hatten das Glück „nur “ 2h anzusehen .
        Wie lange hat das Testergebnis bei Ihnen am Ende auf sich warten lassen?
        Grüße

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